[Rezension] Camilla Läckberg: Golden Cage – Die Rache einer Frau ist schön und brutal. (Golden Cage Reihe – Band #1)

Faye hat eigentlich alles, sie muss nicht arbeiten, nicht einkaufen gehen, sie muss nur atmen, um zu überleben – bis sie merkt, dass sie mehr will. Vor allem mehr von Jack, ihrem Mann. Jenem Mann, dem sie all das zu verdanken hat. Sie versucht alles, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen, doch jeder Versuch scheitert. Gestresst, keine Zeit, keine Lust, Arbeit – das sind seine Ausreden. Als ihre Tochter ihr auch noch sagt, dass ihr Vater gesagt hätte, dass sie fett sei, bricht für Faye eine Welt zusammen. Als sie ihn eines Tages in flagranti mit einer anderen erwischt, wacht sie auf und schwört sich, dass sie Jack brechen wird …


„Golden Cage“ steht schon länger auf meiner to-read-Liste, bereits letztes Jahr habe ich damit gustiert, mir das Buch zu holen, aber irgendwie hat es sich nicht ergeben. Jetzt kommt das Buch als Taschenbuch heraus, mit einem Cover, das das Buch weit besser repräsentiert als das der broschierten Ausgabe. Zeit, zuzuschlagen.

Faye heißt eigentlich Matilda und kommt vom Land. Mit 18 kommt sie von dort nach Stockholm, um an der Handelshochschule zu studieren. Bis sie wieder aufhört damit, denn sie hatte ja nun Jack Adelheim, den smarten Mann mit blauem Blut und einer Firma, die ihn zum Multimillionär gemacht hat – was braucht frau denn mehr? Unabhängigkeit, oder einen Uni-Abschluss zum Beispiel – im Idealfall beides. Aber nein, stattdessen geht Matilda äääh Faye jeden Freitag mit ihrer verhassten Clique essen, wo allerdings höchstens an einem Salatblatt herumgeknabbert wird. Als sie Jack bei einem Seitensprung erwischt, sagt er sofort, dass er sich scheiden lassen will. Und das ist Fayes Startschuss für ein neues Leben.

Eines vorweg, was mich anfangs ziemlich verstimmt hat. Die Taschenbuch-Ausgabe kommt nicht nur mit einem neuen Cover – was durchaus okay ist –, sondern auch mit neuem Untertitel (der alte: Trau ihm nicht. Trau niemandem.) und neuem Klappentext. Da es der erste Teil einer Reihe ist, musste ich erst mal recherchieren, ob es wirklich der Erste ist. Dabei habe ich leider die ersten Wörter des Klappentextes zum zweiten Teil gelesen, der im August heraus kommt, und mir damit direkt das Ende vom ersten Teil gespoilert. Liebe Verlagsmenschen: Das muss nicht sein.

Gleich zu Beginn lesen wir eine Abhandlung über Pornos in bildhafter Sprache, gefolgt von einer sehr explizit beschriebenen Sexszene zwischen Jack und Faye. Läckberg geizt also keineswegs mit nackten Tatsachen, was bestimmt ein guter Reinkommer ist, in ein Buch, das sowas eigentlich nicht nötig hat, dem es aber auch nicht schadet. In drei Teilen und lediglich vier Kapitel erleben wir die Metamorphose einer unterdrückten Raupe zu einem wunderschönen Schmetterling namens Faye, die mit allen Wassern gewaschen ist und ihre ganz eigene tragische Vergangenheit hat. „Golden Cage“ ist ein zutiefst feministisches Buch und behandelt ähnliche Themen wie Chandler Bakers „Whisper Network“ – da wie dort schlagen die Protagonistinnen weit über die Stränge, was man allerdings auch als literarisches Stilmittel sehen kann.

Auch wenn die Geschichte von „Golden Cage“ in der Schicht der oberen Zehntausend spielt, betreffen die Themen darin auch alle Schichten darunter. Dabei geizt das Buch nicht mit Emotionen – vor allem Wut hat es bei mir ausgelöst. Über Jack, weil er so ein Arschloch ist, aber auch über Faye, weil sie so blind ist. Vor allem, weil wir in Rückblenden auch eine andere Faye kennenlernen, eine selbstbewusste, starke Frau, die genau weiß, was sie will. Am Rande der Handlung spielt auch noch ein Gewaltverbrechen eine Rolle, das am Ende zum Tragen kommt.

Das Buch kennt keine Längen und ich durchgehend spannend und interessant. Unterteilt werden die langen Kapitel (teilweise über hundert Seiten) durch Absätze, nach denen man gerne pausieren kann – aber eigentlich will man das nicht. Leseempfehlung!

