[Rezension] Jürgen Neff: Blutgrätsche (Nina Schätzle – Band #1)

Nie wieder wollte Nina Schätzle ein Stadion betreten. Doch nach einem Pokal-Derby gegen den Erzrivalen wurde Cat Benzeler, eine wichtige Figur der Heidenheim-Ultras, ermordet, und Schätzle und ihr neuer Partner sind mit dem Fall betraut. Sie hat vor Langem mit diesem Kapitel ihres Lebens abgeschlossen, aber die Kripobeamtin verbindet viel mit dem 1. FCH. War sie doch selbst einmal ein Ultra, hat ihre eigene, blutige Geschichte mit dem Fußball und der Fan-Gemeinde. Und: Das Opfer ist ihre frühere beste Freundin. (Offizieller Klappentext)


Man kann die fußballfreie Zeit bis zur ersten Pan-europäischen EM mit einigem Füllen – Netflix, Zocken, Sex, in Urlaub fahren – oder – ganz kreativ – mit einem Buch! Denn ich weiß jetzt schon, dass ich während der EM – also wenn diese Rezension erscheint – nicht viel lesen werde. „Blutgrätsche“ ist der Auftakt von Jürgen Neffs „Nina-Schätzle-Reihe“, die mit dem Attribut „Fußball Krimi“ aufwartet – doch es ist wesentlich mehr als das.

Nina Schätzle ist Kripo-Beamtin. Früher stand sie in der Kurve des 1. FC Heidenheim – Zweitligist, der 2020 nur knapp in der Relegation gegen Bremen am Aufstieg gescheitert ist. Sie war Ultra, also jene Fangruppe, die sich als harter Kern bezeichnet. Die für den Verein leben und ihm alles unterordnen – und für die die Polizei der größte Feind ist. Schätzle hat also die Seiten gewechselt – denkt man. Nun ist ihre ehemalige Freundin tot, mit ihr stand sie früher auf der Ost der Voith-Arena, dem Stadion des 1. FC Heidenheim. Katharina „Cat“ Benzeler wurde nach dem Pokalspiel gegen den Erzrivalen Aalen mit drei Messerstichen niedergestreckt. Schätzle muss diesen Fall lösen und gegen ihre ehemaligen Kumpanen ermitteln. Na dann viel Spaß, Frau Befangenheit.

Das ist nämlich das erste Problem – dass Nina nicht gleich am Anfang von dem Fall abgezogen wird, habe ich bis zum Ende nicht verstanden. Aber irgendwie bringt genau dieser Umstand auch zusätzliche Spannung in den Krimi, der ohnehin voller Spannungen ist. Denn Schätzle ist alles andere als entspannt. Sie wirkt eher wie eine Getriebene, die kurz davor ist, Amok zu laufen. Dass sie einen Dachschaden hat, ist nicht nur medizinisch diagnostiziert, das weiß sie auch selbst und erzählt es der Leser:in, sondern sie zupft auch ständig am Gummiband auf ihrem Handgelenk, um Stress abzubauen. Schätzle ist also nicht nur befangen, sondern auch labil as fuck. Charakterbildung kann Neff schon mal, denn Schätzle ist ein durchaus interessanter Charakter, mir persönlich aber zu kantig, fast zu maskulin. Unsympathisch obendrein.

Der Krimi selbst ist allerdings nur oberflächlich betrachtet ein Fußball Krimi – ich würde eher Philip Kerrs „Wintertransfer“ als Fußball Krimi bezeichnen –, ich würde „Blutgrätsche“ vielmehr als Ultras Krimi bezeichnen, aber beim Wort „Ultra“ denkt der Durchschnittsbürger wahrscheinlich früher an die Steigerungsform von mega.

In dem Buch geht es nämlich so gut wie gar nicht um Fußball, sondern um Fußball-Fankultur, und da ist die eigentliche Stärke des Buches, denn Neff hat sich vorzüglich in die Thematik der Ultras eingearbeitet oder steht selbst regelmäßig in der Kurve. Das zu lesen ist fast interessanter als der Kriminalfall – aber definitiv nichts für Leute, die nur Fußball schauen wenn, WM ist. Schätzles Kollege Schröter repräsentiert zwar gewissermaßen den unbedarften Leser und stellt gerne mal die ein oder andere „blöde“ Frage, das macht das Buch aber noch lange nicht massentauglich. „Blutgrätsche“ ist dadurch (leider) sehr nischig. Dass sich Neff einen Zweitligisten hergenommen hat, ist zwar charmant, macht das Buch aber nur noch nischiger. Vielleicht war aber genau das Neffs Plan, und er wollte seiner Leidenschaft eine Buchreihe widmen.

