[Rezension] Amy Gentry: Wie du mir

Dana Diaz ist Stand-up Comedian, die gerade eine Open-Mic-Tour absolviert. An einem Abend lernt sie Amanda kennen, die ihr sofort ihr Herz ausschüttet. Sie wurde von ihrem Ex-Freund schwer misshandelt und dann noch von ihrem ehemaligen Chef sexuell belästigt. Auch Dana hat solche Erfahrungen, breitet sie aber nicht vor Amanda aus. Die zwei gehen einen Auge-um-Auge-Pakt ein, jeder von den zweien muss den Typen, der der anderen Schaden zugefügt hat, diskreditieren – oder mehr. Irgendwann wird es Dana zu extrem und sie taucht unter, ignoriert Amandas Anrufe und Nachrichten. Doch das ist ein Fehler, denn damit begibt sie sich in akute Gefahr …


Einzelbewertung Gesamtbewertung
Plot: 3/5
Atmosphäre: 3/5
Charaktere: 3/5
Spannung: 3/5
Showdown: 4/5

Prolog: Ich hab mir immer vorgenommen, „Good as Gone“ von Amy Gentry zu lesen – dazu gekommen bin ich nie. Nun also der Nachfolger dessen, der gar nichts damit zu tun hat. Mir gefiel das Cover und der Klappentext, Grund genug, das Buch zu lesen. Vor allem das Setting hatte es mir angetan, das klang nicht nach 08/15, das klang nicht nach fünfzehnmal durchgekaut. Tatsächlich ist es dies auch nicht, und so etwas freut mich immer enorm.


 

mit etwas Geduld weiß „Wie du mir“ vortrefflich zu unterhalten.


Dana tingelt gerade durch die Clubs, um einen Open-Mic-Abend nach dem anderen zu absolvieren. Open-Mic, das bedeutet, jeder kann kommen und vor einem Publikum auftreten und sein Comedy-Programm testen. Danas Programm fängt bei ihrer Heimatstadt Amarrillo an und endet bei ihren Brüsten – Lacher bekommt sie an dem Abend kaum. Und dennoch zieht sie exakt die gleiche Nummer beim „Funniest Person in Austin“, der Contest, der bald ansteht, durch – muss sie auch, denn sie hat gerade eine Schreibblockade. Nach dem Open-Mic-Abend spricht sie Amanda an und schüttet Dana ihr Herz aus. Nicht ohne Grund, denn sie verfolgt einen Zweck – Rache. Rache an allen Männern, die ihr Schlechtes angetan haben – und davon gibt es bei Dana auch etliche. Also arrangieren sich die beiden und gehen auf Rachefeldzug.

Es sind einige Themen, die in „Wie du mir“ behandelt werden, man weiß nie so wirklich, was wichtig ist, zumal das Ganze auch ziemlich unaufgeregt in der ersten Person erzählt wird und das Erzähltempo nicht das schnellste ist – zumindest in der ersten Hälfte des Buches. Dana ist weder unsympathisch, aber auch nicht sonderlich sympathisch. Sie scheint eine sehr nachdenkliche, bisweilen auch melancholische Person zu sein. Sie denkt oft an Jason zurück, dem Menschen, mit dem sie zwar zusammen gelebt hat, aber nie zusammen war. Sie denkt an dessen Bruder, sie denkt an Neely, dem Typen aus der Comedyszene, sie denkt an Fash, an Kim und ihr kommen oft Pilotfilm-Plot-Ideen, vor allem, seit sie den einen Pitch vergeigt hat. Ihr seht, Amy Gentry hat einiges in das Buch gepackt.

Ist das gut oder schlecht? Das hab ich mich während des Lesens oft gefragt, denn eigentlich hab ich mich vor dem Lesen darauf eingestellt, dass der Fokus schon beim Rachefeldzug von Dana und Amanda liegt, das tut es aber nicht – bei Weitem nicht. Zumindest bis zur Hälfte. Ja, man muss sich auf einen langsamen, sehr langsamen Storyaufbau einstellen. Zuerst erleben wir, wie Dana versucht, sich in der androzentristischen Comedy-Szene zurechtzufinden, während Amanda ihr von der männerdominanten IT-Szene, in der sie als IT-Spezialistin gearbeitet hat, erzählt. „Wie du mir“ kann man bestimmt als feministischen Thriller bezeichnen – ein Feminismus der radikalsten Sorte. Eine Welt, in denen Männer ihre Macht schamlos ausnutzen. Ja, wir reden (auch) von Sex, und ich habe während des Lesens keine Sekunde daran gezweifelt, dass es solche Zustände tatsächlich gibt. Dazu muss man nur einmal kurz „Me too“ googeln. Vielleich war dieser Hashtag auch Stein des Anstoßes für die Idee dieses Buch.

