[Rezension] Peter James: Du stirbst für mich (Roy Grace – Band #13)

Lorna Belling hat genug. Genug von ihrer höllischen Ehe und ihrem brutalen Ehemann Corin. Und jetzt auch von ihrem Liebhaber Greg, der sie seit zwei Jahren über seine wahren Absichten belügt. Doch als sie ihm droht, rastet Greg aus.
Als die Leiche einer toten Frau in Brighton gefunden wird, sieht für Detective Superintendent Roy Grace zunächst alles nach einem einfach zu lösenden Fall aus. Zumal ein brutaler Ehemann ein perfekter Hauptverdächtiger ist. Doch diese Ermittlung hat es in sich: Der Fall geht in eine völlig andere Richtung als gedacht, und Roy Grace steckt mitten in einer der schwierigsten Ermittlungen seines Lebens. (Offizieller Klappentext)


Letztens habe ich mich wieder mal an die Roy-Grace-Reihe von Peter James erinnert, von denen ich irgendwann im Jahre Schnee ein paar Teile gelesen habe. Mittlerweile gibt es 13 davon. 13 Teile über diverse Mörder, die das südenglische Brighton unsicher machen – das hat irgendwie etwas von „Der Bulle von Tölz“, denn die Vorstellung, dass eine mittelgroße Kleinstadt regelmäßig von (Serien)Mördern unsicher gemacht wird, ist fern jeglicher Realität. Aber vielleicht ist genau das das Erfolgsrezept der Reihe.

Lorna ist Friseuse, bei der es nicht gerade rundläuft, denn sie wird tagein, tagaus von ihrem Mann Corin geschlagen und misshandelt – erst letztens hat er versucht, ihr Hundekot in den Mund zu stopfen. Neben dem Stylen hat sie nämlich auch begonnen, Hunde zu züchten. Um sich von den Gräueltaten ihres Mannes abzulenken, hat sie eine Affäre in einer Wohnung, die sie extra dafür gemietet hat. Ein Liebesnest. Eine Bumsbude. Jetzt hat sie herausgefunden, dass sie ihr Liebhaber nach Strich und Faden belogen hat. Läuft bei ihr.

Roy Grace ist plötzlich Vater geworden. Nachdem seine Ex-Frau Sandy zehn Jahre wie vom Erdboden verschluckt war, ist sie nach einem Unfall – sie wurde von einem Auto angefahren – wie aus dem Nichts aufgetaucht. Da sie den Unfall nicht gut verwunden hat, hat sie sich kurzerhand das Leben genommen. In ihrem Testament eröffnet sie Roy Grace, dass ihr zehnjähriger Sohn Bruno von ihm sei. Um die Formalitäten zu klären, reist Grace nach München, wo Sandy die letzten Jahre gelebt hat, und holt Bruno – der zum Glück tadellos Englisch spricht – zu sich nach Brighton. Für mich eine Horror-Vorstellung, wenn mir plötzlich ein fremder Mensch vorgesetzt wird, der mich in ein mir fremdes Land bringt. Aber Bruno verdaut es ganz gut, auch wenn er gewisse Probleme haben dürfte, wie Sandy im Testament schreibt.

Ich habe lange überlegt, ob ich dieses Buch rezensieren soll, da die Handlung zwischendrin nur schwer nachvollziehbar war, es oft Rückgriffe in vergangene Teile gab, die ich nicht verstanden habe, weil ich sie nicht gelesen habe. Graces Geschichte mit Sandy zum Beispiel – oder die mit seiner neuen Frau Cleo. Davon ausgehend würde ich nicht empfehlen, mit diesem Teil in die Reihe einzusteigen.

Der Kriminalfall – die Binnenhandlung sozusagen – ist aber durchaus okay – allerdings nichts, was outstanding ist. Man kann als Leser miträtseln, wer der Täter ist (was man spätestens im letzten Drittel des Buches heraus hat) und man bekommt immer wieder kurze Kapitel serviert, die die Sicht des Täters zeigen. Beziehungsweise ist lange gar nicht klar, ob es überhaupt Mord war – und das wirft eine interessante Frage auf: Wie viele Morde werden eigentlich als solche entdeckt? Oftmals – vor allem bei älteren Personen – geht man meistens von einem natürlichen Tod aus, wenn es nicht gerade offensichtlich ist – sprich: wenn das Opfer nicht gerade ein Loch im Kopf hat. Ich habe dann mal gegoogelt, wie viele Morde unentdeckt bleiben, und die Antwort ist schockierend, denn es sind 50 Prozent.

Na ja, zurück zum Buch: Kann man lesen, und es wird auch nie langweilig – aber man verpasst auch nichts, wenn man „Du stirbst für mich“ nicht liest. Ein zeitloser Thriller, der auch in fünf Jahren noch seine Aktualität hat.

