[Rezension] Andreas Gruber: Todesmal (Maarten Sneijder – Band #5)

Maarten Sneijder hat beim BKA gekündigt, nachdem seine Sonderkonditionen nicht vom BKA-Präsidenten akzeptiert wurden. Konditionen gegen das selbst der Europäische Gerichtshof aufschreien würde, weil sie so weitreichend sind, dass sie zum Teil gegen die Genfer Konventionen verstoßen. Nun kommt eine Nonne ins BKA-Präsidium und gesteht, dass in den nächsten sieben Tagen sieben Menschen sterben werden – an jedem Tag einer. Warum und weshalb verrät sie nicht. Sabine Nemez stößt beim Verhör auf Granit – sie rede nur mit einem: Maarten S. Sneijder. Doch selbst der ist mit dem Fall überfordert …

Einzelbewertung Gesamtbewertung
Plot: 4/5
Atmosphäre: 4/5
Charaktere: 4/5
Spannung: 4/5
Showdown: 4/5


Prolog: Ein neuer Gruber – Hurra! Ein neuer Sneijder-Roman von Gruber – doppeltes Hurra! Es ist bereits der fünfte Thriller der Sneijder-Reihe, mit Maarten Sneijder, dem extravagantesten Ermittler, den ich kenne. Er kifft, ist misanthrop und punktiert sich selbst – gleichzeitig ist er ein Genie. Auch wenn „Todesmal“ der bereits fünfte Teil der Reihe kann man die Bücher auch einzeln lesen. Wenn man den Charakter des Maarten S. Sneijder begreifen will, sollte man allerdings alle fünf lesen.


 

ein intelligent und raffiniert konstruierter Thriller


Maarten S. Sneijder war immer schon sonderbar – er behandelt Leute grundsätzlich schlecht, erhebt sich über andere, kifft jeden Tag (keine Ahnung, ob das so gesund ist) – aber diesmal ist er nicht nur sonderbar, sondern er verlangt auch eine Sonderbehandlung vom BKA, unter anderem will er grundsätzliche Immunität gegen alles. Natürlich genehmigt ihm die der BKA-Präsident nicht – zumindest nicht, bis er vom aktuellen Fall erfährt. Denn die Nonne, die eben ins BKA-Gebäude gekommen ist, will nur und ausschließlich mit Sneijder sprechen. Doch der schafft den Fall, bei dem in den nächsten sieben Tagen sieben Menschen sterben sollen, nicht alleine. Weshalb er ein Team zusammenstellt – ja, ihr lest richtig, Sneijder, der alle Menschen auf dieser Welt hasst, wird diesmal zum Teamplayer. Sympathischer wird er trotzdem nicht, zumindest nicht für die Charaktere im Buch – für den Leser hingegen wird er es, weil fieser und raffinierter denn je. Das Team ist ein who is who aus der Sneijder-Reihe; Sabine Nemez ist natürlich part of the game, daneben noch unter anderem Rudolf Horowitz aus der Schweiz oder der Häftling Krzysztof, dem man als Leser ebenfalls schon begegnet ist.

Erster Satz in „Todesmal“

Es sind äußerst grausame Morde, vor allem bei den ersten hat sich Andreas Gruber ziemlich ins Zeug gelegt mit seiner Kreativität – zum Teil haben mich die Morde an skandinavische Thriller erinnert. Nach und nach, nämlich dann, wenn das Motiv der Nonne zutage kommt, habe ich die Frau verstanden. Am liebsten wäre ich in die Geschichte eingestiegen und hätte ihr geholfen.

Mehrere Abschnitte unterteilen das Buch, jeder Abschnitt fokussiert sich auf eine andere Stadt – darunter u.a. Wien, Bern, oder Den Haag. Wiesbaden spielt dabei allerdings immer eine zentrale Rolle, die Stadt ist Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Zwischendurch gibt es immer wieder Rückblenden – zuerst drei Jahre und dann Monate vor dem aktuellen Geschehen. Wobei gerade die Rückblenden sehr vorherseh- und durchschaubar sind. Den Fall löst man mit diesem Wissen aber nicht, denn der geht in eine Richtung, die eigentlich nicht zum Ausgangspunkt passt. Aber Gruber hat es passend gemacht und gut konstruiert.

