[Rezension] James Patterson / Brendan DuBois: Die Frau des Präsidenten

Der US-Präsident hat eine Affäre. Als der Skandal mitten im Wahlkampf öffentlich wird, stehen Präsident Tucker und sein Regierungsstab im Kreuzfeuer. Um wiedergewählt zu werden, braucht der Staatschef die First Lady an seiner Seite. Grace Tucker aber hat nicht vor, weiter die Vorzeigegattin für ihren untreuen Ehemann zu spielen. Zutiefst verletzt verlässt sie Washington – und verschwindet spurlos. Secret-Service-Agentin Sally Grissom soll die First Lady aufspüren und zurückbringen. Doch ist diese freiwillig untergetaucht? Oder befindet sich die Frau des Präsidenten in viel größerer Gefahr als gedacht? (Offizieller Klappentext)


Mal ein Politthrilller – oder so ähnlich. James Patterson ist sowieso eine Bank, was das Schreiben betrifft. Und trotzdem habe ich eine Ewigkeit nichts mehr von ihm gelesen – da war es jetzt höchste Zeit, vor allem bei dem Titel, dem Cover (dazu später mehr), und dem Klappentext. Der Name Brendan DuBois sagte mir hingegen vorher nichts – er sollte mir in guter Erinnerung bleiben.

Die First Lady der USA ist also fort, weil der Präsident schon seit einiger Zeit  eine andere vögelt. Dass das just vier Wochen vor der Wahl rauskommt, ist natürlich suboptimal für seine Wiederwahl — und für seine Ehe sowieso. Jetzt beauftragen der Präsident und sein Stabschef Parker Hoyt die Secret-Service-Agentin Sally Grissen, die First Lady zu finden. Die weigert sich zunächst – erst nachdem Hoyt ihr persönliche Maßnahmen androht, macht sie sich mit ihrem Team auf die Suche. Unter größtmöglicher Geheimhaltung. Es ist also eher Zwangsarbeit, die sie verrichtet. Aber nicht nur das, Hoyt beauftragt auch noch eine Scharfschützin, die die First Lady töten soll – nur so ist die Wiederwahl von Harrison Tucker gesichert

Die US-Wahl ist ja durchaus ein aktuelles Thema, nur heißt es in „Die Frau des Präsidenten“ nicht STOP THE COUNT, sondern FIND MY WIFE, auch wenn Mr. President lieber mit der jüngeren Tammy Doyle im Bett liegt. Tucker selbst ist das genaue Gegenteil von Trump, er erinnert mich eher an Pete Buttigieg, der dieses Jahr bei den US-Vorwahlen für die Demokraten antrat. Aber ehrlich gesagt steht der Präsident im Buch nicht im Mittelpunkt des Geschehens.

Es gibt drei Handlungsstränge, die sich Sally Grissom, Parker Hoyt und die Scharfschützin Marsha Gray teilen. Die Handlung ist durch und durch spannend, wenn ich nicht gesundheitlich angeschlagen gewesen wäre, wäre ich auch eine Woche früher fertig gewesen – aber egal. Politik spielt in dem Buch eigentlich kaum eine Rolle, man erfährt aber einiges über die First Lady und wie sie sich für Kinder einsetzt. Das ist rührend und macht Grace Fuller Tucker, wie sie mit vollem Namen heißt, menschlich. Auch Sally Grissom und ihre Familiengeschichte weiß durchaus zu rühren. Und Parker Hoyt? Der ist Machiavellist durch und durch, der würde über Leichen gehen für den Erfolg seines direkten Vorgesetzten, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, dessen Stabschef er ist. Damit bildet er einen starken Kontrast zu den zwei Frauen. Die Charaktere stehen somit klar im Vordergrund. Und es sind gut gezeichnete Charaktere, jeder Einzelne ist willensstark und durchsetzungsfähig.

Nur einen Charakter, der im Showdown auftaucht, habe ich nicht verstanden: Einen Hubschrauberpilot, der seinen Auftrag plötzlich abbricht. Den hätte man auch weglassen können, denn die Szene bringt dem Buch keinerlei Mehrwert. Was auch noch Erwähnung finden sollte, ist das Buchcover, das mir persönlich zu martialisch ist, und die Handlung keineswegs widerspiegelt. Auch hat das in Flammen stehende Gebäude darauf – der US-Kongress – nichts mit dem Inhalt zu tun. Der Kongress spielt mit keiner Silbe eine Rolle.

Daten zum Buch 

Autor: James Patterson & Brendan Dubois
Titel: Die Frau des Präsidenten
Originaltitel: The First Lady
Übersetzung: Peter Beyer
Seiten: 416
Kapitel: 90
Erschienen am: 16. November 2020
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3442491124
Preis Print: 10 Euro
Preis Digital: 9,99 Euro
(Preise können abweichen)

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