[Rezension] Wendy Walker: Die Nacht zuvor

Rosie und Laura sind so verschieden, wie zwei Schwestern nur sein können. Doch sie haben sich ihr Leben lang aufeinander verlassen können. Als Laura nach einem Blind Date spurlos verschwindet, setzt Rosie alles daran, sie zu finden. Irgendetwas muss bei diesem Date furchtbar schiefgegangen sein. Ist Laura in Gefahr – oder auf der Flucht, weil sie selbst etwas Schreckliches getan hat? Denn Laura stand schon einmal unter Verdacht, einen Mord begangen zu haben. Damals fand man keine Beweise gegen sie. Aber die Zweifel blieben. Auch bei Rosie. (Offizieller Klappentext)


Endlich ein neues Buch von Wendy Walker, die mich mit „Kalte Seele. Dunkles Herz:“ schier umgehauen hat. Drei Jahre hab ich nun gewartet, hab immer wieder geschaut, ob ein neues Buch von ihr kommt, wann es kommt. Und jetzt ist es da. Den Klappentext habe ich gar nicht gelesen, war mir egal, denn ich habe ein Urvertrauen in Wendy Walker – und das zurecht.

Laura wohnt seit einigen Wochen bei ihrer Schwester Rosie, deren Sohn Mason sie nur Lala nennt. Tante Lala. Laura ist aus New York geflüchtet, hat alle Zelte abgerissen, ihren Job als Analystin aufgegeben. Grund war ihr Freund, den sie nur Arschloch nennt, oder A-Loch, wenn Mason in der Nähe ist. Sie scheint immer an die falschen Männer zu geraten, vor elf Jahre – da war sie 17 – lag ihr Freund plötzlich tot neben ihr. Mit einem Baseball-Schläger erschlagen. Was passiert ist, wer der Täter war, weiß sie nicht – vielleicht war es sogar sie? Nun hat sie ein Date. Mit Jonathan Fields. Als Analystin analysiert sie naturgemäß nicht nur Daten, sondern auch Menschen. Nicht gut. Gar nicht gut. Denn als Laura am nächsten Morgen noch nicht wieder Daheim ist, macht sich ihre Schwester Sorgen.

Ich habe mich durchaus mit Laura identifizieren können, ich glaube, jeder kann das, denn Menschen zu durchschauen ist schwierig. Können wir Menschen vertrauen, selbst wenn man sie jahrelang kennt? Und wenn ja, können wir uns wirklich sicher sein? Vor allem Jonathan Fields war mir unheimlich, es scheint fast so, als könnte er Lauras Gedanken lesen, als würde er Lauras Vergangenheit bereits kennen. Dabei ist er selbst so geheimnisvoll. Alleine damit baut Walker eine Atmosphäre und Spannung auf, die es wert sind, das Buch zu lesen.

Aber auch Rosie bekommt Platz in dem Buch, ihre Kapitel wechseln sich mit denen Lauras ab, dazwischen erleben wir Laura in sehr kurzen Kapitel bei ihrem Psychiater Dr. Brody. Die Kapitel lesen sich wie ein Theaterstück. Rosie ist natürlich verzweifelt, will wissen, wo Laura ist, sucht sie, schaltet die Polizei ein, sucht weiter. Was, wenn ihr etwas zugestoßen ist – oder wenn sie wem etwas angetan hat? Ungewissheit ist grauenhaft.

Und so galoppieren wir durch diesen packenden Psychothriller, denn wir wollen ja selber wissen, was da los ist, was vor elf Jahren passiert ist, wer Jonathan Fields – den Laura in ihren Gedanken übrigens durchgängig beim Vor- und Zunamen nennt – ist, und was da jetzt los ist. Um am Ende zu merken, dass das Buch viel zu schnell ausgelesen ist.