Die Charaktere von Sneijder und Nemez entwickeln sich weiter, bei Sneijder habe ich ja schon erklärt, dass er zum Teamplayer wird, und bei Nemez tut sich tatsächlich etwas in Sachen Liebe – das wird auch höchste Zeit, auch wenn ich mit solchen Nebenschauplätzen nicht viel anfangen kann. Aber ich habe mich schon öfter gefragt, was da eigentlich los ist.

Was mir persönlich etwas sauer aufgestoßen ist, ist, dass Gruber das mit Sneijders Sonderbehandlung von Anfang bis Ende durchzieht. Die Nonne darf keinen Anwalt haben? Ja da ist die Alte selbst schuld. Kein richterlich genehmigter Durchsuchungsbefehl? Egal. Jemanden ohne Konsequenzen umlegen? Ja gerne! Es passt zwar zu Sneijders exzentrischen Art, aber Gruber vergisst dabei, dass Sneijder im Team arbeitet und der Rest der Truppe ebenfalls konsequenzlos agieren kann. Gruber treibt es hier etwas zu sehr auf die Spitze.


Epilog: „Todesmal“ von Andreas Gruber ist ein intelligent und raffiniert konstruierter Thriller bei dem der Beginn mit dem Ende auf den ersten Blick gar nicht zusammenpasst. Neu ist, dass der griesgrämige Maarten S. Sneijder diesmal völlig freiwillig im Team arbeitet – dabei werden Charaktere dem Team hinzugefügt, die man bereits aus früheren Sneijder-Teilen kennt. Weniger gut finde ich, dass Gruber Sneijder eine Sondervollmacht gibt, mit der er und sein Team schalten und walten können wie sie wollen. Der Zweck heiligt die Mittel scheint hier oberste Priorität zu haben.

Daten zum Buch 

Autor: Andreas Gruber
Titel: Todesmal
Seiten: 592
Erschienen am: 19. August 2019
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3442486564
Preis Print: 10,99 Euro
Preis Digital: 10,99 Euro
(Preise können abweichen)

Weitere Rezensionen zu Andreas Gruber:

Rachewinter
Code Genesis
Todesmärchen
Todesreigen

[Rezension] Chris Carter: Jagd auf die Bestie (Hunter & Garcia – Band #10)

Die Bestie ist wieder da. Über drei Jahre saß Lucien Folter in einem Hochsicherheitsgefängnis, in das ihn Robert Hunter gebracht hat, doch das ist Geschichte. Folter hat den Ausbruch geschafft und kann nun wieder das tun, was er am liebsten macht: töten – auf jede beliebige Art. Hunter hingegen ist es unbegreiflich, wie Folter aus dem Gefängnis kam und dabei fünf Aufseher und Pfleger töten konnte. Auch sein Kollege Garcia kann es nicht verstehen. Aber Hunter weiß, dass es Folter nicht auf Garcia abgesehen hat, sondern einzig und allein auf ihn, denn Hunter kennt Folter aus seiner Studienzeit. Und war mit ihm befreundet  …  Weiterlesen

[Rezension] Harlan Coben: Honeymoon

Keiner soll wissen, dass Laura und David heiraten, noch weniger, wo sie ihre Flitterwochen verbringen. Laura ist das ehemalige Model, das den Job allerdings nach wenigen Jahren an den Nagel gehängt hat und jetzt erfolgreiche Geschäftsfrau des Modelabels Svengali ist. David hingegen ist das Aushängeschild der Boston Celtics und einer der besten Basketballspieler seiner Zeit. Die beiden sind glücklich – doch dieses Glück währt nicht lange, denn die beiden werden gewaltsam auseinandergerissen. David fällt den Fluten zum Opfer, Laura ist am Boden zerstört. Doch nach und nach beginnt sie zu hinterfragen, ob das alles wirklich stimmt – und dabei erfährt sie Dinge über ihre eigene Familie, die sie nie erfahren wollte … Weiterlesen