In der zweiten Hälfte zieht das Tempo dann an, zeitweise mutiert „Wie du mir“ zu einem Pageturner. Ich habe „Good as gone“ zwar nicht gelesen, aber ich hab so das Gefühl, dass es dort ähnlich ist. Ich mag so etwas ja eigentlich gerne, wenn Bücher zwei Gesichter haben – meistens bin ich dafür aber dann doch zu ungeduldig und die Angst zu groß, dass die Handlung bis zum Ende vor sich hindümpelt. Bei „Wie du mir“ hat es sich allerdings gelohnt.

Was mich dann doch etwas verwirrt zurückließ, war eine Szene in einem Lagerhaus, wo das Handeln von Dana nur schwer nachvollziehbar ist. Auch die Beziehung zwischen Dana und Jason ist alles andere als klar. Ich hatte beim Lesen noch einige andere Kritikpunkte, aber die haben sich irgendwann verloren – mit etwas Geduld weiß „Wie du mir“ vortrefflich zu unterhalten.


Epilog: „Wie du mir“ von Amy Gentry ist ein vielseitiger und gleichzeitig zweiseitiger Psychothriller. Ein Thriller, der einige Themen in den Topf wirft, sich aber doch irgendwo auf eine Handvoll davon fokussiert. Die Protagonistin erzählt völlig unaufgeregt, was hier vor sich geht und insgesamt weiß „Wie du mir“ zu gefallen – wenn man ausreichend Geduld mitbringt.

Daten zum Buch 

Autor: Amy Gentry
Titel: Wie du mir
Originaltitel: Last Woman Standing
Übersetzung: Astrid Arz
Seiten: 416
Erschienen am: 25. Februar 2019
Verlag: C. Bertelsmann
ISBN-10: 3570103714
ISBN-13: 978-3570103715

Werbeanzeigen

[Rezension] Sue Fortin: Sister, Sister – Zwei Schwestern. Eine Wahrheit.

Clare vermisst seit vierundzwanzig Jahren ihre Schwester Alice. Damals ging ihr Vater weg und nahm sie kurzerhand mit nach Amerika. Nun meldete sie sich per Brief. Sie will so bald wie möglich nach England kommen und ihre Mutter und ihre Schwester in ihre Arme schließen. Als sie da ist, sind alle happy – nur Clare nicht. Sie findet keinen Zugang zu Alice und fühlt sich ausgeschlossen. Irgendetwas stimmt nicht mit Alice, Clare bekommt aber nicht zu fassen, was es ist. Auch das Verhältnis zu ihrem Mann Luke verschlechtert sich zunehmend, weil sie ihm immer wieder sagt, dass sie Alice nicht traut. Irgendwann gerät sie komplett ins Abseits und wird von allen als verrückt abgestempelt. Aber sie bildet sich nicht ein, dass mit Alice etwas falsch läuft – oder doch …? Weiterlesen

[Rezension] Elisabeth Norebäck: Das Schweigemädchen

Einst hatte sie eine Tochter, bis sie spurlos verschwand. Ertrunken sei sie, sagen alle – sie glaubt ihnen nicht. Heute, zwanzig Jahre später, ist Stella Psychotherapeutin, hat einen neuen Mann und einen Sohn. Die Familie ist glücklich, bis plötzlich Isabelle in Stellas Praxis auftaucht. Ist Alice, ihre verschwundene Tochter, von den Toten auferstanden? Denn es gibt ein paar körperliche Merkmale, die sie das glauben machen Stella verbeißt sich in dieser Idee – das hat sie schon einmal und wurde daraufhin in eine psychiatrische Klinik eingeliefert. Doch diesmal ist es anders, denkt sie. Keiner glaubt ihr. Wie damals. Die Situation bringt ihr Leben aus dem Gleichgewicht, die Familie ist nicht mehr glücklich. Und irgendwann glaubt Stella selbst, verrückt zu werden …

