[Rezension] Roman Klementovic: Wenn das Licht gefriert

Seit 40 Jahren schon ist Elisabeth mit Friedrich verheiratet – glücklich, trotz einiger Schicksalsschläge. Auch seine Alzheimererkrankung kann ihre Liebe nicht erschüttern. Doch eines Abends ist er besonders verwirrt. Während eines TV-Beitrags über den seit 22 Jahren ungeklärten Mord an der besten Freundin ihrer Tochter gibt er Verstörendes von sich. Er erwähnt Details, die er gar nicht kennen dürfte. In Elisabeth regt sich ein schlimmer Verdacht … (Offizieller Klappentext)


Roman Klementovic kannte ich bis jetzt noch nicht. Ein österreichischer Autor, der beim Gmeiner Verlag publiziert. Jener Verlag, bei dem man die Bücher bereits am Buchcover erkennt – der Stil ist immer derselbe –, nur nicht bei diesem Buch, dessen Cover mehr nach Mainstream aussieht – und das völlig zurecht.

„Wenn das Licht gefriert“ beginnt im Jahr 1997, Anna will in ihren achtzehnten Geburtstag hineinfeiern, aber ihr Tod kommt ihr dazwischen, denn sie wird ihre Volljährigkeit nicht mehr erleben. Ihre Eltern, Thomas und Monika, sind verzweifelt, zerbrechen daran, denn selbst 22 Jahre später läuft der Mörder frei herum. Tyrannisiert die Stadt immer noch. Immer wieder greift er Menschen an – auch Elisabeth, Mutter von Annas bester Freundin Valerie, die nach Annas Tod nach London ausgewandert ist.

Die Geschichte spielt aus der Perspektive von Elisabeth, die früher Schauspielerin im Theater war. Ihre Imitationen diverser Menschen waren legendär, aber seit das Theater schließen musste, hat sie selbst darauf keine Lust mehr. Sie hat eigentlich alles verloren seit Annas Tod. Valerie weg, Job weg, und ihr Mann Friedrich verfällt seit seiner Alzheimer-Erkrankung zusehends.

Klementovic skizziert den Verfall von Friedrich über mehrere Seiten, ich nehme ihm ab, dass er sich intensiv mit dem Thema Alzheimer auseinandergesetzt hat – es wirkt fundiert. Generell mag ich den Schreibstil des Autors, ich mag, wie er die Story behutsam aufbaut und alles so präpariert, dass am Ende alle Zahnräder ineinandergreifen. Das passt alles, es ist nicht zu viel, und auf gar keinen Fall zu wenig. Er lässt die Geschichte auf einer kleinen Bühne spielen, so klein, dass es hilft, etwas Beklemmung beim Leser aufkommen zu lassen – gleichzeitig gibt er der Geschichte genug Raum zum Atmen. Aber nicht zu viel, denn zum Luftholen ist nicht viel Zeit. Man wird in kurzen Kapiteln durch die Handlung gejagt, man hetzt von einem Cliffhanger zum nächsten, manchmal nützt der Autor sie auch für einen Scherz danach. Man kann lachen, oder einfach weiterlesen. Manchmal habe ich beim Lesen gar nicht alle Wörter mitbekommen, weil ich weiter gehetzt bin. Weiter, immer weiter – Oliver Kahn hätte eine Freude. Und dann ist man am Ende und findet es schade, dass es schon vorbei ist. Das war mein erster Klementovic – aber sicher nicht der letzte.

Daten zum Buch 

Autor: Roman Klementovic
Titel: Wenn das Licht gefriert
Seiten: 349
Kapitel: 79 (+ Epilog)
Erschienen am: 9. September 2020
Verlag: Gmeiner Verlag
ISBN: 978-3839227701
Preis Print: 16 Euro
Preis Digital: 11,99 Euro
(Preise können abweichen)

Rezensionsexemplar

[Podcast-Sofa] Die True-Crime-Podcast-Ecke – heute mit: Dunkle Spuren

Meine zweite große Leidenschaft neben Bücher sind Podcasts, und letztens ist mir aufgefallen, dass ich ziemlich viele True-Crime-Podcasts abonniert habe. Und da dachte ich mir, ich mache eine neue Kategorie auf und stelle Euch immer mal wieder (grob einmal im Monat) einen Podcast vor – willkommen auf dem Podcast-Sofa. Heute auf dem Podcast-Sofa: Dunkle Spuren.


Dunkle Spuren“ zählt zu meinen Lieblings-True-Crime-Podcasts. Jeden Freitag erscheint eine neue Ausgabe. Das Besondere bei diesem Podcast ist, dass ungeklärte Fälle besprochen werden, genau genommen ist es also ein Cold-Case-Podcast. Die Fälle finden alle in Österreich statt, und moderiert wird der Podcast von Stephan Andrejs, dessen ruhige Stimme sehr angenehm zu hören ist. Andrejs ist Chef vom Dienst bei der österreichischen Tageszeitung „Kurier“ und der Podcast ist ebenfalls ein Produkt des „Kurier“ (deshalb das K im Logo). Ihm zur Seite sitzt immer eine zweite Person, die einen Fall, den sie recherchiert hat, präsentiert. Dabei werden auch immer wieder Audiomitschnitte eingespielt – befragte Anwohner, Freunde der Opfer, Ermittler, etc. –, auf die Andrejs investigativ reagiert.

Der Podcast erscheint in Staffeln, es gibt also immer wieder wochenlange Pausen, die allerdings gerne mit Spezialfolgen gefüllt werden, in denen diverse Menschen aus dem kriminalistischen Umfeld interviewt werden – Tatortreiniger etwa. Die Folgen gehen zirka 30-45 Minuten lang und zwischendurch werden andere Podcasts aus dem „Kurier“-Kosmos beworben. Am Ende der Folgen wird immer zur Hilfe aufgerufen, damit die Fälle gelöst werden – da ich nicht jede Folge gehört hab – ich höre ihn seit Anfang 2020, deshalb fehlt mir etwa ein halbes Jahr – weiß ich nicht, ob durch den Podcast schon Fälle gelöst wurden. Jedenfalls ein hörenswerter Podcast.

Kennt ihr, oder habt ihr womöglich selber einen True-Crime-Podcast? Schreibt es in die Kommentare.

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