[Rezension] VANITAS – Grau wie Asche (Vanitas-Reihe – Band #2)

Carolin ist wieder in Wien, wieder in der Blumenhandlung am Zentralfriedhof. Sie glaubt, sie hätte nun etwas Ruhe nach den Vorkommnissen in München – doch weit gefehlt. Denn eines Tages liegt eine exhumierte Leiche auf einem Grab, der Grabstein ist beschmiert mit satanischen Zeichen: 666, Omega, und ein Zeichen, das keiner so richtig zuordnen kann. Und dann taucht eine frische Leiche auf. Wie passt das alles zusammen? Carolin interessiert sich für den Fall, forscht selber und gerät dann selbst ins Visier der Polizei. An einer anderen Front ist ein wunderlicher Mann, der vorgibt, sich für Carolins Kollegin Eileen zu interessieren, doch Carolin spürt, dass er sich viel eher für sie interessiert. Für Carolin steht fest: Der Mann wurde vom russischen Clan geschickt, der sie verfolgt …


Ich verbinde Ursula Poznanski eher mit Jugendliteratur: „Erebos“, „Saeculum“; beides Bücher, die ich vor Ewigkeiten gelesen habe. Mit „Vanitas – Schwarz wie Erde“ geriet Poznanski wieder in mein engeres Blickfeld und ich hatte das Buch lange auf meiner to-read-Liste – bis ich dann eine Rezension gelesen habe, die beschrieb, dass das Buch gar nicht so der Knaller sein soll. Band Nummer zwei hab ich mir jetzt dann doch geholt, das Cover fand ich wesentlich ansprechender als das des ersten Teils. Und die Location, der Wiener Zentralfriedhof, ist quasi bei mir ums Eck. Für mich Grund genug, dem Buch eine Chance zu geben.

Wer ist eigentlich Carolin Bauer? Oberflächlich betrachtet ist sie Blumenhändlerin, alleinstehend, fast eigenbrötlerisch, źurückgezogen. Weder sympathisch, noch unsympathisch – unauffällig. Das sollte sie auch sein, denn sie wird gesucht; zumindest glaubt sie das. Carolin ist nämlich Polizeispitzel, und hat sich bei einem russischen Clan infiltrieren lassen. Zumindest reime ich mir das aus dem Klappentext von „Schwarz wie Erde“ und dem, was ich im zweiten Teil gelesen habe, zusammen. Dass sie in der Sache der Exhumierungen selber nachforscht, ist kontraproduktiv. Sie verbittet es sich selbst und kann es trotzdem nicht lassen. Und dann entführt sie noch Alex, weil sie glaubt, dass er von den Karpins geschickt wurde – jene Männer vom russischen Clan. Sicher ist sie sich dessen allerdings nicht.

Direkt am Anfang jagt eine Andeutung die nächste und ich hab mich schnell gefragt, ob es Sinn macht, weiterzulesen, weil ich mit keiner der Andeutungen etwas anfangen konnte – „das kann ja lustig werden“ habe ich mir gedacht. Doch ich habe weitergelesen und es ging. Man kommt ganz gut zurecht, wenn man Teil eins der Reihe nicht gelesen hat. Vieles erschließt sich von selbst und manches wird möglicherweise zum ersten Mal erwähnt – zum Beispiel, dass Carolin – die natürlich nicht wirklich so heißt – Grafikerin ist und perfekt Dokumente fälschen kann. Carolin ist ein ziemlich interessanter Charakter, der facettenreich ist und bestimmt noch einige Geheimnisse hat, die im Laufe der Reihe noch gelüftet werden.

Das Buch hat mich sehr stark an die Jane-Hawk-Trilogie von Dean Koontz erinnert, eine Reihe mit einer ähnlich starken Frau als Hauptcharakter und einer ähnlich düsteren Atmosphäre – nur, dass sie bei Koontz unangenehm düster war, sodass das Lesen zeitweise eine Belastung für mich war. Bei Poznanski hingegen macht es Spaß, mit der Protagonistin mitzufiebern – dass die Kapitel überdurchschnittlich lang sind, hat mich nur dazu motiviert, weiterzulesen, weil ich wissen wollte, wie sie das nächste Problem, das ihr vor die Füße geworfen wird, löst. Langeweile gibt es hier nicht.

Die „Vanitas“-Reihe hat definitiv Potenzial, eine meiner Lieblingsreihen zu werden. Vor allem, weil der Nachhall am Ende enorm war. Das letzte Kapitel ist ganz großes Tennis, da steckt einiges an Emotion drin.