Daten zum Buch 

Autor: Camilla Läckberg
Titel: Golden Cage – Die Rache einer Frau ist schön und brutal.
Originaltitel: En bur av guld
Übersetzung: Katrin Frey
Seiten: 384
Kapitel: 4
Erschienen am: 29. März 2020
Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3471351734
Preis Print: 17,99 Euro
Preis Digital: 14,99 Euro
(Preise können abweichen)

Rezensionsexemplar

[Rezension] Chandler Baker: Whisper Network

Sloane arbeitet mit ihren Kolleginnen bei Truviv, einem Weltkonzern in Sachen Sportbekleidung. Wie ihre Kolleginnen Grace und Ardie ist auch Sloane Justiziarin. Als der CEO des Unternehmens, Desmond Bankole, überraschend an einem Herzinfarkt stirbt, verdichten sich die Gerüchte, dass der unmittelbare Chef der drei, Chefjustiziar Ames, neuer CEO werden soll. Da wissen die drei Frauen, dass sie das verhindern müssen. Denn ihr unmittelbarer Chef hat einen Hang dazu, Frauen sexuell zu belästigen – vor allem Sloane weiß, wovon sie spricht, er hat es bei ihr selbst getan; und nun schmeißt er sich an die neue in ihrer Abteilung ran, die junge und gut aussehende Kathrine – höchste Zeit, die Reißleine zu ziehen …


Dass sexuelle Belästigung keine Kleinigkeit ist, hat man spätestens am #metoo-Diskurs gemerkt. Schon davor sorgte die #Aufschrei-Debatte, in der Rainer Brüderle – der ehemalige FDP-Minister  – quasi eine Vorreiterrolle einnahm, für Aufsehen. Chandler Baker hat nun ein Buch geschrieben, in dem das Thema wieder aufgegriffen wird – rundherum hat sie einen Thriller gestrickt.

Sloane ist mitnichten der einzige Hauptcharakter der Geschichte, aber man lernt sie am besten kennen. Sie arbeitet schon etliche Jahre bei Truviv und ist mittlerweile Semi Vice President der Rechtsabteilung. Sie ist es auch, die die BAD-Liste organisiert. BAD steht für Begrapscher aus Dallas; darauf befinden sich die Namen jener Menschen, die ihre Finger nicht bei sich lassen können. Ob es nur Menschen in höheren Positionen sind, verrät uns Baker nicht. Sloane schreibt jedenfalls den Namen ihres Chefs Ames drauf und löst damit etwas aus, mit dem sie selber vermutlich nicht gerechnet hat. Wenige Wochen, nachdem sie den Namen auf die Liste platziert hat, fliegt ihr Chef und kommende CEO von Truviv aus dem siebzehnten Stock des Truviv-Gebäudes.

Das Buch beginnt mit dem kürzesten Prolog, an den ich mich erinnern kann; er besteht aus nur einem Satz, der wie folgt lautet: „Hättet ihr doch nur auf uns gehört, dann wäre das alles nicht passiert.“ – kurz und prägnant. Und er macht direkt Lust auf mehr, man freut sich auf das, was da kommen mag – allein, da kommt dann lange nicht viel. Nach einer Weile hab ich mich gefragt, ob da überhaupt noch so etwas wie eine Handlung kommt, denn so etwas wie einen roten Faden findet man lange nicht. Auch das Thema sexuelle Belästigung, um das es ja eigentlich geht, drängt nicht unbedingt in den Vordergrund. Am ehesten merkt man es noch an Sloanes Tochter, die in der Schule von Jungs schikaniert und gemobbt wird. Baker zeigt damit auf, dass nicht mal die Jüngsten von uns vor Sexismus gefeit sind und das Frauenbild quasi vererbt wird und sich im Hirn festsetzt. Dass man das später nur mehr schwer ablegen kann, liegt damit auf der Hand.

Zwischendurch liest man immer wieder Zeugenbefragungen, die uns zumindest darauf hinweisen, dass das auch ein Spannungsroman ist. Und das ist der springende Punkt: „Whisper Network“ ist ein Roman und kein klassischer Thriller – vielmehr ist es irgendwas zwischen feministischem Manifest und Justizthriller.

Wobei feministisches Manifest fast abwertend klingt – so ist es nicht gemeint. Man merkt, dass Chandler Baker das Thema Feminismus und weibliche Emanzipation wichtig ist, das merkt man vor allem hintenraus, wenn die Autorin über die Motive dieses Buches schreibt. Letztendlich ist „Whisper Network“ ein zutiefst persönlicher Roman – und gleichzeitig spricht sie in der Geschichte immer wieder für alle Frauen. Genau aus diesem Grund weiß ich nicht, ob man daraus einen Thriller machen hätte sollen, denn bis hundert Seiten vor Ende ist da recht wenig, was einen packt. Aber vermutlich hat sie sich gedacht, dass man mit einem Thriller wesentlich mehr Leute – vor allem mehr Frauen – erreicht. Auch wenn man die Auflösung der Geschichte als moralisch zumindest zweifelhaft bezeichnen kann.

Daten zum Buch 

Autor: Chandler Baker
Titel:  Whisper Network 
Originaltitel: The Whisper Network
Übersetzung: Astrid Finke
Seiten: 480
Kapitel: 58 (+ Epilog)
Erschienen am: 30. März 2020
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-27288-0
Preis Print: 20 Euro
Preis Digital: 15,99 Euro
(Preise können abweichen)