Daten zum Buch 

Autor: Wendy Walker
Titel: Die Nacht zuvor
Originaltitel: The Night Before
Übersetzung: Susanne Goga-Klinkenberg
Seiten: 336
Kapitel: 56
Erschienen am: 18. September 2020
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423262538
Preis Print: 15,90 Euro
Preis Digital: 12,99 Euro
(Preise können abweichen)

[Rezension] Greer Hendricks / Sarah Pekkanen: Die Frau ohne Namen

Jessica schminkt gerade zwei Mädels, die heute Abend noch Party machen wollen, als die zwei von einer Studie sprechen, die eine von ihnen besuchen soll. Doch sie wird dort nicht erscheinen, weil wer kann schon um 8 in der Früh zu irgendeinem Termin, wenn er die Nacht zuvor Party gemacht hat? Dass sie dafür 500 Dollar bekommt, ist der einen egal – nicht so Jessica, die das Geld gut gebrauchen kann. Also abgewartet bis beide im Badezimmer sind, ins Handy der einen gespäht und – zack – am nächsten Tag 500 Dollar eingesackt. Aber kann es so einfach sein? Zunächst schon, denn aus der scheinbar anonymen Fragestunde am PC wird eine Befragung von Angesicht zu Angesicht – und sogar dabei klingelt Jessicas Kasse. Irgendwann muss Jessica einen Test machen – fast schon eine Mutprobe –, bei dem sie einen verheirateten Mann ansprechen und mit ihm flirten soll. Hier beginnt Jessica zu hinterfragen, wie weit diese Studie geht – und ob es überhaupt noch zur Studie gehört …


Das Duo Hendricks/Pekkanen hat sich mit ihrem Debüt „The Wife Between Us“ direkt auf meine imaginäre must-read-Liste geschrieben, was bedeutet, dass ich jedes Buch von ihnen blind kaufen würde. Dieses spannende Buch mit dem WTF-Moment am Ende des ersten Teils wird mir vermutlich immer in guter Erinnerung bleiben. Letztens kam der von mir lange erwartete zweite Thriller mit einem Thema, das es in sich hat.

Jessica ist Ende 20, Kosmetikerin und konstant knapp bei Kasse. Für eine Schminkeinheit bekommt sie 50 Dollar, was an sich nicht wenig ist – wenn man in New York lebt und die Lebenshaltungskosten berücksichtigt, kann man sich aber vermutlich nicht mehr leisten, als ein Apartment, in dem sich überspitzt formuliert innerhalb eines Radius von einem Meter Küche und Klo befinden. Jessica schleicht sich in eine Studie ein, für die sie einmalig 500 Dollar bekommt. Die Studie befasst sich mit Ethik und Moral, wo wir recht schnell zur Frage „Was würdest du alles für Geld tun?“ kommen – und Geld braucht Jessica dringend. Nicht nur für sich, sondern auch für ihre Familie. Sie ist ein gefundenes Fressen für Dr. Shields, jene Psychiaterin, die die Studie betreut.

Es lässt tief blicken, wenn man liest, wie sich Jessica in die Studie von Dr. Shields einschleicht. Solch Chuzpe würden wohl die wenigsten an den Tag legen. Aber sie benötigt das Geld, denn ihre Familie droht, um ihren alljährlichen Florida-Urlaub umzufallen, da ihr Vater gerade seinen Job verloren hat. Und Leo, Jessicas Hund, muss auch versorgt werden – wobei man schon hinterfragen kann, warum man sich in einer Stadt wie New York einen Hund anschafft, noch dazu, wenn man in einer Schuhschachtel wohnt.

Man ist ziemlich schnell in der Geschichte drin, mich hatte sie tatsächlich innerhalb weniger Seiten. Und von einer Studie landen wir innerhalb kürzester Zeit in einer Therapiestunde, denn man merkt, wie sehr Jessica einen Menschen gesucht hat, dem sie sich öffnen kann – denn nicht wenige Dinge belasten die junge Frau mit Hang zu One-Night-Stands.

Neben der Kapitel, die aus der Sicht Jessicas erzählen, erleben wir auch die Sicht von Dr. Shields, die eine Koryphäe auf ihrem Gebiet zu sein scheint – zumindest drückt das ihr Reichtum aus, den sie zweifelsohne hat. Die Studie wird irgendwann eher nicht mehr mit Forschungsgeldern bezahlt, denn sie dient höchst-privaten Zwecken. Dr. Shields‘ Erzählstrang nimmt eher eine Beobachterrolle ein. Die Psychiaterin erzählt in ihren Kapitel aus der Du-Perspektive und meint mit Du ihre Klientin Jessica – zeitweilig erzählt sie aber auch aus der ersten Person, was sich aber keineswegs mit dem Strang Jessicas beißt, der ebenfalls aus der Ich-Perspektive erzählt. Die Schreibstile der beiden unterscheiden sich grundlegend und es wirkt fast so, als hätten die Autorinnen diese den Milieus der beiden Charaktere angepasst.