Daten zum Buch 

Autor: Jürgen Neff
Titel: Blutgrätsche
Seiten: 373
Kapitel: 63
Erschienen am: 10. März 2021
Verlag: Gmeiner Verlag
ISBN: 978-3839227978
Preis Print: 13,73 Euro
Preis Digital: 10,99 Euro
(Preise können abweichen)

Rezensionsexemplar

[Rezension] Beate Maxian: Die Tote im Kaffeehaus (Sarah Pauli – Band #11)

Wien, wenige Tage vor dem berühmten Kaffeesiederball in der Hofburg: Für ihre erste große Ausgabe als neue Chefredakteurin des Wiener Boten trifft Sarah Pauli Marianne Böhm, Grande Dame der Kaffeehausdynastie Böhm, zu einem exklusiven Interview. Dann der Schock: Mitten im Gespräch sackt die alte Dame leblos in sich zusammen. Ist die Frau bloß an Altersschwäche gestorben? Sarah ist argwöhnisch, denn kurz vor ihrem Tod vertraute Böhm ihr eine rätselhafte Botschaft an. Die Journalistin beginnt zu recherchieren und stößt in der feinen Wiener Kaffeehausgesellschaft schon bald auf Geheimnisse, für die jemand über Leichen geht … (Offizieller Klappentext)


Es ist bereits der elfte Teil der Sarah-Pauli-Reihe, in den Teilen davor durften bereits etliche Wiener Sehenswürdigkeiten als Tatort herhalten – jetzt also ein Kaffeehaus. Ich muss sagen, ich persönlich war in meinem Leben so oft in einem Kaffeehaus, dass ich es wohl an einer Hand abzählen könnte. Dabei ist die Vorstellung, regelmäßig im Kaffeehaus zu sitzen, eine sehr positive, beruhigende, und vor allem eine leckere – wenn nicht gerade ein Mensch am Nebentisch stirbt wie in Beate Maxians neuestem Buch.

Sarah Pauli müsste mittlerweile auf die 40 zugehen, sie hat sich bei der fiktiven Tageszeitung „Wiener Bote“ von der Praktikantin zur Chefredakteurin hochgearbeitet und hat mit Mythen und Bräuchen ihr Leibthema gefunden – doch dann und wann mutiert sie zur Ermittlerin, und auch Chefinspektor Stein, der regelmäßig am Rande in der Reihe auftaucht, sagt ihr öfter, dass sie eine gute Polizistin abgegeben würde. Doch sie ist Journalistin mit Leib und Seele, was man ihr auch als Lesender anmerkt.

Die Sarah-Pauli-Reihe ist definitiv eine meiner Lieblingsreihen – weil ich darin einiges über Wien erfahre, und weil mich das Thema Journalismus interessiert. Und auch das Thema Mythen und Bräuche ist ein interessantes, auch wenn ich selbst kein besonders abergläubiger Mensch bin – aber irgendwelche Ticks haben wir ja alle. „Die Tote im Kaffeehaus“ verrät uns einiges über die Wiener Kaffeehauskultur, die durch die Türkenbelagerung Einzug gehalten hat, als ein Sack mit Kaffeebohnen – die zunächst fälschlicherweise für Kamelfutter gehalten wurde – gefunden wurde. Allein für dieses Wissen danke ich dem Buch, denn ich weiß schon jetzt, dass ich das nie wieder vergessen werde – unnützes Wissen ist mein Spezialgebiet.