Weiterlesen

[Rezension] Nina Laurin: Böser als du denkst

Oh Mann, was ist den jetzt passiert? Wie kommt mein Auto in einen Baum? Mir tut alles weh. Die Sanitäter fragen mich, ob ich mich an irgendetwas erinnern kann, aber ich habe keine Ahnung, was oder wie es passiert ist. Eine Gestalt, daran kann ich mich erinnern, da war eine Gestalt vor dem Unfall. Aber es ist alles so diffus, ich weiß nicht, wer oder was das war. Jetzt bin ich im Krankenhaus. Meine Adoptivmutter will mich aber bei ihr haben – aber ich will nicht zu Cynthia, kann mich aber nicht wehren. Mein Ex-Verlobter Milton ist auch da. Oh Mann, so viele Menschen, die ich eigentlich nicht sehen will. Lasst mich einfach in Ruhe. Und dann zappe ich in Cynthias Haus durch die Fernsehprogramme und erwische einen News-Channel. Mir stockt der Atem. Mord. Könnte mir egal sein, wenn mein Zwillingsbruder nicht der Hauptverdächtige wäre – fuck … Weiterlesen

[Rezension] Dean Koontz: Gehetzt (Jane Hawk – Band #2)

Jane Hawk will die Welt retten – immer noch. Seit drei Monaten ist sie unterwegs durch die USA und ist davon überzeugt, dass David James Michael die Bevölkerung unterjochen will. Genozid auf die perfideste aller Arten. Ihr Ehemann Nick hat sich aus scheinbar freien Stücken das Leben genommen – seitdem ist Jane auf der Reise und Flucht gleichzeitig. Sie muss Beweise finden, bisher hat sie nur Indizien und Quellen, denen sie vertraut.
Zur selben Zeit begeht die ehemalige Lehrerin Cora Gundersun einen Anschlag, zündet sich und ihr Auto an und fährt mit bester Laune in ein Hotel und tötet fast fünfzig Menschen. Das FBI beendet die Ermittlung recht bald. Der hiesige Sheriff Luther Tillman nicht, denn er ist irritiert. Nicht nur von der raschen Beendigung der Ermittlungen, sondern auch von einem Notizbuch, das er in Gundersuns Haus findet und in dem er die immer gleichen Wörter findet. Bis er auf drei Wörter stößt, die nicht in das Wort-Stakkato passen wollen. Iron, Furnace und Lake. Was hat das zu bedeuten? Tillman geht dem nach und stößt nicht nur auf Unfassbares, sondern auch auf eine Verbündete … Weiterlesen

[Rezension] Andreas Gruber: Code Genesis – Sie werden dich finden (Code Genesis – Band #1)

Terry lebt mit ihrem Onkel Simon, ihrem Cousin Ethan, dem Frettchen Charlie und einem ehemaligen Häftling in einem U-Boot. Mit diesem sind die vier ständig unterwegs. Momentan sind sie in Miami, wo die vierzehnjährige Terry bis vor zehn Jahren mit ihrer Mutter gelebt hat, bis diese aus mysteriöser Weise gestorben ist. Das Sorgerecht bekam danach Simon, weil Terry ihren Vater nie kennengelernt hat. Nun will sie das Haus sehen, in dem sie früher mit ihrer Mutter gelebt hat, also macht sie sich dahin auf. Sie trifft dort auf die Familie Goian, die heute dort lebt – doch irgendetwas stimmt mit der Familie nicht, die gerade Speck und Eier frühstückt. Der Kühlschrank im Haus ist leer, es riecht nicht nach gebratenen Speck, die Herdplatte ist kalt und das Obst in der Schale ist aus Plastik. Als sie ins Wohnzimmer kommt, öffnet sich plötzlich eine Falltür, in dem sich das Labor ihrer Mutter befindet. Als sie in der Nacht nochmals ins Haus einsteigt, wird sie von den Goians erwischt und gefoltert. Sie sind auf der Suche nach einem Geheimnis von dem Terry nichts weiß. Terry entkommt, doch die vier haben ab dann keine Ruhe mehr und werden rund um die Welt gejagt … Weiterlesen

[Rezension] Marc Elsberg: GIER – Wie weit würdest du gehen?