Daten zum Buch 

Autor: Peter James
Titel: Du stirbst für mich
Originaltitel: Need you dead
Übersetzung: Irmengard Gabler
Seiten: 464
Kapitel: 115
Erschienen am: 24. Februar 2021 (als TB)
Verlag: FISCHER Taschenbuch
ISBN: 978-3596701537
Preis Print: 10,79 Euro
Preis Digital: 9,99 Euro
(Preise können abweichen)

Rezensionsexemplar

[Rezension] Ursula Poznanski: VANITAS – Rot wie Feuer (Vanitas-Trilogie – Band #3)

Ihre Verfolger haben sie in Wien aufgespürt. Die österreichische Polizei sucht sie in Zusammenhang mit einem Mordfall. Völlig auf sich allein gestellt tritt Blumenhändlerin Carolin die Flucht nach vorne an: Sie fährt nach Frankfurt, in die Hochburg ihrer Feinde, in die Höhle des Löwen. Für sie die gefährlichste Stadt der Welt, aber auch die, in der man sie zuletzt vermuten würde. Und gleichzeitig der einzige Ort, an dem sie die Chance sieht, ihrem Alptraum ein Ende zu setzen.
Ausgerüstet mit ihrem Wissen über den russischen Karpin-Clan, über Schwächen, Gewohnheiten und alte Feindschaften ihrer Gegner, beginnt Carolin, Fallen zu stellen und ein Netz aus Intrigen zu weben. Schon bald zieht sie eine blutige Spur durch Frankfurt – nur leider scheint es, als wäre ihre Rückkehr doch nicht unentdeckt geblieben … (Offizieller Klappentext)


Von München, nach Wien, nach Frankfurt – nun ist Carolin in der Hochburg der Karpins gelandet. Jenem Clan, vor dem sie seit Monaten flüchtet, wirft sie sich nun geradezu in die Arme. Doch um genau das zu verhindern, schmiedet sie einen perfiden Plan – die Karpins sind nämlich nicht der einzige Clan in der Stadt am Main. Und so hetzt sie den einen gegen den anderen auf, um sich geschickt unter der Fehde durch zu ducken. Aber so einfach, wie sie sich das vorstellt, wird es dann doch nicht. Und das ist gut – vor allem für die Leserschaft.

Der erste Teil der „Vanitas“-Reihe war eher so lala, als müsste sich Ursula Poznanski selbst erst ans Mafia-Setting gewöhnen. Der Zweite war wesentlich besser. Und der Dritte? Tja, der beginnt erst mal mit einem Knall, denn der erste Satz des Buches – „Ich war dabei, als wir den Polizisten zerstört haben“ – fungiert als Foreshadowing für das, was wir ein paar Seiten später erfahren.  Carolins Kontaktmann beim BKA, Robert, mit dem sie immer in der Sprache der Blumen kommuniziert hat, vegetiert in einem Pflegeheim nur mehr vor sich hin. Carolin ist also auf sich allein gestellt – ausgerechnet in Frankfurt. Sie muss sich also einen Plan nach dem anderen ausdenken, von denen nahezu jeder irgendwie durchkreuzt wird. Aber das macht das Buch aus, es gibt einen Plot-Twist nach dem anderen; das garantiert durchgehende Spannung – etwas, das ich im ersten Teil der Trilogie noch schmerzlich vermisst habe.

Den ersten Teil habe ich aber ohnehin fast ausschließlich gelesen, weil ich wissen wollte, wie Carolin überhaupt in die Mühlen der Karpins geraten ist. Eigentlich ist sie ja Grafikerin, als diese hat sie auch für die Karpins gearbeitet, hat Geburturkunden, Pässe, Dokumente gefälscht. Sie ist aber keine Russin, noch weniger eine Karpin. Es wird im finalen Teil der Trilogie zwar erwähnt, wie sie in den Mafia-Clan gekommen ist, aber ich hätte mir viel mehr Backstory von Carolin gewünscht, denn so richtig ist sie für mich über die drei Teile nicht greifbar geworden.

Allerdings findet eine Charakterentwicklung statt bei Carolin. Sie wirkt nicht nur entschlossener, sondern ist auch emotionaler, ist näher am Wasser gebaut als in den beiden anderen Teilen. Man merkt, diese ganze Sache macht etwas mit ihr, dazu steigt der Druck, weil sie in Frankfurt quasi Tür an Tür mit den Karpins lebt. Dazu kommt auch noch, dass sie als Verdächtige in einem Mordfall in Wien gilt, während sie in Frankfurt Schach gegen einen russischen Mafia-Clan spielt. Das hat mir imponiert, und ich hoffe, Ursula Poznanski veröffentlicht bald wieder ein vollwertiges Buch für die erwachsene Leserschaft – wobei man auch ihre Jugendbücher als Erwachsener lesen kann.