Daten zum Buch 

Autor: Ursula Poznanski
Titel: VANITAS – Grau wie Asche
Seiten: 400
Erschienen am: 2. März 2020
Verlag: Knaur HC
ISBN: 978-3426226872
Preis Print: 16,99 Euro
Preis Digital: 12,99 Euro
(Preise können abweichen)

[Rezension] Pascal Engman: Feuerland (Vanessa frank – Band #1)

In Schweden werden immer wieder Kinder von der Straße eingesammelt, in ein Flugzeug gepackt und nach Chile geflogen. Dort werden sie aufgeschnitten und ihnen werden die Organe entnommen, die reichen Menschen eingepflanzt werden damit sie noch ein paar Jahre an ihre Lebenszeit anhängen können. Das fällt in Schweden nicht weiter auf, weil es Flüchtlingskinder sind, die zumeist auf der Straße leben. Weniger auf der Straße, sondern eher in der Luft, hängt Vanessa Frank. Sie wurde eben vom Polizeidienst suspendiert, weil sie alkoholisiert hinterm Steuer saß und sich dabei erwischen ließ. Damit das nicht noch mal passiert, hat sie sich eine andere Beschäftigung gesucht – sie betreut unbegleitete Flüchtlingskinder. Darunter Nastasja aus Syrien, die eines Tages spurlos verschwindet …


Pascal Engman hat sich mit „Der Patriot“ einen Namen gemacht. Er hat darin ein aktuelles Thema aufgegriffen, es mit seiner früheren Tätigkeit vermengt – Engman war Journalist, bevor er sich vollends der fiktiven Literatur hingab – und daraus einen formidablen Thriller gezimmert. Jetzt startet er mit seinem zweiten Buch eine Reihe um Vanessa Frank – doch wenn es der Klappentext nicht suggerieren würde, ich hätte nicht sofort damit gerechnet, dass Vanessa Frank der Hauptcharakter des Buches ist, denn wie schon im Patrioten gibt es eine komplexe Erzählstruktur mit vielen Schauplätzen und Charakteren. Interessanterweise verliert man aber nicht den Überblick, obwohl die Charaktere kaum Tiefe haben.

Nun haben wir also Vanessa, die gerade in ein Loch gefallen ist. Nicht nur, dass sie von ihrem Job suspendiert wurde, lebt sie auch gerade in Scheidung, weil ihr Mann – ein erfolgreicher Regisseur – eine andere  (und jüngere) hat. Aber nicht nur das, er hat seine Neue auch noch geschwängert. Grund genug, um sich die Kante zu geben, und sich durch die Welt zu tindern. Als ihr das zu blöd wird, überlegt sie, möglicherweise lesbisch zu werden – Männer sind eh alle scheiße.

Es gibt noch zahlreiche andere Charaktere, aber über die lass ich mich jetzt nicht weiter aus, sonst sitze ich noch drei Tage hier. „Feuerland“ ist der Auftakt zur Vanessa-Frank-Reihe, und spätestens daran erkennt man, dass Vanessa Frank der Hauptcharakter im Buch ist. Dass Engman nach seinem grandiosen Debüt eine Reihe startet, ließ mich jetzt nicht gerade in Euphorie ausbrechen. Wobei ich nicht mal sagen kann, warum. Gefühlt ist es für mich der Weg des geringeren Widerstandes. Man muss sich nicht jedes Mal einen supercoolen, supersympathischen Protagonisten ausdenken (wobei das ohnehin nicht auf Vanessa Frank zutrifft), das Grundsetting steht auch schon mehr oder weniger von Anfang an fest – man muss sich nur ein paar Kniffe, Plot-Twists und ein bisschen Geschichte ausdenken. Aber vielleicht red ich auch gerade kompletten Bullshit. Eh wurscht, nun haben wir halt den Auftakt zu einer Reihe – der ist für sich genommen aber auch alles andere als gut. Warum?

„Feuerland“ hat insgesamt elf Teile mit kurzen bis sehr kurzen Kapiteln, nach jedem Kapitel befinden wir uns bei einem anderen Charakter und meistens auch in einem anderen Land (wir springen immer von Schweden nach Chile und zurück), was bei mir nie einen richtigen Lesefluss entstehen ließ. Da Engman auch mit Cliffhangern zurückhaltend umgeht, kam ich eigentlich nie in einen Flow. Organhandel ist zwar ein wichtiges Thema, aber da es eigentlich nur selten in den Medien vertreten ist, hat es mich nie gecatcht. Zumal Engman den Antagonisten fast sympathischer darstellt als Vanessa Frank. Vielleicht ist das Kalkül, für mich aber alles andere als glücklich.

Für mich war „Feuerland“ um einiges schlechter als „Der Patriot“ und ein alles andere als guter Auftakt zu einer Reihe.

