[Rezension] Andreas Gruber: Die Knochennadel (Peter Hogart – Band #3)

Eigentlich wollte der Wiener Privatdetektiv Peter Hogart nur einen Kurzurlaub in Paris verbringen. Doch dann verschwinden bei einer exklusiven Auktion in der Opéra Garnier plötzlich seine Freundin, die Kunsthistorikerin Elisabeth, sowie eine mittelalterliche Knochennadel – ein nahezu unbezahlbarer Kunstgegenstand. Wenig später werden zwei Antiquitätenhändler grausam ermordet, und für Hogart beginnt eine fieberhafte Jagd. Denn diese Morde sind nur der Anfang, und Hogart bleibt wenig Zeit, Elisabeths Leben zu retten und das Rätsel um die geheimnisvolle Knochennadel zu lösen … (offizieller Klappentext)


Peter Hogart ist wieder da! Nach zwölf Jahren erschien der dritte Teil der Peter-Hogart-Reihe, nachdem die Vorgänger „Die schwarze Dame“ und „Die Engelsmühle“ vom Goldmann Verlag neu aufgelegt wurden. Das Manuskript dafür lag schon eine Weile in Grubers Schublade, wie er mir vor zwei Jahren in einem Interview verraten hat – dass es solange bis zur Veröffentlichung dauerte, lag an vertraglichen Details.

„Die Knochennadel“ spielt 2 ½ Jahre nach der „Engelsmühle“ und eigentlich wollte Hogart mit seiner neuen Lebensgefährtin Elisabeth und seiner Nichte Tatjana einen gemütlichen Urlaub machen – Elisabeth sollte nur die Versteigerung einer antiken Knochennadel abwickeln und dann sollte es zum Sightseeing gehen – aber natürlich kommt alles anders, denn schließlich schreibt Gruber Spannungsromane und keine Tourismusführer. Elisabeth verschwindet, und irgendwann verschwindet auch noch Tatjana, die 19-jährige Polizeischülerin, die selber mal Detektivin werden will. Blöd gelaufen für den 45-jährigen Versicherungsdetektiven, statt Urlaub gibts einen Arsch voll Arbeit mit ungewissem Ausgang.

Andreas Gruber ist für seine Maarten S. Sneijder Reihe bekannt und ist damit berühmt und erfolgreich geworden. Die Hogart-Reihe ist meiner Meinung nach einer der schwächeren Reihen Grubers, ich kann aber auch verstehen, wenn Gruber mal was anderes als die Sneijder-Reihe schreiben will, denn da erwartet man eine gewisse Qualität, die Gruber natürlich auch liefern will – manchmal geht das aber nicht. Bedeutet aber nicht, dass „Die Knochennadel“ schlecht ist, aber sie ist definitiv anders, Peter Hogart ist nicht so markant, steht meiner Meinung nach nicht mal im Zentrum der Reihe. Es stehen eher die Städte im Mittelpunkt – Prag im ersten Teil, Wien im zweiten und jetzt Paris. Das sind Städte mit Kultur, Geschichte, und ich bin jetzt schon gespannt, wohin es den Versicherungsdetektiven im nächsten Teil verschlägt. Hauptdarsteller ist für mich auch nicht der relativ blasse Hogart, sondern die namensgebende Knochennadel. Die Hogart-Reihe hat durch die Städte und die Kultur auch irgendwie etwas von einem Dan Brown – statt Schweinsschnitzel jagt Hogart aber eher veganes Schnitzel, denn irgendwie fehlt mir etwas bei der Reihe, das ich nicht ganz fassen und benennen kann. Ich habe auch ewig an dem Buch gelesen – insgesamt fast zwei Wochen – und ich war auch froh, als ich endlich durch war. 600 Seiten waren definitiv zu viel, 200 Seiten vor Ende beginnt der Showdown und es zieht sich ab dann so dermaßen in die Länge. Und wenn man glaubt, dass es jetzt erledigt ist, folgt noch ein Showdown. Das ist einfach zu viel – Gruber hätte sich lieber ein paar Ideen für einen etwaigen nächsten Teil aufgehoben.

Was ich auch seltsam fand, war, dass Gruber als Füllelement öfter den Satz „Irgendwo bellt ein Hund“ benutzt hat. Es gibt in einer der großen Bücherforen einen Thread, in denen dokumentiert wird, in welchen Büchern dieser Satz fällt – er ist also fast ein Literatur-Meme — das entbehrt nicht einer gewissen Komik.

Was mir auch sauer aufgestoßen ist, war die gerne benutzte Formulierung „Person xy ist an den Rollstuhl gefesselt“, die Gruber öfter verwendet. An alle Menschen da draußen, die das hier lesen: Schreibt das bitte nicht. Sagt es auch nicht. Streicht es aus eurem Wortschatz, so diese Formulierung sich darin befindet. Wenn man jemanden an einen Rollstuhl fesselt, ist es in erster Linie eine Straftat, falls man nicht gerade auf Bondage steht oder Entfesselungskünstler ist. Anderenfalls befreit den Menschen, falls ihr irgendwen seht, der mit einem Seil oder sonst etwas an einen (Roll)Stuhl gefesselt ist.

Und jetzt ernsthaft: Ein Rollstuhl ist ein Beinersatz, eine Erleichterung im Alltag, und in erster Linie etwas, wofür man dankbar sein sollte, weil man sich damit trotz einer temporären oder permanenten Behinderung bewegen kann. Wenn jemand mit Krücken geht, sagt auch niemand, dass er oder sie an Krücken gefesselt ist. Deshalb sollte man den Rollstuhl positiv konnotieren, denn „an den Rollstuhl gefesselt“ wirkt für mich stigmatisierend und diskriminierend. Es wirkt mitleidserregend, nach dem Motto „Der arme Mensch kann nicht gehen — oje oje“, und das verachte ich zutiefst, weil man nicht arm ist, wenn man im Rollstuhl sitzt. Die Gesellschaft sollte im 21. Jahrhundert  etwas weiter sein. Denkt etwas bunter und nicht so eindimensional.

Daten zum Buch 

Autor: Andreas Gruber
Titel: Die Knochennadel
Seiten: 608
Kapitel: 83 (+ Epilog)
Erschienen am: 14. September  2020
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3442490714
Preis Print: 10,99 Euro
Preis Digital: 9,99 Euro
(Preise können abweichen)

[Rezension] Emma Garnier: Grandhotel Angst

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