[Rezension] Brad Parks: Kein falscher Schritt

Die Schauspielkarriere von Tommy Jump ist eigentlich längst zu Ende, besser wäre es, wenn er sich einen gut bezahlten Job suchte. Zumal seine Freundin ein Kind von ihm erwartet. Deshalb kann er auch nicht Nein sagen, als er ein Angebot für ein eher ungewöhnliches Engagement erhält. Das FBI will ihn ins Gefängnis einschleusen. Dort soll er Bekanntschaft schließen mit Mitchell Dupree, einem ehemaligen Banker, der Geld für ein mexikanisches Drogenkartell gewaschen haben soll. Irgendwo – so vermutet das FBI – gibt es da noch Unterlagen, mit denen man das gesamte Kartell und seinen Boss El Vio hochnehmen könnte.*
Unter falschem Namen und mit einer getürkten Vita geht Tommy ins Gefängnis und lernt Mitchell kennen. Aber sehr schnell muss er erkennen, dass seine Aufgabe schwerer ist als gedacht. Denn er ist nicht der Einzige, der diese Dokumente will. Wem kann er trauen? Ganz auf sich allein gestellt, muss Tommy seine Rolle jetzt perfekt spielen, sonst wird es seine letzte sein. (Offizieller Klappentext)


Der letzte Brad Parks, „Ich vernichte dich“, wusste zu gefallen. Trotzdem bin ich über den hier eher zufällig gestolpert, als ich auf Netgalley herumgesurft bin. Der Klappentext hat mich eigentlich gar nicht so begeistert. Gefängnis, Mafia, Schauspielerei – nichts davon begeistert mich übermäßig. Aber ich hatte Vertrauen in Brad Parks – und wurde nicht enttäuscht.

Tommy Jump, ein Name wie aus einem Hollywood-Streifen. Jetzt soll er also die Rolle seines Lebens spielen, um danach vielleicht nicht ausgesorgt zu haben – aber er könnte sich zumindest eine Auszeit nehmen, um sein eigenes Musical zu schreiben. Dafür schlüpft er in die Rolle des 33-jährigen Peter Lenfest Goodrich, seines Zeichens Geschichtslehrer, der wegen eines Banküberfalls einsitzt und sich nun mit Mitchell Dupree anfreunden sollte, um ihm sein größtes Geheimnis aus den Rippen zu leiern.

„Kein falscher Schritt“ basiert auf den Machenschaften der Wachovia-Bank, die rund 400 Milliarden Dollar gewaschen haben sollen. VIERHUNDERT MILLIARDEN! Das übersteigt meine Vorstellungskraft bei Weitem. Im Buch geht es Parks gemächlich an, es dauert seine Zeit, bis die Geschichte, die in drei Akte unterteilt ist, dort ist, wo der Autor sie haben will. Er führt die Charaktere ein, die mir trotz allem nie wirklich nahe waren. Tommys Verlobte Amanda hat einmal rote, dann plötzlich blonde Haare – okay, sie hat als Künstlerin ja genügend Tagesfreizeit, um sich die Haare beliebig zu färben. Parks räumt auch mit der Künstlerszene auf und skizziert in einer Szene, dass es die sagenumwobene Besetzungscouch nicht nur in Pornos gibt.

Bis zum ersten Plot-Twist hätte ich das Buch eher als mittelmäßig eingestuft, doch dann kommt Wendung nach Wendung, eine überraschender als die nächste. Und diese Wendungen machen es dann doch zu einem besseren Buch. Nach dem Ende würde ich das Buch immer noch nicht in den Himmel loben, weil mir das gewisse Etwas fehlt und die Handlung lange nur vor sich hin dümpelt. Dazu kommt, dass das Setting mir trotzdem nicht sympathischer wurde, weil ich weder Gefängnis-, Mafia- oder Musical-Fan bin – vor allem Letztere werden des Öfteren zitiert; ich kannte kein einziges Zitat. Und mit Pippin verbinde ich kein Musical, sondern einen Hobbit. Ich hätte auch gerne mehr über Amanda und ihre Krise, die ihr widerfährt, gelesen. Dennoch ist es ein solides Buch.