Das Buch spielt kurz vor Corona, als der Sturm Sabine durch Europa fegte. Den habe ich tatsächlich komplett verdrängt, weil danach mit Covid19 eine noch viel größere Katastrophe durch die Welt bretterte und immer noch brettert. Sabine war quasi der Sturm vor dem Orkan. Man erfährt wie gesagt vieles über die Wiener Kaffeehauskultur, aber auch generell viel über Kaffeeanbau, und Maxian setzt sich sehr – so habe ich es zumindest aufgefasst – für Biokaffee ein. Und irgendwie habe ich seitdem Lust auf Biokaffee – keine Ahnung warum. Ich bin nicht einmal ein großartiger Kaffeetrinker, aber Beate Maxian schafft es gut, dieses Thema dezent in die Handlung einzubauen. Gegen Ende gehen wir gewissermaßen back to the roots, denn in den ersten Teilen der Reihe begab sich Sarah Pauli immer wieder in Lebensgefahr, bis es ihr ihr jüngerer Bruder Chris ausgetrieben hat. Gefällt mir sehr gut, dass Maxian ihre Leserschaft wieder ein bisschen zittern lässt.

Der Plot ist – wie gewohnt bei der Sarah-Pauli-Reihe – sehr flott – manchmal etwas zu flott, denn das Zeitgefühl ist an manchen Stellen nicht wirklich authentisch. Da ist die Rede von „ich bin in 20 Minuten da“ und fünf Zeilen später und ohne Absatz klingelt es an der Tür. Das ist mir davor nie aufgefallen und es ist auch nichts Großartiges – ich habe beim Lesen aber schon etwas gestutzt. Generell habe ich seit dem Lesen Lust, mich vielleicht ab und zu in ein traditionelles Kaffeehaus zu setzen – nach Corona.

Daten zum Buch 

Autor: Beate Maxian
Titel: Die Tote im Kaffeehaus
Seiten: 416
Kapitel: 34
Erschienen am: 19. April 2021
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3442490165
Preis Print: 10,79 Euro
Preis Digital: 9,99 Euro
(Preise können abweichen)

Rezensionsexemplar

[Rezension] Theresa Prammer: Lockvogel

Toni hat praktisch keinen Euro mehr in der Tasche. Nicht, weil die Schauspielschülerin ihren Allerwertesten nicht hochbekommt, sondern weil sich ihr Freund Felix mit ihren Ersparnissen auf und davon gemacht hat. Geld weg, Freund weg (Oder Ex-Freund? Betrüger? Was zur Hölle ist er denn nun?), dafür werden die unbezahlten Rechnungen immer mehr. – Toni hat einen riesigen Berg besonders saurer Zitronen vorgesetzt bekommen. Nur: Was macht sie daraus? Zuerst einmal: Durchatmen, Limonade machen auf später verschieben und schleunigst Felix zur Rede stellen. Dafür wendet sie sich an Privatdetektiv Edgar Behm. Der könnte Felix aufspüren. Doch wie soll sie ihn bezahlen?

Auch Sybille Steiner findet den Weg in Behms Detektei: Die Ehefrau eines Starregisseurs hat beunruhigende Post erhalten. Einem anonymen Tagebuch zufolge soll ihr Ehemann vor Jahren gegenüber einer jungen Schauspielerin seine Machtposition ausgenutzt haben. Sind die Anschuldigungen wahr? Wer ist die Verfasserin? Hat damit gar der Tod eines Mannes auf einer von Steiners High-Society-Partys etwas zu tun? Möglichst schnell, bevor die Presse Wind davon bekommt, muss Behm genau das herausfinden. Wie praktisch, dass gerade eine Schauspielschülerin bei Behm aufgetaucht ist, die ihn nicht bezahlen kann: Toni wird als Lockvogel engagiert. Welche Gefahren warten auf sie in der Filmbranche, die für Machtgefälle und Intrigen berüchtigt ist? (Offizieller Klappentext)


Theresa Prammer ist vielseitig begabt, egal ob Theater, Film oder Buch – sie kennt sich überall aus. Ich kannte sie weder von dort, noch von da; erst eine Insta-Story von Marc Elsberg machte mich auf sie und ihr neues Buch „Lockvogel“ aufmerksam. Nachdem ich erfahren habe, dass das Buch in Wien spielt, musste ich nicht lange überlegen.