Daten zum Buch 

Autor: Pascal Engman
Titel: Feuerland
Originaltitel: Eldslandet
Übersetzung: Nike Karen Müller
Seiten: 496
Erschienen am: 22. Februar 2020
Verlag: Tropen
ISBN: 978-3608503654
Preis Print: 17 Euro
Preis Digital: 13,99 Euro
(Preise können abweichen)

[Rezension] Jean-Christophe Grangé: Die Fesseln des Bösen

In einem Pariser Striplokal wird eine Leiche gefunden, mit der eigenen Unterwäsche erdrosselt und die Mundwinkel sind bis zu den Ohren aufgeschlitzt. Im Rachen wurde ein Stein platziert. Ein Verdächtiger ist mit dem ältlichen Maler Sobieski schnell gefunden – aber der hat ein hieb- und stichfestes Alibi. Da Kommissar Corso aber keinen anderen Verdächtigen findet, hält er an Sobieski als Täter fest – vor allem, weil er eine kriminelle Vergangenheit hat und 17 Jahre im Gefängnis verbracht hat.
Corso hat noch einen anderen Kampf zu bestreiten, nämlich den um seinen Sohn Thaddée – wenn er den Fall löst, stehen die Chancen gut, dass er das alleinige Sorgerecht erhält. Corso kämpft gegen die Zeit, zumal es nicht bei dem einen Opfer bleibt …


Stéphane Corso ist Leiter von Team 1 der Pariser Kriminalpolizei, er selbst ist einer der besten Ermittler der Stadt. Dabei hat er selber eine dunkle Vergangenheit, wuchs im Heim auf, lebte auf der Straße, war drogensüchtig und hat nicht zuletzt einen Mord begangen – bis Catherine Bompart kam, seine heutige Chefin. Sie holte Corso von der Straße, zwang ihn, das Abi zu machen und schickte ihn auf die Polizeischule; im Gegenzug sorgte sie dafür, dass er nicht für den Mord belangt wird. Während es beruflich ziemlich glatt läuft, tut es das privat so gar nicht, denn Corso steckt gerade mitten im Scheidungsprozess mit seiner Frau. Er will das Sorgerecht für seinen Sohn, weil er seine zukünftige Ex-Frau aufgrund ihrer Sadomaso-Neigungen als eine Gefahr für den Zehnjährigen hält.

Wo wir auch schon beim Thema wären, denn Sex im Allgemeinen und SM bzw. Bondage im Speziellen, spielen die Hauptrolle im titelgebenden Fesselspiel. Man erfährt so einiges über die Szene, manches davon will man vielleicht gar nicht so genau wissen. Dabei hat Corso selbst bei den – nennen wir es lusterweiternden – Spielen mit seiner Frau mitgemacht – heute verurteilt er sie dafür. Aber nicht nur das, sondern auch die Kunst ist ein großes Thema im Buch, hier steht der Hauptverdächtige Sobieski im Mittelpunkt, der die Mal- und Fesselkunst gewissermaßen in einer Melange vereint. Für Corso ist der Mann mit dem geschichtsträchtigen Namen von Anfang an schuldig. Beweise? Na ja, nicht so wirklich. Zwar hat der Maler schon vor etlichen Jahren getötet und der Modus Operandi ist ähnlich, aber nicht derselbe. Egal, denkt sich Corso, einmal Mörder, immer Mörder. Vielleicht ist Corso ja doch kein so guter Ermittler.

Ohnehin war er bei dem Fall nur zweite Wahl, denn das Buch steigt erst zwölf Tage nach dem Mord ein, bis dahin hat sich ein anderer die Fingernägel an dem Fall abgebissen und hat schnell gemerkt, dass er ansteht. Dabei sind zwölf Tage ein Klacks, wenn man merkt, wie lange Corso daran arbeitet – die Handlung zieht sich nämlich über fast zwei Jahre. Zwei Jahre in denen wir einiges mit dem Protagonisten erleben, das Konzept des Buches ist nämlich kein schlechtes. Insgesamt ist das Buch in drei Teile unterteilt, sowohl faktisch als auch erzählerisch. Zuerst haben wir einen klassischen Whodunit-Thriller, danach einen Justizthriller, um später wieder einen Whodunit-Thriller zu lesen.

Der stärkste Charakter im Buch tritt für mich erst im zweiten Teil, also nach grob 200 Seiten auf. Claudia Müller ist gebürtige Österreicherin und dreht die nach dem ersten Teil etwas eingeschlafene Handlung mal komplett auf links, um im dritten Teil noch einen viel größeren Plot-Twist einzubauen. Zwischendurch hab ich mir schon gedacht, dass die Handlung vielleicht etwas zu sehr in die Länge gezogen wird und hab dies in einem Update auf Goodreads auch kundgetan, aber in der Nachbetrachtung macht das alles schon Sinn. Als eher schwach hab ich den Hauptcharakter Corso empfunden. Er hatte für mich überhaupt kein Charisma und nichts, was mir längerfristig im Gedächtnis bleiben wird.

Auch wenn die Handlung zwischendrin einen ziemlichen Durchhänger hat und nur dahinplätschert, war ich froh, bis zum Ende durchgehalten zu haben. Zumal das Ende und die Auflösung äußerst interessant sind.

Daten zum Buch 

Autor: Jean-Christophe Grangé
Titel: Die Fesseln des Bösen
Originaltitel: La terre des morts
Übersetzung: Ulrike Werner-Richter
Seiten: 608
Kapitel: 104
Erschienen am: 31. Januar 2020
Verlag: Lübbe
ISBN: 978-3431041293
Preis Print: 16,90 Euro
Preis Digital: 11,99 Euro
(Preise können abweichen)