[Rezension] Camilla Läckberg: Wings of Silver – Die Rache einer Frau ist schön und brutal (Golden Cage – Band #2)

Faye lebt mittlerweile in Italien, gemeinsam mit Mutter und Tochter. Revenge steht kurz vor der Markteinführung in den USA. Eigentlich könnte es nicht besser laufen, denn sie lernt auch noch David kennen und glaubt, endlich den Mann ihres Lebens kennengelernt zu haben. Doch irgendwas stimmt nicht bei Revenge, denn es stellen sich Unregelmäßigkeiten ein. Immer mehr Aktionärinnen verkaufen ihre Anteile – was ist da los? Zu allem Überfluss sitzt Jack nicht mehr im Gefängnis! Jack, den sie mit einem Trick hinter Gittern gebracht hat. Alles scheint sich gegen sie verschworen zu haben. Zum Glück hat sie David, der ihr Halt gibt …


„Wings of Silver“ ist die Fortsetzung von „Golden Cage“, welches ich vor nicht allzu langer Zeit gelesen und für gut befunden habe – dementsprechend habe ich mich einigermaßen auf diesen Teil gefreut. Aber dann … tja.

Faye hat mich schon im ersten Teil, den man übrigens zwingend gelesen haben sollte, bevor man den hier liest, ziemlich beeindruckt. Sie hat sich von ihrem Mann emanzipiert und ihr Leben komplett auf links gedreht, eine Firma namens Revenge – Rache – gegründet und den Namen der Firma in die Tat umgesetzt und damit ihren Mann, der sie zusehends unterdrückt und betrogen hat, zerstört. Mittlerweile lebt sie mit ihrer Tochter und ihrer Mutter in Italien und lebt ein idyllisches und hedonistisches Leben. Doch die Arbeit ruft nach zwei Jahren wieder, Revenge soll in den USA an den Start gehen, wofür sie zurück nach Schweden muss. Dort lernt sie David nicht nur kennen, sondern auch lieben.

Fangen wir beim Cover an, welches ich gar nicht mal so toll finde. „Wings of Silver“ ist wie „Golden Cage“ ein Buch für Frauen. Dass man einen Lippenstift der Firma Revenge abbildet, macht oberflächlich betrachtet durchaus Sinn. Man will mit dem Cover Frauen ansprechen, weil der Inhalt an Frauen gerichtet ist – einerseits. Andererseits bin ich mir nicht sicher, ob das Cover den Inhalt des Buches repräsentiert, weil man sich eines stereotypen Symbols einer Frau bedient. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Faye das gefallen würde, die – mitunter radikale – Feministin ist. Da geht so weit, dass sie auch vor Mord nicht zurückschreckt; das haben wir in „Golden Cage“ bereits gelernt. Abgesehen davon, dass rund 80 Prozent der Krimi- und Thriller-Leser ohnehin Frauen sind, also eigentlich bräuchte man solche Marketingstrategien nicht – das Buch würde auch ohne Lippenstift von Frauen gekauft werden. Außerdem sieht die Farbkombination Rot/Grau ziemlich ranzig aus.

Genug dazu, jetzt zum Inhalt, bei dem ich mir gar nicht so sicher bin, ob es ein Thriller ist – zeitweise bin ich mir vorgekommen wie auf Youporn. Ich kann mich erinnern, dass es in „Golden Cage“ eine Sexszene gab – eine! Das war zu Beginn, und bereits damals habe ich kritisiert, dass das Buch so etwas gar nicht nötig hat. „Wings of Silver“ hat mindestens drei solcher expliziten Sexszenen und dazwischen ausgiebiges Geturtel zwischen Faye und David, ihr Love Interest, den sie kennenlernt und der so viel toller ist als ihr Ex Jack. Ich habe keineswegs etwas gegen Sexszenen, die sogar sehr gut und ästhetisch in Szene gesetzt sind, aber dafür, dass „Wings of Silver“ ein Thriller sein soll, war mir das etwas zu viel.

Thriller also weit gefehlt, erst kurz vor Ende gibt es endlich thrilling action. Zwischendurch blicken wir wie schon im ersten Teil zurück zur jungen Faye aka Matilda. Diese Passagen fand ich wesentlich interessanter als das Dauergeturtel zwischen Faye und David. Da lernt man nämlich zu verstehen, wie Faye so wurde wie, sie heute ist. Leider sind die Passagen nie sehr lang.

Die Golden-Cage-Reihe wird weitergehen, das deutet das Ende an. Und ich kann mir vorstellen, dass es der letzte Teil sein könnte. Im Titel wird wahrscheinlich das Wort Bronze vorkommen. Hoffentlich passt sich das Niveau nicht dementsprechend an.