Antonia Lorenz wird von allen eigentlich nur Toni genannt. Sie ist Schauspielstudentin am Wiener Konservatorium. Eigentlich hat sie bedingt durch ihre Großmutter, die sie mangels Eltern großgezogen hat, gar nicht so wenig Geld — Ihr Tresor ist voll damit —, und teurer Schmuck ist auch noch darin. Aber nun ist alles weg. Gestohlen von ihrem Freund Felix, der ebenfalls weg ist. Deshalb steht sie bei Edgar Brehm, seines Zeichens Privatdetektiv, auf der Matte. Der ist gerade knapp bei Kasse und hat obendrein auch noch gröbere gesundheitliche Probleme. Er könnte also einen Auftrag gebrauchen – doch Toni kann nicht zahlen. Da haben wir den Salat. Gut, dass noch eine zahlungskräftige Klientin daherkommt, die ihren Mann des Ehebruchs bezichtigt. Die drückt Brehm ein Kuvert mit etlichen pinken Scheinen (das sind die 500er, ich kenne die auch nur aus Erzählungen) in die Hand und gibt ihm drei Tage, um ihren Mann zu überführen. Als die Ermittlungsarbeit beginnt, in die er Toni einbaut, weil die ja ohnehin nicht zahlen kann, stößt er in ein Wespennest, denn der Fall ist wesentlich größer.

Das ist ganz grob die Handlung. Was mir sofort aufgefallen ist: Toni war mir auf Anhieb sympathisch. Mit wie viel Engagement und Verve sie sich in die Aufgaben stürzt, die ihr Brehm aufträgt bzw. wie viel Eigeninitiative sie auch einbringt, denn sie bietet ihm ihre Dienste ja erst an. Da kann sich der ein oder andere – ja sogar ich – eine Scheibe abschneiden. Brehm hingegen ist der knurrige Detektiv, wie er im Buche steht – ja okay, er ist schwul. Dass man sowas im 21. Jahrhundert noch herausstreichen muss, spricht nicht gerade für unsere Gesellschaft. Das hat Claire Douglas in ihrem Buch „Beste Freundin“ (Rezension folgt) wesentlich besser gelöst; wo zum Arbeitskollegen der Protagonistin lediglich angemerkt wurde,, dass er einen Freund hat ― und damit war alles gesagt. Da muss man kein Fass aufmachen, als wäre ein schwuler Mensch die Sensation des Jahrhunderts, schließlich würde sich vermutlich kein heterosexueller Mensch zu seiner sexuellen Neigung bekennen – eben weil es komplett egal ist, solange es im gesetzlichen Rahmen ist.

#MeToo spielt ebenfalls eine gewisse Rolle, drängt sich aber nicht auf, auch wenn sich ein Großteil der Handlung um die Schauspielerei dreht und ein Regisseur – eben jener vermeintliche Ehebrecher – im Mittelpunkt steht. Das Buch-Cover wirkt zwar unaufgeregt ― der Inhalt ist es aber mitnichten.

„Lockvogel“ ist sehr dialoglastig, was ich sehr gerne mag. Sonst würde ich es als klassischen Whodunit-Krimi kategorisieren. Der Standort Wien spielt dabei aber eine untergeordnete Rolle, vielmehr steht die Interaktion zwischen den Charakteren – allen voran zwischen den Hauptakteuren Toni und Brehm – im Vordergrund. Ob „Lockvogel“ der Auftakt zu einer Reihe ist, ist für mich am Ende nicht ganz klar geworden. Ich würde es mir allerdings wünschen, weil das Duo Toni Lorenz – Brehm außerordentlich sympathisch ist und Toni sichtlich Spaß am Detektieren hat.

Daten zum Buch 

Autor: Theresa Prammer
Titel: Lockvogel
Seiten: 376
Kapitel: 36
Erschienen am: 16. März 2021
Verlag: Haymon Verlag
ISBN: 978-3709981030
Preis Print: 24,43 Euro
Preis Digital: 18,99 Euro
(Preise können abweichen)

Rezensionsexemplar

[Rezension] Kees van Kikkerland: Tote spielen kein Klavier (Willi Hübner – Band #1)