Daten zum Buch 

Autor: Ursula Poznanski
Titel: VANITAS – Rot wie Feuer
Seiten: 400
Kapitel: 29
Erschienen am: 1. April 2021 (eBook: 20.3.)
Verlag: Knaur HC;
ISBN: 978-3426226889
Preis Print: 16,67 Euro
Preis Digital: 14,99 Euro
(Preise können abweichen)

Rezensionsexemplar

[Rezension] Andreas Gruber: Todesmal (Maarten Sneijder – Band #5)

Maarten Sneijder hat beim BKA gekündigt, nachdem seine Sonderkonditionen nicht vom BKA-Präsidenten akzeptiert wurden. Konditionen gegen das selbst der Europäische Gerichtshof aufschreien würde, weil sie so weitreichend sind, dass sie zum Teil gegen die Genfer Konventionen verstoßen. Nun kommt eine Nonne ins BKA-Präsidium und gesteht, dass in den nächsten sieben Tagen sieben Menschen sterben werden – an jedem Tag einer. Warum und weshalb verrät sie nicht. Sabine Nemez stößt beim Verhör auf Granit – sie rede nur mit einem: Maarten S. Sneijder. Doch selbst der ist mit dem Fall überfordert … Weiterlesen

[Rezension] Robert Harris: München

Europa steht vor dem Krieg. Hitler droht damit, in die Tschechoslowakei einzumarschieren und das Sudetenland einzunehmen – England steht unter Zugzwang. Premierminister Chamberlain will einen Krieg verhindern und das Ganze diplomatisch lösen. Hugh Legat ist Chamberlains Privatsekretär und kennt Deutschland, spricht Deutsch und kennt einen Deutschen im nationalsozialistischen Außenministerium – Paul von Hartmann. Von Hartmann hat gemeinsam mit Legat in Oxford studiert und bekommt ein brisantes Schriftstück in die Hand, das Hitler in Verlegenheit bringen könnte. Nun findet in München ein Treffen zwischen Deutschland, Italien, England und Frankreich statt, um ein Abkommen zu verhandeln. Von Hartmann und Legat müssen die Unterschrift mit aller Macht verhindern… Weiterlesen

[Rezension] Anna Simons: Verborgen – Der erste Fall für Gefängnisärztin Eva Korell (Eva Korell – Band I)

Eva Korell ist gerade von Berlin nach München gezogen und fängt als Ärztin in der hiesigen JVA an. Direkt am ersten Tag leistet sie bei einer Frau Erste Hilfe, die auf der Straße herumirrt und sich schließlich den Kopf stößt, weil sie umfällt. Nicole Arendt ist völlig durch den Wind. Ihr Mann sitzt im Gefängnis und kommt in wenigen Wochen raus. Zurück zu ihr. Jahrelang hat er sie misshandelt. Nun hat sie Schmuck in der Wohnung gefunden, den sie nie zuvor gesehen hat. Hatte Robert etwa eine Andere? Oder hat es irgendetwas mit der Vergewaltigungsserie zu tun, die ein Jahr zuvor die Medien dominiert hat? Ist ihr Mann gar der Vergewaltiger? Nicole ist verwirrt, weiß nicht, was sie tun soll. Also kontaktiert sie Korell, will ihr von ihrem Fund erzählen – die neue Anstaltsärztin wird ja etwas herausfinden können. Aber die weist sie brüsk zurück, will mit der Sache nichts zu tun haben – doch plötzlich verschwindet Nicole spurlos … Weiterlesen

[Vorschau #14] Anna Simons – Verborgen, Patrick Burow – Tödlicher Irrtum, Tammy Cohen – Heute wirst du sterben, Michael Robotham – Die andere Frau, Brad Parks – Ich vernichte dich, Robert Harris – München

Der Bücherstapel steht hier und wartet darauf, abgearbeitet zu werden. Folgende Bücher werden in den nächsten Wochen in Form einer Rezension auf dem Krimisofa veröffentlicht. Die Klappentexte habe ich schamlos von den Seiten der Verlagsgruppen Random House, Fischer, sowie vom Amazon-eigenen Verlag Edition M, ;geklaut 😉
Die Reihenfolge ist nicht endgültig, aber in der Regel wie hier dargestellt.. Die Rezensionstermine sind nur voraussichtlich – Änderungen vorbehalten.  Weiterlesen

[REZENSION] Andreas Gruber – Todesmärchen

tdsmrchnIn Bern wird eine Frau nackt an den Haaren an einer Brücke aufgehängt, in ihrer Haut eine Zahl eingeritzt. Rudolf Horowitz ruft sofort Maarten S. Sneijder, der mit Sabine Nemez anreist. Das Muster erinnert frappant an einen Serienmörder, den Sneijder vor fünf Jahren gemeinsam mit Horowitz gefasst hat.
Indessen hat sich Hannah Norland erfolgreich für ein Praktikum auf der Gefängnisinsel Osthevensand beworben und stößt auf gefängnisinterne Machenschaften, die sie atemlos zurücklassen – offenbar werden die „Klienten“, wie die Insassen genannt werden, systematisch gefoltert … Weiterlesen