[Rezension] Kendra Elliot: Die verschollene Schwester (Columbia River – Band #1)

Vor zwanzig Jahren wurde Emily Mills’ Vater brutal ermordet. Dass der Mörder gefasst wurde, ist kaum ein Trost, denn die Tragödie trieb Emilys Mutter in den Selbstmord und ihre ältere Schwester Tara verschwand über Nacht aus der Stadt.
Als ein Mord mit ganz ähnlicher Handschrift geschieht, ist Emily wieder die Erste am Tatort. Zufall? Agent Zander Wells vom FBI ermittelt. Fasziniert von der zerbrechlichen Emily, taucht er tief in die Geschichte ihrer Familie und die dunklen Geheimnisse der kleinen Stadt ein. Mit lebensgefährlichen Folgen … (Offizieller Klappentext)


Zander Wells ist FBI-Agent in Portland, USA. Gemeinsam mit seiner Kollegin, von der er einmal etwas wollte, die aber demnächst jemand anderen heiraten wird, wird er in ein kleines Kaff gerufen, in dem schon vor 20 Jahren jemand aufgehängt wurde. Jepp, aufgehängt, das klingt nach grauer Vorzeit, in denen Menschen öffentlichkeitswirksam am Galgen ihren Tod fanden. Vor 20 Jahren fand Emilys Vater so seinen Tod, kurz später suizidierte sich auch noch ihre Mutter – und um die Tragödie perfekt zu machen, verschwand ihre ältere Schwester Tara auch noch spurlos. Seitdem wohnt Emily mit ihrer Schwester Madison bei ihren drei Großtanten, die so chaotisch wie Tick, Trick und Track sind – aber ebenso liebenswert. Emily fand das nun getötete Ehepaar Sean und Lindsay. Sean war schwarz und hat ein bekanntes Zeichen des Ku-Klux-Klan in die Stirn geritzt. Ein Mord mit rassistischem Hintergrund oder lediglich ein Ablenkungsmanöver? Zander Wells und seine Kollegin Ava McLane stehen vor einer kniffligen Aufgabe.

Diese – zumindest im deutschsprachigen Raum – neue Reihe von Kendra Elliot ist ein Spin-off der sehr erfolgreichen und mir trotzdem unbekannten Callahan-&-McLane-Reihe, in der Zander Wells offenbar ein paar Auftritte hat. Und ich habe mich während des Lesens gefragt, warum man fast nichts über Ava erfährt – dafür muss man wohl die oben genannte Reihe lesen. Das ist clever gedacht von Elliot und ihre Stammleser werden dem bestimmt nachkommen – ich allerdings mit ziemlicher Sicherheit nicht.

Das Buch fängt zwar flott und spannend an, und die Familiengeschichte von Emily, Madison und deren Großtanten ist auch interessant – aber die Geschichte wird irgendwann träge und beliebig. Austauschbar. Man kann das Buch schon lesen und es wird durch eine ausgeklügelte Denkweise seitens Kendra Elliot, die auch Psychothriller-Elemente einbaut, nahezu unmöglich, diesen Fall als Leser zu lösen. Das ist schon stark gemacht von der Autorin, aber die Geschichte an sich bietet durch die Charaktere und die Machart abseits von der Auflösung nicht viel Neues.

Was mir ebenfalls etwas sauer aufgestoßen ist, ist, dass die ganzen jüngeren Frauen im Buch alle durchgängig attraktiv und hübsch sind – über die Männer und deren Optik äußert sich Elliot gar nicht. Geschlechtergerechtigkeit perdu, und das im 21. Jahrhundert. Das erinnert schwer an Honeymoon von Harlan Coben, nur dass dessen Buch aus den 1980ern stammt. Das hätte man durchaus moderner gestalten können.

Die Dorfidylle hat allerdings etwas für sich, Gerüchte über einen rassistisch motivierten Mord passen perfekt in solch ein Setting. Auch das Diner, das Emily mit ihrer Schwester betreibt, ist durchaus stimmig und die Familiengeschichte mit der riesigen Villa, in der die drei Großtanten mit ihren Großnichten wohnen und um die sich einige Mythen ranken, verströmt etwas Gruseliges. Das passt alles ganz gut, und trotzdem will nie wirklich eine richtige Atmosphäre aufkommen. Vielleicht kommt die in den nächsten Teilen – es gibt bereits vier, allerdings wurde bis jetzt nur der erste ins Deutsche übersetzt –, hier will es nicht wirklich gelingen.

Daten zum Buch 

Autor: Kendra Elliot
Titel: Die verschollene Schwester
Originaltitel: The Last Sister
Übersetzung: Astrid Becker
Seiten: 373
Kapitel: 39
Erschienen am: 9. Februar 2021
Verlag: Edition M
ISBN: 978-2496705041
Preis Print: 7,99 Euro
Preis Digital: 2,49 Euro
(Preise können abweichen)

Rezensionsexemplar

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