Eine verzweifelte Mutter engagiert Privatdetektiv Willi Hübner, um ihre Tochter Ameli aufzuspüren, die seit Monaten in Amsterdam vermisst wird. Hübners Recherchen führen ihn ins Pianola-Museum, wo Ameli an einem Abend der offenen Tür zuletzt lebend gesehen wurde. Der pomadige Museumsdirektor kommt Hübner verdächtig vor, aber auch Amelis Ex-Freund Phil, ein Kleinkrimineller, gerät schnell in den Fokus der Ermittlungen.
Je tiefer Hübner in den Fall eintaucht, desto mehr begibt er sich selbst in Gefahr. Offenbar ist er einer größeren Sache auf der Spur, denn in höchsten Polizeikreisen versucht man, die Akte Ameli verschlossen zu halten. Und selbst der Amsterdamer Bürgermeister übt Druck auf Hübner aus, den Fall nicht wieder aufzurollen. Und obendrein steht aus heiterem Himmel auch noch Hübners 18-jähriger Sohn, zu dem er seit dessen Geburt keinerlei Kontakt hatte, unangemeldet vor seinem Hausboot… (Offizieller Klappentext)


Ein Cover wie aus einer Tourismusbroschüre. Amsterdam-Krimi steht darauf. Das allein genügte schon, um mich für dieses Buch zu begeistern. Den Autor kannte ich nicht – das tat vor Erscheinen des Buches vermutlich niemand –, aber Namen sind ohnehin Schall und Rauch. Dieser insbesondere, er ist nämlich ein Pseudonym – eines Deutschen.

Schon beim Namen des Protagonisten konnte man stutzig werden. Vermutlich würde kein gebürtiger Niederländer seinen Protagonisten Willi Hübner nennen und dessen Katze nach einer Figur aus der Sesamstraße – Herr von Bödefeld. Hübner lebt auf einem Hausboot – die Kelly Family lässt grüßen – ,und trägt einen Bugatti-Trenchcoat, den jeder als sonderbar bezeichnen würde, wenn er sich diplomatisch ausdrücken wollte. Dann taucht plötzlich Hübners Sohn auf. 18 Jahre alt. Seinen Vater kennt er nur von Geburtstagsglückwunschkarten. Den schiebt Hübner kurzerhand zu seinem weinseligen Bekannten vom Radio ab, der ständig ein Lachen auf den Lippen hätte – das hätte wohl jeder bei so einem Alkoholkonsum. Sympathieträger ist edgy Hübner also schon mal keiner. Und warum ihn der Bürgermeister von Amsterdam nicht mag, bleibt bis zum Ende ein Rätsel.

Und der Rest? Die Geschichte ist flott und durch viele Dialoge sehr lebendig gestaltet. Die Lokalkolorit – und übrigens auch das Cover-Artwork – hat mich sofort an die Wien-Krimis von Beate Maxian erinnert. Man merkt, dass van Kikkerland – was auf Deutsch übrigens von Froschland heißt – schon öfter in Amsterdam war. Bereits der erste Satz des Buches ist eine Liebeserklärung an die Stadt an der Gracht. Das gefällt. Vor allem, weil ich mich des Öfteren während des Lesens in Google verloren habe und mir einige Schauplätze genauer angesehen habe.

Weniger verloren habe ich mich in den Wiener Dialekt eines Informanten Hübners – der war schauderhaft. Und auch sonst hat mich das Buch nicht überzeugt. Ich weiß nicht, ob es am Protagonisten liegt, der so einige Klischees eines mehrfach gescheiterten Charakters erfüllt, oder ob es an die teilweise völlig überzogen gezeichneten Nebendarsteller lag, aber so richtig wollte der erste Teil der Hübner-Reihe nicht zünden. Da muss sich der TV-Moderator Ernst-Marcus Thomas, wie van Kikkerland wirklich heißt, beim nächsten Mal mehr anstrengen. Vielleicht etwas mehr Tiefe in den Fall bringen, etwas, aber nicht zu viel Ernsthaftigkeit einstreuen. Die Ansätze stimmen, und Amsterdam ist eine Top-Location, aber nach oben ist noch eine Menge Luft.