Dieser Psychothriller macht Spaß, ist spannend und zu einem guten Teil auch atmosphärisch. Die beiden Hauptcharaktere sind interessant und man will mehr über sie erfahren. Was der Spannung etwas abträglich ist, ist die Tatsache, das relativ schnell klar ist, wer hier welche Rolle einnimmt, auch jeglicher größere Plot-Twist bleibt aus – von solchen wie in „The Wife Between Us“ ganz zu schweigen. Am Ende wartet nicht nur eine, nicht nur zwei, sondern gleich drei Danksagungen. Wer danach noch mehr von Hendricks und Pekkanen lesen will, kann in den Vorgänger reinlesen.

Daten zum Buch 

Autor: Greer Hendricks & Sarah Pekkanen
Titel: Die Frau ohne Namen
Originaltitel: An Anonymous Girl
Übersetzung: Alice Jakubeit
Seiten: 465
Kapitel: 69 (+ Epilog)
Erschienen am: 24. März 2020
Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3499001444
Preis Print: 16 Euro
Preis Digital: 9,99 Euro
(Preise können abweichen)

[Rezension] John Katzenbach: Der Verfolger (Frederick Starks – Band #2)

Manchmal wiederholt sich Geschichte, fragt nach beim Psychoanalytiker Frederick Starks. Vor fünf Jahren hat er Mr R oder Rumpelstilzchen oder Zimmerman – sucht euch einen Namen aus – getötet und nun steht Mr Rs scheinbares Phantom in seiner Praxis, hält ihm eine Pistole an die Brust und zeigt ihm ein Video. Darin sieht er eine Altbekannte: die Schauspielerin und Schwester von Mr R auf einer Theaterbühne. Plötzlich wird ihr souffliert „Töte deinen Bruder“. Mr Rs Bruder, den Ricky Starks nur unter dem Namen Merlin kennt, soll getötet werden. Von wem auch immer, von Ricky oder dem Mörder aus dem Video; wenn sich Merlin selbst richtet, ist es auch okay. Das kann Starks eigentlich nur recht sein, nachdem, was sie, Merlin und seine Schwester, ihm vor fünf Jahren angetan haben. Doch er soll den zukünftigen Mörder finden und töten, andererseits wird Ricky getötet … 

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[Rezension] JP Delaney: Believe Me – SPIEL DEIN SPIEL. ICH SPIEL ES BESSER.

Claire ist 25 und kommt aus Großbritannien, lebt aber in New York. Da sie keine Greencard hat, darf sie auch nicht arbeiten – eigentlich. Doch über eine Anwaltskanzlei hat sie doch Arbeit gefunden. Und so spricht sie in Bars Männer an und gibt sich als Prostituierte aus, um sie zu verführen und sie des Ehebruchs zu bezichtigen. Das kommt ihr zupass, denn Claire wollte schon immer Schauspielerin werden. Als Beweis nimmt sie alles mit einer Kamera auf, die sich in ihrer Handtasche befindet – nur nicht den sexuellen Akt, denn der findet gar nicht statt. Nun soll sie Patrick Fogler um den Finger wickeln, scheitert aber daran – in der selben Nacht wird seine Frau tot aufgefunden und Patrick ist der Hauptverdächtige. Allerdings hat die Polizei nichts gegen ihn in der Hand, weshalb sie eine Operation startet – in der Claire die Rolle ihres Lebens bekommt… Weiterlesen

[Rezension] Riley Sager: Final Girls

Sie ist ein Final Girl, eine Überlebende. Sie hat das Massaker von Pine Cottage überlebt – als einzige. Heute bäckt sie, denn backen ist Therapie, das ist eine von vielen Regeln, die sie auf ihrem Blog stehen hat. Quincy heißt sie und sie blickt nicht zurück, sie hat das Trauma überwunden – bis Sam auftaucht. Samantha Boyd ist ebenfalls ein Final Girl und ist die letzten Jahre untergetaucht, ist umhergezogen, war da und dort, ohne festem Wohnsitz und ohne viel Geld – wenn überhaupt. Nicht selten gibt sie sich selbst einen Fünffinger-Rabatt und lässt das ein oder andere Kleidungsstück oder anderes Zeug mitgehen, das sie will oder braucht. Nun steht sie vor Quincys Haus. Einfach so. Und weckt in ihr Erinnerungen, die Quincy nie wieder sehen wollte …  Weiterlesen

[Rezension] Greer Hendricks/Sarah Pekkanen: The Wife Between Us – Wer ist sie wirklich?