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Daten zum Buch 

Autor: Brad Parks
Titel: Kein falscher Schritt
Originaltitel: The Last Act
Übersetzung: Helga Augustin
Seiten: 432
Kapitel: 56 (+ Epilog)
Erschienen am: 26. August 2020
Verlag: Fischer
ISBN: 978-3596000678
Preis Print: 14,99 Euro
Preis Digital: 12,99 Euro
(Preise können abweichen)

Rezensionsexemplar

[Rezension] Camilla Läckberg: Wings of Silver – Die Rache einer Frau ist schön und brutal (Golden Cage – Band #2)

Faye lebt mittlerweile in Italien, gemeinsam mit Mutter und Tochter. Revenge steht kurz vor der Markteinführung in den USA. Eigentlich könnte es nicht besser laufen, denn sie lernt auch noch David kennen und glaubt, endlich den Mann ihres Lebens kennengelernt zu haben. Doch irgendwas stimmt nicht bei Revenge, denn es stellen sich Unregelmäßigkeiten ein. Immer mehr Aktionärinnen verkaufen ihre Anteile – was ist da los? Zu allem Überfluss sitzt Jack nicht mehr im Gefängnis! Jack, den sie mit einem Trick hinter Gittern gebracht hat. Alles scheint sich gegen sie verschworen zu haben. Zum Glück hat sie David, der ihr Halt gibt …


„Wings of Silver“ ist die Fortsetzung von „Golden Cage“, welches ich vor nicht allzu langer Zeit gelesen und für gut befunden habe – dementsprechend habe ich mich einigermaßen auf diesen Teil gefreut. Aber dann … tja.

Faye hat mich schon im ersten Teil, den man übrigens zwingend gelesen haben sollte, bevor man den hier liest, ziemlich beeindruckt. Sie hat sich von ihrem Mann emanzipiert und ihr Leben komplett auf links gedreht, eine Firma namens Revenge – Rache – gegründet und den Namen der Firma in die Tat umgesetzt und damit ihren Mann, der sie zusehends unterdrückt und betrogen hat, zerstört. Mittlerweile lebt sie mit ihrer Tochter und ihrer Mutter in Italien und lebt ein idyllisches und hedonistisches Leben. Doch die Arbeit ruft nach zwei Jahren wieder, Revenge soll in den USA an den Start gehen, wofür sie zurück nach Schweden muss. Dort lernt sie David nicht nur kennen, sondern auch lieben.

Fangen wir beim Cover an, welches ich gar nicht mal so toll finde. „Wings of Silver“ ist wie „Golden Cage“ ein Buch für Frauen. Dass man einen Lippenstift der Firma Revenge abbildet, macht oberflächlich betrachtet durchaus Sinn. Man will mit dem Cover Frauen ansprechen, weil der Inhalt an Frauen gerichtet ist – einerseits. Andererseits bin ich mir nicht sicher, ob das Cover den Inhalt des Buches repräsentiert, weil man sich eines stereotypen Symbols einer Frau bedient. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Faye das gefallen würde, die – mitunter radikale – Feministin ist. Da geht so weit, dass sie auch vor Mord nicht zurückschreckt; das haben wir in „Golden Cage“ bereits gelernt. Abgesehen davon, dass rund 80 Prozent der Krimi- und Thriller-Leser ohnehin Frauen sind, also eigentlich bräuchte man solche Marketingstrategien nicht – das Buch würde auch ohne Lippenstift von Frauen gekauft werden. Außerdem sieht die Farbkombination Rot/Grau ziemlich ranzig aus.

Genug dazu, jetzt zum Inhalt, bei dem ich mir gar nicht so sicher bin, ob es ein Thriller ist – zeitweise bin ich mir vorgekommen wie auf Youporn. Ich kann mich erinnern, dass es in „Golden Cage“ eine Sexszene gab – eine! Das war zu Beginn, und bereits damals habe ich kritisiert, dass das Buch so etwas gar nicht nötig hat. „Wings of Silver“ hat mindestens drei solcher expliziten Sexszenen und dazwischen ausgiebiges Geturtel zwischen Faye und David, ihr Love Interest, den sie kennenlernt und der so viel toller ist als ihr Ex Jack. Ich habe keineswegs etwas gegen Sexszenen, die sogar sehr gut und ästhetisch in Szene gesetzt sind, aber dafür, dass „Wings of Silver“ ein Thriller sein soll, war mir das etwas zu viel.

Thriller also weit gefehlt, erst kurz vor Ende gibt es endlich thrilling action. Zwischendurch blicken wir wie schon im ersten Teil zurück zur jungen Faye aka Matilda. Diese Passagen fand ich wesentlich interessanter als das Dauergeturtel zwischen Faye und David. Da lernt man nämlich zu verstehen, wie Faye so wurde wie, sie heute ist. Leider sind die Passagen nie sehr lang.