Daten zum Buch 

Autor: Kees van Kikkerland
Titel: Tote spielen kein Klavier
Seiten: 208
Kapitel: 36
Erschienen am: 6. Juli 2020
Verlag: Piper
ISBN: 978-3492503594
Preis Print: 13 Euro
Preis Digital: 6,99 Euro
(Preise können abweichen)

[Rezension] Guillaume Musso: Ein Wort, um dich zu retten

Nathan Fawles war einst ein gefeierter Schriftsteller, doch von heute auf morgen hat er sich aus dem Autorenleben zurückgezogen – und keiner weiß, wieso. Raphaël Bataille schreibt nun selbst ein Buch; er verehrt Fawles und heuert auf der Insel Beaumont an – dort, wo Fawles seit zwanzig Jahren sein Dasein fristet. Er arbeitet in einer Buchhandlung und hofft, sein Idol einmal zu treffen. Als er sich schließlich zu Fawles‘ Anwesen aufmacht, erntet er nichts als Schüsse aus seiner Schrotflinte. Plötzlich taucht eine Leiche auf. Sie ist an den ältesten Eukalyptusbaum der Insel gepfählt – nun braucht Fawles seinerseits Hilfe von Bataille …


Ein neuer Musso. Lange habe ich gezögert, ihn zu lesen. Weder Titel noch Cover haben mich besonders angelacht – dafür der Klappentext. Aber selbst nachdem ich es mir via Netgalley besorgt habe, lag es noch Wochen auf meiner Festplatte herum – der Anfang überzeugte mich nicht. Und dann hab ich es doch gelesen und wurde überrascht.

Wir switchen zwischen drei Charaktere hin und her: Einerseits ist da der Schriftsteller im Ruhestand, Nathan Fawles, andererseits haben wir den Möchtegern-Schriftsteller Raphaël Bataille, und dann ist da noch die Schweizer Journalistin Monney. Ersterer will einfach nur seine Ruhe haben, Bataille will, dass Fawles sein Manuskript liest, und die Journalistin hat eine ganz eigene Agenda, die ebenfalls mit Fawles zu tun hat – Fawles bekommt also alles andere als Ruhe.

Das Buch ist aufgebaut wie ein Ratgeber für angehende Autoren, jedes Kapitel wird mit einem Zitat eines namhaften Autors eingeleitet – darunter William Shakespeare oder Umberto Eco. Auch die Geschichte selbst beherbergt einige Schreibtipps, deshalb bin ich aus Guillaume Musso offen gestanden noch nicht ganz schlau geworden. Er scheint kein klassischer Thriller-Autor zu sein, es macht eher den Anschein, als ob er sich wie Andreas Eschbach in kein Genre pressen lassen zu wollen. Dennoch: Seine Bücher haben etwas, das mich reizt. Das war beim „Mädchen aus Brooklyn“ so, und das ist bei diesem ebenso. Auch das Cover sieht nicht wie ein klassisches Cover eines Thrillers aus (und man erkennt Thriller sofort am Bild der Frontseite eines Buches), und dennoch hat „Ein Wort, um dich zu retten“ einige Elemente, die ein Thriller hat (zum Beispiel eine Leiche).

Wir haben hier ein Buch im Buch, denn der Jungspund Raphaël Battaille schreibt gerade an einem Buch, das denselben Namen trägt wie der neueste Musso, wir wissen also eigentlich gar nicht, ob die Ereignisse, die im Buch passieren, real oder fiktiv sind. Musso lässt dem Leser irrsinnig viel Interpretationsspielraum – nicht nur hier, sondern auch am Ende. Offene Enden mag ich normalerweise gar nicht, aber hier ist es stimmig. Es passt zur Erzählung.

Und so flanieren wir flott und leichtfüßig durch den Plot, beseelt durch die Insellandschaft und dem interessanten Charakter Nathan Fawles, vorbei an einer groben Logiklücke und einem gröberen Ereignis, das nicht ganz in die Erzählung passt, aber sogar hier lässt uns Musso Raum für Interpretationen. Insgesamt ein sehr lesenswertes Buch.

