[Rezension] Karsten Dusse: Das Kind in mir will achtsam morden (Achtsamkeitsreihe – Band #2)

Björn Diemel wurde von seiner Frau ein weiteres Mal zum Achtsamkeits-Coach geschickt, weil er seine Gefühle nicht im Griff hat und dies auch regelmäßig signalisiert. Der Coach legt bei den Sitzungen Björns inneres Kind frei, dessen er sich noch gar nicht bewusst war. Nun ist es halt da und muss gezähmt werden. Dass Björn seit einem halben Jahr Boris, den Chef eines Mafia-Clan in seinem Keller sitzen hat, macht die Sache nicht unbedingt leichter. Dass dieser eines Tages plötzlich nicht mehr in seinem Verlies hockt, ebenfalls nicht. Doch das ist nur die Spitze des Eisberges, denn Björn wird von einem Unbekannten erpresst – und dafür benötigt er Boris …


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Mit „Achtsam morden“ hat Karsten Dusse nicht nur ein innovatives Genre erschlossen, sondern auch einen Überraschungserfolg gefeiert. Nun kam „Das Kind in mir will achtsam morden“ heraus und setzt fort, wo der erste Teil geendet hat. Ich habe mich riesig auf den neuen Dusse gefreut – und wurde nicht enttäuscht.

Ja, der Blutfleck, der sich am Cover des ersten Teils der Achtsamkeitsreihe befindet, findet sich auch auf dem Kind, das die Reihe nun in die Welt gesetzt hat, wieder. Allerdings ergänzt durch ein paar weitere kindliche Farbkleckse. In „Achtsam morden“ hat uns Karsten Dusse das Achtsamkeitsthema im Allgemeinen näher gebracht, jetzt spezialisiert er sich auf das innere Kind. Und man merkt, dass Dusse selber achtsam lebt, denn dem neueste Spross merkt man die Hingabe seines Autors an, die er beim Schreiben an den Tag gelegt hat. So eine Leichtigkeit, Kreativität und vor allem diese Gewitztheit, in Kombination mit diesem schweren Thema, findet man nicht oft.

Gleich zu Beginn blicken wir zurück, denn so ganz hatte ich „Achtsam morden“ nicht mehr auf dem Schirm. Danach wird es hoch psychologisch, aber auch hoch interessant. Das Großartige ist, dass sich der Protagonist, der sich zu Beginn des Buches abermals bei seinem Achtsamkeits-Coach findet, nie direkt, sondern eher indirekt tötet – so auch in den Alpen, in denen er mit seiner Frau Katharina und seiner Tochter Emily war. Bis auf Dragan, den er im ersten Teil ziemlich direkt zerstückelt und in den Häcksler geworfen hat – aber da war er schon tot, von der Hitze im Kofferraum, in den Dragan aus freien Stücken gestiegen ist, würde der gelernte Strafverteidiger wohl argumentieren.

„Das Kind in mir will achtsam morden“ spielt ein halbes Jahr nach dem ersten Teil, ist noch besser als sein Vorgänger und dabei nicht nur interessant, sondern auch rasant. Es macht Spaß, Björn Diemel ein weiteres Mal zuzusehen, wie er die Achtsamkeit auf seine ganz eigene Weise interpretiert. Dabei kommuniziert er immer wieder mit seinem inneren Kind, welches wirkt wie irgendwas zwischen einem zusätzlichen Protagonisten und einer gespaltenen Persönlichkeit.

Was weniger Spaß macht, ist das Wort „Assis“, das Dusse regelmäßig benutzt. Ich weiß, dass diese Abkürzung von „Asoziale“ weit verbreitet ist – für mich ist „Assis“ die Abkürzung von „Assistenten“, welche ich als Student mit Behinderung zuhauf gehabt habe. Und die haben weder im Park randaliert, wie sie es in Dusses neuestem Buch tun, noch waren es Asoziale – ganz im Gegenteil. Auch die Interpunktion war für mich nicht zu hundert Prozent zufriedenstellend (siehe Grafik unten), aber weit weniger schwerwiegend als die „Assis“ (wo kommt eigentlich das doppel-S her?).