Marc-Elsberg-GIERJan freut sich, nach seiner 12-Stunden-Schicht endlich heimzukommen. Doch daraus wird nichts, denn am Heimweg stolpert er sprichwörtlich über ein verunfalltes Auto. Mitten im Wald liegt ein voll besetztes Auto, unter ihnen ein renommierter Nobelpreisträger. Als Jan sehen will, ob er helfen kann, merkt er, dass nur mehr eine Person lebt. Wie soll er sie retten? Wenn er sie abschnallt, bricht er ihr mit Sicherheit das Genick, weil das Auto mit dem Dach am Waldboden liegt. Er muss sie am Reden halten, bis die Rettungskräfte eingetroffen sind. Doch dazu kommt es gar nicht, denn die Person will ihm ihrerseits etwas mitteilen – doch mehr als Gesprächsfetzen versteht er nicht. Plötzlich nähern sich ein paar Schränke dem Auto. In der Hand Molotowcocktails, die sie aufs Auto werfen. Als die Polizei eintrifft, nimmt sie Jan mit und beschuldigt ihn des Mordes – Jan ist komplett am Arsch …  Weiterlesen

[Rezension] John Katzenbach: Der Verfolger (Frederick Starks – Band #2)

Manchmal wiederholt sich Geschichte, fragt nach beim Psychoanalytiker Frederick Starks. Vor fünf Jahren hat er Mr R oder Rumpelstilzchen oder Zimmerman – sucht euch einen Namen aus – getötet und nun steht Mr Rs scheinbares Phantom in seiner Praxis, hält ihm eine Pistole an die Brust und zeigt ihm ein Video. Darin sieht er eine Altbekannte: die Schauspielerin und Schwester von Mr R auf einer Theaterbühne. Plötzlich wird ihr souffliert „Töte deinen Bruder“. Mr Rs Bruder, den Ricky Starks nur unter dem Namen Merlin kennt, soll getötet werden. Von wem auch immer, von Ricky oder dem Mörder aus dem Video; wenn sich Merlin selbst richtet, ist es auch okay. Das kann Starks eigentlich nur recht sein, nachdem, was sie, Merlin und seine Schwester, ihm vor fünf Jahren angetan haben. Doch er soll den zukünftigen Mörder finden und töten, andererseits wird Ricky getötet … 

Weiterlesen

[Rezension] Claire Kendal: Die zweite Schwester

Miranda ist seit zehn Jahren spurlos verschwunden, vor einigen Jahren wurde sie für tot erklärt. Zurückgelassen hat sie einen Sohn, der von seinen Großeltern und seiner Tante Ella aufgezogen wird. Wer der Vater ist, ist unbekannt. Nun will Ella herausfinden, was mit ihrer Schwester passiert ist – ob sie tatsächlich tot ist. Also geht sie einigen Spuren nach, die sich aufgetan haben, denn sie will endlich Gewissheit haben. Vor allem ihr Neffe Luke soll Gewissheit haben, was mit seiner Mutter passiert ist. Doch Ella kämpft allein an der Front, denn weder ihre Eltern, noch ihr Kindheitsfreund und Polizist Ted unterstützen sie. Also sucht sie alleine. Doch ganz so alleine ist sie dann doch nicht – und begibt sich dabei in Gefahr …  Weiterlesen

[Rezension] Robert Harris: München

Europa steht vor dem Krieg. Hitler droht damit, in die Tschechoslowakei einzumarschieren und das Sudetenland einzunehmen – England steht unter Zugzwang. Premierminister Chamberlain will einen Krieg verhindern und das Ganze diplomatisch lösen. Hugh Legat ist Chamberlains Privatsekretär und kennt Deutschland, spricht Deutsch und kennt einen Deutschen im nationalsozialistischen Außenministerium – Paul von Hartmann. Von Hartmann hat gemeinsam mit Legat in Oxford studiert und bekommt ein brisantes Schriftstück in die Hand, das Hitler in Verlegenheit bringen könnte. Nun findet in München ein Treffen zwischen Deutschland, Italien, England und Frankreich statt, um ein Abkommen zu verhandeln. Von Hartmann und Legat müssen die Unterschrift mit aller Macht verhindern… Weiterlesen