[Rezension] Karen Sander: Wenn ich tot bin

Nach fast zehn Jahren steht Madelin plötzlich vor ihrem Elternhaus. Zehn Jahre, in denen ihre Mutter nicht wusste, wo sie ist. Zehn Jahre voller Ungewissheit. Susan freut sich, ihre Tochter wieder in ihre Arme schließen zu können  – doch die Freude währt nicht lange, denn nachdem Susan kurz einkaufen war, ist Madelin wieder weg. Ihr Mann liegt blutüberströmt am Boden und ihre jüngere Tochter Harper sagt kein Wort mehr. Kate soll Madelin gemeinsam mit ihrem Partner Tom, mit dem sie bei der Police Scotland arbeitet, wieder finden und heimholen. Tom betreut die Familie der abermals Vermissten schon seit deren ersten Verschwinden, doch die Suche scheint aussichtslos, denn Madelin könnte praktisch überall sein …

Weiterlesen

[Rezension] Caroline Mitchell: Silent Victim – Manchmal schmerzt die Wahrheit mehr als eine Lüge

Emma soll umziehen, von der Insel Mersea nach Leeds. Doch das will sie nicht, keine Faser ihres Körpers will das, denn auf dem weitläufigen Grundstück, das sie mit ihrem Mann und Sohn bewohnt, hütet sie ein Geheimnis – ein kostbares Geheimnis. So kostbar, dass es ihr Leben zerstören könnte, sollte es ausgegraben werden – sie hat nämlich ihren ehemaligen Lehrer getötet und verscharrt. Ihr Mann Alex weiß davon nichts, will aber unbedingt nach Leeds, weil er dort seine Karriere vorantreiben könnte, sich die Familie ein größeres Haus leisten und Sohn Jamie an einer Privatschule anmelden könnte. Als Alex nach Leeds fährt, um sich bei seinen neuen Kollegen vorzustellen, kontaktiert ihn ein Mann, der ihn treffen wolle. Als sie sich in einer Bar treffen, steht Luke Priestwood vor ihm – Emmas ehemaliger Lehrer … Weiterlesen

[Rezension] Yrsa Sigurðardóttir: R.I.P. (Huldar und Freyja – Band #3)

Via einer App werden Videoschnippsel verschickt. In der Toilette eines Kinos wird ein junges Mädchen brutal getötet, danach wird sie aus dem Kino gezerrt und mitten auf der Straße liegengelassen. Als Huldar mit seiner Truppe zum Fundort kommt, entdeckten sie unter der Leiche einen Zettel mit einer 2 darauf. Tage später wird nur ein Zettel gefunden – mit einer 3 darauf. Die Leiche ist nicht dort und keiner weiß, wo Leiche Nummer 1 ist – die Reykjaviker Polizei steht vor einem Rätsel. Sie zieht Freyja hinzu, die schnell auf den Trichter kommt, dass Mobbing ein Motiv des Mörders sein könnte, und wird mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert … Weiterlesen

[Rezension] Claire Douglas: Still alive – Sie weiß, wo sie dich findet

Libby und Jamie brauchen eine Auszeit. Sie sind gerade einmal neun Monate verheiratet, aber es waren turbulente Zeiten, deshalb entschließen sie sich, einen Haustausch zu machen, nachdem sie eine dementsprechende Anfrage in ihrem Briefkasten finden. Sie ziehen in das luxuriöse Ferienhaus der Heywoods in Cornwall – die Heywoods wiederum ziehen nach Bath in die Wohnung der zwei Halls. Ihre Tochter wird einer lebensrettenden Operation unterzogen und sie wollen in der Nähe des Krankenhauses sein. Libby genießt anfangs den Luxus, den sie so nicht gewohnt ist, aber nach und nach findet sie es gruselig in dem viel zu großen Haus. Überall stehen ausgestopfte Tiere, im Kinderzimmer steht seltsames Spielzeug und der Garten wird täglich von einem Mann durchquert. Kurz bevor die zwei abreisen wollen, kommt ihr Hund Ziggy mit einem Stück Stoff aus dem Garten zurück – es sieht aus wie ein Stück Unterwäsche von Mrs. Heywood und ist blutgetränkt … Weiterlesen

