[Rezension] Theresa Prammer: Lockvogel

Toni hat praktisch keinen Euro mehr in der Tasche. Nicht, weil die Schauspielschülerin ihren Allerwertesten nicht hochbekommt, sondern weil sich ihr Freund Felix mit ihren Ersparnissen auf und davon gemacht hat. Geld weg, Freund weg (Oder Ex-Freund? Betrüger? Was zur Hölle ist er denn nun?), dafür werden die unbezahlten Rechnungen immer mehr. – Toni hat einen riesigen Berg besonders saurer Zitronen vorgesetzt bekommen. Nur: Was macht sie daraus? Zuerst einmal: Durchatmen, Limonade machen auf später verschieben und schleunigst Felix zur Rede stellen. Dafür wendet sie sich an Privatdetektiv Edgar Behm. Der könnte Felix aufspüren. Doch wie soll sie ihn bezahlen?

Auch Sybille Steiner findet den Weg in Behms Detektei: Die Ehefrau eines Starregisseurs hat beunruhigende Post erhalten. Einem anonymen Tagebuch zufolge soll ihr Ehemann vor Jahren gegenüber einer jungen Schauspielerin seine Machtposition ausgenutzt haben. Sind die Anschuldigungen wahr? Wer ist die Verfasserin? Hat damit gar der Tod eines Mannes auf einer von Steiners High-Society-Partys etwas zu tun? Möglichst schnell, bevor die Presse Wind davon bekommt, muss Behm genau das herausfinden. Wie praktisch, dass gerade eine Schauspielschülerin bei Behm aufgetaucht ist, die ihn nicht bezahlen kann: Toni wird als Lockvogel engagiert. Welche Gefahren warten auf sie in der Filmbranche, die für Machtgefälle und Intrigen berüchtigt ist? (Offizieller Klappentext)


Theresa Prammer ist vielseitig begabt, egal ob Theater, Film oder Buch – sie kennt sich überall aus. Ich kannte sie weder von dort, noch von da; erst eine Insta-Story von Marc Elsberg machte mich auf sie und ihr neues Buch „Lockvogel“ aufmerksam. Nachdem ich erfahren habe, dass das Buch in Wien spielt, musste ich nicht lange überlegen.

Antonia Lorenz wird von allen eigentlich nur Toni genannt. Sie ist Schauspielstudentin am Wiener Konservatorium. Eigentlich hat sie bedingt durch ihre Großmutter, die sie mangels Eltern großgezogen hat, gar nicht so wenig Geld — Ihr Tresor ist voll damit —, und teurer Schmuck ist auch noch darin. Aber nun ist alles weg. Gestohlen von ihrem Freund Felix, der ebenfalls weg ist. Deshalb steht sie bei Edgar Brehm, seines Zeichens Privatdetektiv, auf der Matte. Der ist gerade knapp bei Kasse und hat obendrein auch noch gröbere gesundheitliche Probleme. Er könnte also einen Auftrag gebrauchen – doch Toni kann nicht zahlen. Da haben wir den Salat. Gut, dass noch eine zahlungskräftige Klientin daherkommt, die ihren Mann des Ehebruchs bezichtigt. Die drückt Brehm ein Kuvert mit etlichen pinken Scheinen (das sind die 500er, ich kenne die auch nur aus Erzählungen) in die Hand und gibt ihm drei Tage, um ihren Mann zu überführen. Als die Ermittlungsarbeit beginnt, in die er Toni einbaut, weil die ja ohnehin nicht zahlen kann, stößt er in ein Wespennest, denn der Fall ist wesentlich größer.

Das ist ganz grob die Handlung. Was mir sofort aufgefallen ist: Toni war mir auf Anhieb sympathisch. Mit wie viel Engagement und Verve sie sich in die Aufgaben stürzt, die ihr Brehm aufträgt bzw. wie viel Eigeninitiative sie auch einbringt, denn sie bietet ihm ihre Dienste ja erst an. Da kann sich der ein oder andere – ja sogar ich – eine Scheibe abschneiden. Brehm hingegen ist der knurrige Detektiv, wie er im Buche steht – ja okay, er ist schwul. Dass man sowas im 21. Jahrhundert noch herausstreichen muss, spricht nicht gerade für unsere Gesellschaft. Das hat Claire Douglas in ihrem Buch „Beste Freundin“ (Rezension folgt) wesentlich besser gelöst; wo zum Arbeitskollegen der Protagonistin lediglich angemerkt wurde,, dass er einen Freund hat ― und damit war alles gesagt. Da muss man kein Fass aufmachen, als wäre ein schwuler Mensch die Sensation des Jahrhunderts, schließlich würde sich vermutlich kein heterosexueller Mensch zu seiner sexuellen Neigung bekennen – eben weil es komplett egal ist, solange es im gesetzlichen Rahmen ist.

#MeToo spielt ebenfalls eine gewisse Rolle, drängt sich aber nicht auf, auch wenn sich ein Großteil der Handlung um die Schauspielerei dreht und ein Regisseur – eben jener vermeintliche Ehebrecher – im Mittelpunkt steht. Das Buch-Cover wirkt zwar unaufgeregt ― der Inhalt ist es aber mitnichten.

„Lockvogel“ ist sehr dialoglastig, was ich sehr gerne mag. Sonst würde ich es als klassischen Whodunit-Krimi kategorisieren. Der Standort Wien spielt dabei aber eine untergeordnete Rolle, vielmehr steht die Interaktion zwischen den Charakteren – allen voran zwischen den Hauptakteuren Toni und Brehm – im Vordergrund. Ob „Lockvogel“ der Auftakt zu einer Reihe ist, ist für mich am Ende nicht ganz klar geworden. Ich würde es mir allerdings wünschen, weil das Duo Toni Lorenz – Brehm außerordentlich sympathisch ist und Toni sichtlich Spaß am Detektieren hat.

Daten zum Buch 

Autor: Theresa Prammer
Titel: Lockvogel
Seiten: 376
Kapitel: 36
Erschienen am: 16. März 2021
Verlag: Haymon Verlag
ISBN: 978-3709981030
Preis Print: 24,43 Euro
Preis Digital: 18,99 Euro
(Preise können abweichen)

Rezensionsexemplar

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