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Daten zum Buch 

Autor: Guillaume Musso
Titel: Ein Wort, um dich zu retten
Originaltitel: La vie secrète des écrivains
Übersetzung: Bettina Runge, Eliane Hagedorn
Seiten: 336
Kapitel: 18 (+ Pro- & Epilog)
Erschienen am: 2. Juni 2020
Verlag: Pendo
ISBN: 978-3866124837
Preis Print: 16,99 Euro
Preis Digital: 12,99 Euro
(Preise können abweichen)

Rezensionsexemplar

[Was. Wann. 11/19] Diese Bücher erscheinen im November

Bücher erscheinen immer, den Überblick zu bewahren ist nahezu unmöglich. Nicht so, wenn ihr beim Krimisofa vorbeischaut, denn ab diesem Jahr erscheint immer am Ersten des Monats ein – zumindest grober – Überblick über einige Neuerscheinungen im Krimi/Thriller/Horror-Segment. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit, aber zumindest die Mainstream-Verlage sind halbwegs abgedeckt. Über einen Affiliate-Link könnt ihr das jeweilige Buch bestellen. Ihr unterstützt mit einem Kauf das Krimisofa, zahlt aber keinen Cent mehr. Weiterlesen

[Was. Wann. 10/19] Diese Bücher erscheinen im Oktober

Bücher erscheinen immer, den Überblick zu bewahren ist nahezu unmöglich. Nicht so, wenn ihr beim Krimisofa vorbeischaut, denn ab diesem Jahr erscheint immer am Ersten des Monats ein – zumindest grober – Überblick über einige Neuerscheinungen im Krimi/Thriller/Horror-Segment. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit, aber zumindest die Mainstream-Verlage sind halbwegs abgedeckt. Die Sofa-Hypeskala verdeutlicht, wie sehr ich persönlich mich auf einer Skala von 1-10 auf das Buch freue. Bei einer 7, 8, 9 oder 10 ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dieses Buch vom Krimisofa rezensiert wird. Und jetzt viel Spaß beim stöbern. Weiterlesen

[Was. Wann. 9/19] Diese Bücher erscheinen im September

Bücher erscheinen immer, den Überblick zu bewahren ist nahezu unmöglich. Nicht so, wenn ihr beim Krimisofa vorbeischaut, denn ab diesem Jahr erscheint immer am Ersten des Monats ein – zumindest grober – Überblick über einige Neuerscheinungen im Krimi/Thriller/Horror-Segment. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit, aber zumindest die Mainstream-Verlage sind halbwegs abgedeckt. Die Sofa-Hypeskala verdeutlicht, wie sehr ich persönlich mich auf einer Skala von 1-10 auf das Buch freue. Bei einer 7, 8, 9 oder 10 ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dieses Buch vom Krimisofa rezensiert wird. Und jetzt viel Spaß beim stöbern und schreibt doch, auf welche Bücher ihr euch am meisten freut 😊 Weiterlesen

[Rezension] Steffen Schulze: Pepe S. Fuchs – Panzerjäger (Pepe S. Fuchs – Band 3)

Achim und Waltraud sind gerade in einem Geldtransporter unterwegs, als sie überfallen werden – von einem Panzer. Aussteigen, ausziehen und wegtreten heißen die Anweisungen. Als die Polizei aufkreuzt und die zwei vor Kälte bibbernden aufliest, sind Panzer und Geldtransporter längst über alle Berge. Ein paar Tage später findet in Eisenach das alljährliche Sommergewinn Frühlingsfest statt, wo Pepe S. Fuchs die Deutschmanns treffen soll – als plötzlich im Gewühl der Menschen eine Bombe detoniert. Pepe fliegt ein Kopf in die Hände, just der des Panzerfahrers Deutschmann. Nur wenig später wird ein Kollege von Deutschmann tot aufgefunden. Beide waren in der Kaserne, in der Pepe S. Fuchs arbeitet und lebt, tätig. Wie hing das alles zusammen? Pepe muss die Sache aufklären … Weiterlesen

[Vorschau #17] mit Susanne Kliem – Lügenmeer, Pascal Engman – Der Patriot, Kliesch/Fitzek – Auris, Phoebe Locke – Rachemädchen, Steen Langstrup – Die Insel, Alex Beer – Der dunkle Bote

Der Bücherstapel steht hier und wartet darauf, abgearbeitet zu werden. Folgende Bücher werden in den nächsten Wochen in Form einer Rezension auf dem Krimisofa veröffentlicht. Die Klappentexte habe ich schamlos von den Seiten der Verlagsgruppen Random House, Droemer Knaur und dem Verlag Tropen geklaut  😉
Die Reihenfolge ist nicht endgültig, aber in der Regel wie hier dargestellt.DiePreisekönnenabweichen. Weiterlesen