[Rezension] Linwood Barclay: Kenne deine Feinde

Cal Weaver ist eigentlich Privatermittler, doch nun soll er Leibwächter werden. Das verlangt die in Promise Fall mächtige Familie von Ms. Plimpton. Plimpton war Herausgeberin des Promise Fall Standard, der hiesigen Tageszeitung, die es mittlerweile nicht mehr gibt. Der Sohn von Plimptons Nichte, Jeremy, soll beschützt werden. Er hat ein Mädchen umgefahren und seitdem zieht er den Hass auf sich wie Scheiße Fliegen – der Hass findet vor allem im Internet statt, die Familie hat jedoch Angst, dass dieser auf das Leben außerhalb dessen überschwappt.
Währenddessen sitzt Barry Duckworth in seinem Büro in der Polizeistation und wird von seinem Kollegen vor einem Typen gewarnt, der behauptet, von Außerirdischen entführt worden zu sein. Diese sollen ihm etlichen Tests unterzogen haben. Als Duckworth etwas nachbohrt, kommt er darauf, dass offensichtlich am Rücken des Klienten herumgedoktert worden sein soll – als sich der Detective den Rücken von Brian Gaffney ansieht, entdeckt er einen Schriftzug: ICH PSYCHO HABE SEAN UMGEBRACHT … Weiterlesen

[Rezension] Lucy Clarke: Das Haus am Rand der Klippe

Elle lebt ihren Traum in einem Traumhaus am Rand von Cornwalls Klippen. Sie hat sich diesen Traum erfüllt, nachdem sie einen Bestseller gelandet hat. Ihre Ehe hat den Umzug allerdings nicht überlebt, denn Flynn zog nicht mit, konnte den Prunk, den das Haus ausstrahlt, nicht verstehen. Während sie jetzt in Frankreich war, vermietete sie das Haus via Airbnb, doch als sie zurückkommt, fühlt sich das Haus anders an. Dinge geschehen, die sie nicht versteht. Als Elle an ihrem zweiten Buch arbeitet, flüchtet sie in die Bibliothek – weg vom direkten Blick auf die See, der so inspirierend sein kann. Als sie wieder in ihrem Haus ist, entdeckt sie einen Schriftzug, eingeritzt im Tischbein, der besagt: LÜGNERIN … Weiterlesen

[Rezension] Natasha Bell: Alexandra

Marc ist verzweifelt, denn seine Frau Alexandra ist verschwunden. Den Kindern erzählt er irgendeine Lügengeschichte, und hofft dabei gleichzeitig auf die Polizei. Alexandra ist indes gefangen, bekommt aber alles mit. Sie liest die Befragungsprotokolle der Polizei und sieht die öffentlichen Aufrufe von Mark. Es vergehen Tage, Wochen, Monate – Alexandra taucht nicht auf und Mark ergibt sich der Ohnmacht, der er ausgesetzt ist. Eines Tages hat die Polizei eine heiße Spur: An einem Fluss finden sie Kleider und Blut – eine große Menge Blut. Ist Alexandra tot? Ist sie im Fluss ertrunken? Wurde die Leiche im Fluss versenkt? Marc glaubt nicht daran, dass seine Ehefrau tot ist, auch wenn das Gewand ganz klar ihr gehört. Er verfolgt eine ganz andere, eine hoffnungsvollere Spur – ihn zieht es nach New York, wo eine ehemalige Kommilitonin von Alexandra lebt …  Weiterlesen