Nellie ist glücklich. Sie arbeitet als Erzieherin und kellnert nebenbei – ihr Leben ist erfüllt. Doch bald wird es noch besser, denn sie hat mit Richard den perfekten Mann gefunden – sportlich, beruflich erfolgreich und finanziell wohlhabend. Er hat ihr ein Haus in einem Vorort von New York gekauft und bald wird sie nicht mehr arbeiten müssen, denn bald wird sie ihn heiraten.
Doch da gibt es wen, der das verhindern will – Vanessa. Sie ist die Ex-Frau von Richard, sie hat alles verloren durch die Scheidung, musste zu ihrer Tante ziehen und ist kurz davor, ihren Job zu verlieren. Doch das ist ihr egal, denn alles was sie will, ist, diese Hochzeit zu verhindern – koste es, was es wolle … Weiterlesen

[Rezension] Guillaume Musso: Das Mädchen aus Brooklyn

Raphaël will in wenigen Wochen seine große Liebe Anna heiraten. Als die beiden in einem Restaurant sitzen, fragt er sie, ob sie Geheimnisse habe – „Jeder hat Geheimnisse“ antwortet Anna, doch Raphaël will es wissen, will alles über Anna wissen. Als sie ihm ihr größtes Geheimnis mit einem Foto und „das habe ich getan“ zeigt, ist er fassungslos und verschwindet für eine Stunde; als er zurückkommt, ist Anna spurlos verschwunden. Was hat Raphaël angerichtet? Warum wollte er alles über sie wissen? Und was hat ihr Verschwinden mit den drei verkohlten Leichen zu tun, die sie ihm gezeigt hat? Er macht sich auf die Suche nach ihr und erfährt noch viel mehr über Annas Vergangenheit – mehr als er jemals wissen wollte … Weiterlesen

[Rezension] Harlan Coben: In ewiger Schuld

Maya war Pilotin, bis ein Whistleblower einen Angriff aufdeckte, der nicht hätte stattfinden dürfen und sie unehrenhaft aus der Army ausschied – heute gibt sie Flugstunden. In den letzten Monaten ereilten sie gleich zwei Schicksalsschläge – ihre Schwester Claire wurde vor vier Monaten, ihr Mann Joe erst kürzlich erschossen. Doch als sie Joe Tage nach seiner Beerdigung auf einem Video ihrer Nanny-Cam mit ihrer Tochter Lily sieht, traut sie ihren Augen nicht. Das Kindermädchen Isabella will ihn auf dem Video nicht sehen und bezichtigt Maya des Wahnsinns – sah sie wirklich ein Gespenst oder lebt ihr Mann noch? Sie beginnt zu ermitteln … Weiterlesen

[Rezension] Carol O’Connell: Es geschah im Dunkeln

Broadway, New York. Ein Theaterstück soll über die Bühne gehen, doch es kommt nicht über den ersten Akt hinaus, denn da sterben regelmäßig Menschen. Das geschah nicht nur bei der Premiere, sondern auch am Tag danach, und dem Tag danach. Drei Tote an drei Tagen, an derselben Stelle des Stückes – das kann kein Zufall sein. Doch, sagen die Gerichtsmediziner; das Erste war ein Herzinfarkt, das Zweite Selbstmord und das Dritte eine Überdosis an Drogen. Aber Kathy Mallory und ihr Partner Riker glauben nicht daran und stoßen bei den Ermittlungen auf ein Massaker, das vor zehn Jahren in Nebraska stattfand – das Theaterstück stellt genau dieses nach … Weiterlesen

[Rezension] Harlan Coben – Kein Sterbenswort

Der Kinderarzt David Beck und seine Frau Elisabeth kennen sich, seit sie Kinder waren. Als beide zwölf Jahre alt waren und sich zum ersten Mal küssten, begannen sie ein Ritual, das sich jedes Jahr wiederholte – sie fuhren zu einem See und ritzten einen Jahresstrich in einen Baum. Als beide 25 waren, wiederholte es sich zum dreizehnten Mal – ein Menetekel, wie sich zeigen sollte. Elisabeth wurde entführt und ermordet. Acht Jahre später wird der Fall neu aufgerollt – und Beck zum Tatverdächtigen … Weiterlesen