.[Rezension] Marc Meller: Raum der Angst (Band #1 einer Reihe)

Er nennt sich Janus. Nach dem römischen Gott der Ein- und Ausgänge. Und er kommt in der Nacht. Still, heimlich. In dein Zuhause. Er betäubt dich, nimmt dich mit und schließt dich ein, in einen kalten, dunklen Raum. Um mit dir ein Spiel zu spielen. Sein Spiel. Ein Spiel voller Rätsel. Du hast nur eine Chance diesem Albtraum lebend zu entkommen: Du musst Janus‘ Spiel spielen – und gewinnen. Zum Glück bist du nicht allein. Du hast Mitspieler. Noch denkst du, dass das ein Vorteil wäre. Bis du begreifst: Dieses Spiel erlaubt nur einen Sieger, nicht mehrere, und die Verlierer werden sterben. (Offizieller Klappentext)


Escape-Room-Thriller scheinen momentan in Mode zu sein, erst letztens erschien mit „The Escape Game“ ein solcher – jetzt der erste (?) aus Deutschland. Marc Meller, der eigentlich anders heißt, hat selber ein halbes Jahr in einem Escape Room verbracht, und meint damit das Buch, an dem er ein halbes Jahr gearbeitet hat. Während des Lesens dieses Buches hat mich eine mehrtägige Lesekrise gepackt. Normalerweise lese ich dann etwas anderes und rühre das Buch nie wieder an. Ob das hier auch der Fall war? Mal sehen.

Hannah ist Psychologie-Studentin und jobbt in einer Mexican Bar, um sich etwas dazuzuverdienen. Eines Abends sitzt ein sonderbarer Typ mit Cowboyhut an der Bar, der ständig auf sein Handy starrt. Immerhin gibt er ein üppiges Trinkgeld für das eine Bier, das er an dem Abend getrunken hat. An den restlichen Abend erinnert Hannah sich nicht, und auch der Ort, an dem sie aufwacht, ist ihr unbekannt. Es ist stockfinster und sie muss dringend auf die Toilette – was war passiert?

Meller mischt mehrere Genres, wir finden einen Whodunit-Thriller, in dem sich die Ermittler Eva Dahlhaus und Bernd Kappler um einen Mordfall kümmern. Sie finden einen Busfahrer mit durchtrennter Kehle – die Passagiere des Busses sind weg. Es waren insgesamt sieben, die bei einem Experiment des Psychologie-Professors Andreas Zargert mitmachen sollten – doch der wartet vergeblich auf seine Probanden. Das Experiment, das an solche wie Milgram oder ähnliche Sozialexperimente erinnert, macht das ganze auch irgendwo zu einem Psychothriller. Denn es gibt natürlich trotzdem ein Escape-Room-artiges Experiment, nur nicht jenes von Zargert.

Lange dachte ich, das Experiment sei eine hidden challenge und es geht in Wahrheit darum, Hannah aus ihrem Verlies zu befreien, aber nein, die 23-Jährige stößt recht bald zu den sieben und entpuppt sich recht schnell zur Leaderin der Truppe. Dann kam meine Lesekrise, zum ersten Mal seit fast 20 Jahre, plötzlich hatte ich null Bock darauf, ein Buch zu lesen; dachte, das dauert jetzt – wie damals – mehrere Wochen. Dann hätte ich das Buch mit Sicherheit nicht fertig gelesen – aber nach drei Tage war die Lethargie vorbei, ich hab weitergelesen und war sofort wieder drin.

Das Buch ist flott und die Rätsel im Escape Room wirken auch hochwertig in dem Sinne, dass es keine 08/15-Rätsel sind. Im Nachwort erfährt man auch, wieso. Die Charaktere weisen allerdings keine besondere Tiefe auf, das wird aber auch schwer bei solch einer Fülle an Figuren.

Am Ende ahnt man, dass „Raum der Angst“ nicht das einzige Buch von Meller in dem Kosmos bleiben wird. Ich bin schon gespannt, was der Autor uns dann bieten wird.

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Daten zum Buch 

Autor: Marc Meller
Titel: Raum der Angst
Seiten: 385
Kapitel: 54 (+ Epilog)
Erschienen am: 31. August2020
Verlag: Ullstein
ISBN: 9783548063805
Preis Print: 10,99 Euro
Preis Digital: 9,99 Euro
(Preise können abweichen)

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