246x0w
DAS KRIMISOFA IST JETZT AUCH AUF INSTAGRAM

Daten zum Buch 

Autor: Camilla Läckberg
Titel: Wings of Silver – Die Rache einer Frau ist schön und brutal
Originaltitel: Vingar av silver
Übersetzung: Katrin Frey, Leena Flegler
Seiten: 352
Erschienen am: 3. August 2020
Verlag: List
ISBN: 978-3471351741
Preis Print: 19,99 Euro
Preis Digital: 15,99 Euro
(Preise können abweichen)

[Rezension] Camilla Läckberg: Golden Cage – Die Rache einer Frau ist schön und brutal. (Golden Cage Reihe – Band #1)

Faye hat eigentlich alles, sie muss nicht arbeiten, nicht einkaufen gehen, sie muss nur atmen, um zu überleben – bis sie merkt, dass sie mehr will. Vor allem mehr von Jack, ihrem Mann. Jenem Mann, dem sie all das zu verdanken hat. Sie versucht alles, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen, doch jeder Versuch scheitert. Gestresst, keine Zeit, keine Lust, Arbeit – das sind seine Ausreden. Als ihre Tochter ihr auch noch sagt, dass ihr Vater gesagt hätte, dass sie fett sei, bricht für Faye eine Welt zusammen. Als sie ihn eines Tages in flagranti mit einer anderen erwischt, wacht sie auf und schwört sich, dass sie Jack brechen wird …


„Golden Cage“ steht schon länger auf meiner to-read-Liste, bereits letztes Jahr habe ich damit gustiert, mir das Buch zu holen, aber irgendwie hat es sich nicht ergeben. Jetzt kommt das Buch als Taschenbuch heraus, mit einem Cover, das das Buch weit besser repräsentiert als das der broschierten Ausgabe. Zeit, zuzuschlagen.

Faye heißt eigentlich Matilda und kommt vom Land. Mit 18 kommt sie von dort nach Stockholm, um an der Handelshochschule zu studieren. Bis sie wieder aufhört damit, denn sie hatte ja nun Jack Adelheim, den smarten Mann mit blauem Blut und einer Firma, die ihn zum Multimillionär gemacht hat – was braucht frau denn mehr? Unabhängigkeit, oder einen Uni-Abschluss zum Beispiel – im Idealfall beides. Aber nein, stattdessen geht Matilda äääh Faye jeden Freitag mit ihrer verhassten Clique essen, wo allerdings höchstens an einem Salatblatt herumgeknabbert wird. Als sie Jack bei einem Seitensprung erwischt, sagt er sofort, dass er sich scheiden lassen will. Und das ist Fayes Startschuss für ein neues Leben.

Eines vorweg, was mich anfangs ziemlich verstimmt hat. Die Taschenbuch-Ausgabe kommt nicht nur mit einem neuen Cover – was durchaus okay ist –, sondern auch mit neuem Untertitel (der alte: Trau ihm nicht. Trau niemandem.) und neuem Klappentext. Da es der erste Teil einer Reihe ist, musste ich erst mal recherchieren, ob es wirklich der Erste ist. Dabei habe ich leider die ersten Wörter des Klappentextes zum zweiten Teil gelesen, der im August heraus kommt, und mir damit direkt das Ende vom ersten Teil gespoilert. Liebe Verlagsmenschen: Das muss nicht sein.

Gleich zu Beginn lesen wir eine Abhandlung über Pornos in bildhafter Sprache, gefolgt von einer sehr explizit beschriebenen Sexszene zwischen Jack und Faye. Läckberg geizt also keineswegs mit nackten Tatsachen, was bestimmt ein guter Reinkommer ist, in ein Buch, das sowas eigentlich nicht nötig hat, dem es aber auch nicht schadet. In drei Teilen und lediglich vier Kapitel erleben wir die Metamorphose einer unterdrückten Raupe zu einem wunderschönen Schmetterling namens Faye, die mit allen Wassern gewaschen ist und ihre ganz eigene tragische Vergangenheit hat. „Golden Cage“ ist ein zutiefst feministisches Buch und behandelt ähnliche Themen wie Chandler Bakers „Whisper Network“ – da wie dort schlagen die Protagonistinnen weit über die Stränge, was man allerdings auch als literarisches Stilmittel sehen kann.

Auch wenn die Geschichte von „Golden Cage“ in der Schicht der oberen Zehntausend spielt, betreffen die Themen darin auch alle Schichten darunter. Dabei geizt das Buch nicht mit Emotionen – vor allem Wut hat es bei mir ausgelöst. Über Jack, weil er so ein Arschloch ist, aber auch über Faye, weil sie so blind ist. Vor allem, weil wir in Rückblenden auch eine andere Faye kennenlernen, eine selbstbewusste, starke Frau, die genau weiß, was sie will. Am Rande der Handlung spielt auch noch ein Gewaltverbrechen eine Rolle, das am Ende zum Tragen kommt.

Das Buch kennt keine Längen und ich durchgehend spannend und interessant. Unterteilt werden die langen Kapitel (teilweise über hundert Seiten) durch Absätze, nach denen man gerne pausieren kann – aber eigentlich will man das nicht. Leseempfehlung!

Daten zum Buch 

Autor: Camilla Läckberg
Titel: Golden Cage – Die Rache einer Frau ist schön und brutal.
Originaltitel: En bur av guld
Übersetzung: Katrin Frey
Seiten: 384
Kapitel: 4
Erschienen am: 29. März 2020
Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3471351734
Preis Print: 17,99 Euro
Preis Digital: 14,99 Euro
(Preise können abweichen)

Rezensionsexemplar