Die Golden-Cage-Reihe wird weitergehen, das deutet das Ende an. Und ich kann mir vorstellen, dass es der letzte Teil sein könnte. Im Titel wird wahrscheinlich das Wort Bronze vorkommen. Hoffentlich passt sich das Niveau nicht dementsprechend an.

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Daten zum Buch 

Autor: Camilla Läckberg
Titel: Wings of Silver – Die Rache einer Frau ist schön und brutal
Originaltitel: Vingar av silver
Übersetzung: Katrin Frey, Leena Flegler
Seiten: 352
Erschienen am: 3. August 2020
Verlag: List
ISBN: 978-3471351741
Preis Print: 19,99 Euro
Preis Digital: 15,99 Euro
(Preise können abweichen)

[Rezension] Vincent Kliesch / Sebastian Fitzek: Auris (Jula und Hegel – Band #1)

Matthias Hegel ist forensischer Phonetiker. Er hat das absolute Gehör und hört Dinge, die sonst keiner hört. Er hört Unsicherheit in Stimmen, Nervosität und Angst. Hegel arbeitet deshalb für die Polizei und kommt zum Beispiel bei Geiselnahmen zum Einsatz. Zumindest tat er das bis vor einem Jahr, denn heute sitzt Hegel in Haft. Er hat eine Obdachlose unnötig brutal ermordet und sich danach selbst gestellt. Aber ist er wirklich schuldig? Diese Frage geht Jula nach. Jula arbeitet beim Radio und betreibt privat einen True-Crime-Podcast, spricht dort also über reale Kriminalfälle – so auch über Hegels Fall, denn sie glaubt an seine Unschuld. Nun hat sie einen heißen Tipp bekommen. Eine neue Spur, um seine Unschuld zu beweisen. Doch dann bekommt sie einen Drohanruf, dass sie die Finger von dem Fall lassen soll. Als sie das nicht tut, wird ihr geschätzter Halbbruder Elyas entführt. Nun ist Jula in einer Bredouille … Weiterlesen

[Rezension] Brad Parks: Ich vernichte dich

Melanie Barrick ist eine liebende Mutter und Ehefrau. Sie liebt ihren Sohn abgöttisch, genau wie ihren Ehemann, der gerade an seiner Dissertation in Geschichte arbeitet. Als Melanie ihren Sohn nach der Arbeit vom Kindermädchen abholen will, ist es nicht da. Es wurde vom Sozialamt abgeholt. Einfach so? Nein. In Melanies Haus wurde eine große Menge Kokain gefunden und zum drüberstreuen wird ihr noch vorgeworfen, dass sie ihr Kind verkaufen wollte. Melanie weiß, dass das Schwachsinn ist – glauben tut ihr niemand. Aber wer hat ihr das Kokain untergejubelt? Etwa ihr Bruder, der jahrelang drogenabhängig war, oder wer anderer? Aber wer? Melanie ist komplett rat- und hilflos, denn sie wird gleich wegen drei Tatbestände angeklagt … Weiterlesen

[Rezension] Anna Simons: Verborgen – Der erste Fall für Gefängnisärztin Eva Korell (Eva Korell – Band I)

Eva Korell ist gerade von Berlin nach München gezogen und fängt als Ärztin in der hiesigen JVA an. Direkt am ersten Tag leistet sie bei einer Frau Erste Hilfe, die auf der Straße herumirrt und sich schließlich den Kopf stößt, weil sie umfällt. Nicole Arendt ist völlig durch den Wind. Ihr Mann sitzt im Gefängnis und kommt in wenigen Wochen raus. Zurück zu ihr. Jahrelang hat er sie misshandelt. Nun hat sie Schmuck in der Wohnung gefunden, den sie nie zuvor gesehen hat. Hatte Robert etwa eine Andere? Oder hat es irgendetwas mit der Vergewaltigungsserie zu tun, die ein Jahr zuvor die Medien dominiert hat? Ist ihr Mann gar der Vergewaltiger? Nicole ist verwirrt, weiß nicht, was sie tun soll. Also kontaktiert sie Korell, will ihr von ihrem Fund erzählen – die neue Anstaltsärztin wird ja etwas herausfinden können. Aber die weist sie brüsk zurück, will mit der Sache nichts zu tun haben – doch plötzlich verschwindet Nicole spurlos … Weiterlesen

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