Daten zum Buch 

Autor: Karsten Dusse
Titel: Das Kind in mir will achtsam morden
Seiten: 480
Kapitel: 50
Erschienen am: 11. Mai 2020
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3453424449
Preis Print: 10,99 Euro
Preis Digital: 9,99 Euro
(Preise können abweichen)

[Rezension] Romy Hausmann: Marta schläft

Nadja wünscht sich so sehr mehr Aufmerksamkeit von Laura. Früher waren sie Freundinnen, dann hat sie Gero geheiratet. Gero van Hoven, ihren und Nadjas Chef. Staatsanwalt. Erfolgreich. Und was hat Nadja? Nur ihre Vergangenheit, die düsterer nicht sein könnte. So düster, dass sie ihre Auswirkungen noch heute spürt. Und dann kommt tatsächlich der Tag, an dem Laura Nadjas Hilfe braucht. Nadja springt sofort, will helfen – und dann steht sie vor einer Leiche und einer Menge Blut. Egal, sie nimmt die Zügel in die Hand, entwirft einen Plan. Ab mit der Leiche ins Auto und irgendwo hinbringen. Irgendwo, wo Gero bereits wartet – warum? Wie kann er Bescheid wissen? Er packt sie, sperrt sie in ein Zimmer und bereitet ein tödliches Tribunal vor  …


Bereits Romy Hausmanns erster Thriller hat mich angelacht. Nicht unbedingt wegen des Inhalts, sondern primär wegen des Covers. Diese Schlichtheit ist catchy, und findet sich auch bei ihrem neuesten Werk wieder. Obwohl sich die beiden Covers so ähneln, dass man meinen könnte, die beiden Bücher hingen zusammen, muss ich dementieren – beides sind eigenständige Bücher. Und das ist gut so. Oder auch nicht.

Nadja wacht in einer Tankstelle auf; mit einem Cut auf der Stirn. Sie dachte, sie wäre eine Klippe hinabgestürzt – aber so kompliziert ist es dann doch nicht. Aufstehen, alle Versuche, sie in ein Spital zu bringen, abwehren, und weiterfahren. Die Perücke nicht vergessen, die ihr vom Kopf gerutscht ist. Und weiter geht die Fahrt. Mit Leiche im Kofferraum. Laura wird auch bald beim angestrebten Ziel sein. Aber dort angekommen, wartet die gebürtige Polin vergebens auf sie.

In einem zweiten Erzählstrang lernen wir Nelly kennen. Und mit ihr beginnt auch das Verderben im doppelten Sinn, denn einerseits stirbt sie und zweitens ist sie für die Geschichte so irrelevant, dass ich sie fünfzig Seiten vorm Ende des Buches, als ich begonnen habe, diese Rezension zu schreiben, längst vergessen habe. In meinen Notizen steht noch, dass sie mit ihrem Großvater immer Schwarz-Weiß-Filme geschaut hat — geschenkt.

Insgesamt gibt es drei Erzählstränge, die irgendwann verschwimmen. Die Erzählweise ist komplizierter als nötig – mehr Feuilleton als Hollywood. Als einfacher Mensch ist mir Hollywood doch lieber, obwohl ich alles andere als Cineast bin. Hausmann hat zwar einen flotten Schreibstil, und ich war auch recht schnell durch, aber insgesamt war mir „Marta schläft“ zu verkopft. Auch habe ich nicht ganz verstanden, warum Hausmann irgendwann das Rotlichtmilieu in die Geschichte mit einbaut. Vielleicht um der Geschichte einen verruchten Touch zu verpassen. Na ja.

Ich habe mir das Buch übrigens wegen eines Podcast-Interviews mit Romy Hausmann geholt, in dem sie mir sehr sympathisch und vor allem authentisch vorkam. Sie hat dabei auch über den Schreibprozess ihres ersten Psychothrillers — „Liebes Kind“ — erzählt, wo sie sich tagelang nicht gewaschen hat, um den Schreibfluss nicht zu unterbrechen — diese Offenheit hat mir imponiert. Dennoch wird „Marta schläft“ vermutlich das einzige Buch gewesen sein, das ich von ihr gelesen habe.

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Daten zum Buch 

Autor: Romy Hausmann
Titel: Marta schläft
Seiten: 400
Kapitel: 73 (+ Epilog)
Erschienen am: 24. April 2020
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423262507
Preis Print: 16,90 Euro
Preis Digital: 14,99 Euro
(Preise können abweichen)

[Rezension] Anna George: Was ich getan habe

David Forrester ist erfolgreicher Anwalt. Aber nicht makellos, denn er hat getötet; jetzt will er sich stellen und nimmt sein Geständnis auf einem Diktiergerät auf. Es war seine große Liebe, die er getötet hat, er hatte Pläne mit ihr, sie waren das perfekte Gespann, hatten identische Interessen, übten sogar eine Zeit lang den selben Beruf aus – aber bereut David den Mord? Keineswegs … Weiterlesen