[Rezension] Jenny Blackhurst: Das Gift deiner Lügen

Im englischen Villenviertel Severn Oaks fühlen sich die Menschen sicher. Wäre da nicht der rätselhafte Tod von Erica Spencer, einer allseits geschätzten Nachbarin, die letzten Herbst bei einer Halloweenparty ums Leben kam. Ein Jahr später ist der Fall längst als tragischer Unfall zu den Akten gelegt, als ein rätselhafter Podcast die Runde macht: Der Mord an Erica Spencer. Wöchentlich postet ein anonymer Absender neue Folgen seiner makabren Sendung, in der er hinter die scheinbar makellosen Fassaden des Ortes blickt und so manches dunkle Geheimnis seiner Bewohner enthüllt. Seine Absicht: Er will den Mörder von Erica entlarven – und ruft ihn damit erneut auf den Plan …(Offizieller Klappentext)


Wir befinden uns also in der exklusiven Villensiedlung im fiktiven Severn Oaks, das sich in der nicht so fiktiven Grafschaft Cheshire in England befindet. Das hat ja schon etwas sehr Exponiertes. Zwölf Häuser befinden sich dort. Wie man da reinkommt? Weiß man nicht. Was es dort sonst noch gibt – Supermarkt, Wald, Kühe –, keine Angabe. Dennoch hat dieses Setting, das mich ein bisschen an „Desperate Housewives“ erinnert, etwas für sich.

Und auch die Idee von „Das Gift deiner Lügen“ ist durchaus okay. Podcasts sind auf der Höhe der Zeit, True-Crime-Podcasts sowieso, Social Media spielt eine Rolle, und reiche Menschen sind ohnehin zu jeder Zeit das personifizierte Böse; aber die Umsetzung – puh. Nicht nur, dass ich die eindimensionalen Charaktere so gut wie gar nicht auseinanderhalten konnte – bis auf Karla waren die für mich alle gleich –, es ist auch noch sterbenslangweilig. Gut, dass die Kapitel so kurz sind, das motiviert mich eher zum Weiterlesen, sonst hätte ich das Buch vermutlich abgebrochen. Man kann nicht mal sagen, wer die Hauptperson ist – klar, die tote Erica, und am Anfang dachte ich, dass sie vielleicht gar nicht tot ist, und am Ende war ich mir auch nicht sicher, aber es stellt sich dann doch recht bald heraus, dass sie vermutlich tot ist. Aber sonst ist der Hauptcharakter eher das Kollektiv der sechs vom Podcast verdächtigten Bewohner von Severn Oaks, von denen einer bei der Helloweenparty vor einem Jahr die lebenslustige und hiesige Heldin Erica aus einem Baumhaus aus fünf Metern Höhe gestoßen haben soll.

Karla konnte ich von den anderen fünf noch am ehesten unterscheiden, sie wird meiner Meinung nach am besten eingeführt, aber ich konnte zum Beispiel lange nicht Felicity von der – bis zum Ende für mich komplett farblosen – Miranda unterscheiden. Und mit den Männern fange ich erst gar nicht an. Es hätten auch 36 statt sechs Charaktere sein können – es wäre nicht viel unübersichtlicher gewesen.

Was ich gut gefunden hätte, wäre entweder die Sicht des Täters, oder – noch besser – die der abgängigen Mary-Beth. Oder generell nur eine Sicht, am besten in der ersten Person. Aber so kann das Buch leider nicht an „Mein Herz so schwarz“ anschließen, und kommt nicht mal an „Die stille Kammer“ ran.

Daten zum Buch 

Autor: Jenny Blackhurst
Titel: Das Gift deiner Lügen
Originaltitel: Someone Is Lying
Übersetzung: ?
Seiten: 368
Kapitel: 80 (+ Epilog)
Erschienen am: 30. September 2020
Verlag: Lübbe
ISBN: 978-3-404-17995-4
Preis Print: 11 Euro
Preis Digital: 8,99 Euro
(Preise können abweichen)

 

Rezensionsexemplar

[Podcast-Sofa #2] Die True-Crime-Podcast-Ecke – heute mit: Mordlust

Meine zweite große Leidenschaft neben Bücher sind Podcasts, und letztens ist mir aufgefallen, dass ich ziemlich viele True-Crime-Podcasts abonniert habe oder in der Vergangenheit abonniert hatte. Und da dachte ich mir, ich mache eine neue Kategorie auf und stelle Euch immer mal wieder einen Podcast vor – willkommen auf dem Podcast-Sofa. Heute auf dem Podcast-Sofa: Mordlust.


 

Mordlust“ ist ein Podcast von Funk. Funk ist das junge Angebot der öffentlich-rechtlichen Sender Deutschlands. Präsentiert wird der Podcast von Laura Wohlers und Paulina Krasa, die in jeder Episode jeweils einen Kriminalfall vorstellen. Die Laufzeit der Folgen, die alle zwei Wochen immer mittwochs erscheinen, belaufen sich bei rund 1,5 Stunden. Eingeleitet wird der Podcast von einem nicht unumstrittenen Intro, bei dem eine Frau einfach nur „Mordlust“ ins Mikro haucht. Auch in der „hauseigenen“ Facebook-Gruppe wurde dies breit diskutiert.

Das Asset des Podcasts ist nicht nur, dass er – aufgrund des öffentlich-rechtlichen Status – werbefrei ist, sondern auch, dass es direkte Reaktionen der Moderatorinnen gibt, da beide den jeweils anderen Fall nicht kennen – da kann es schon passieren, dass plötzlich Tränen fließen oder ein fassungsloses „Ach Quatsch“ dazwischen gerufen wird.

Es kommt auch vor, dass zwischendurch gelacht wird, da beide Moderatorinnen laut eigenen Aussagen einen morbiden Humor haben. Das ist aber nie despektierlich gemeint, sondern eher ein „comic relief“, wie zu Beginn einer jeder Folge betont wird – dass man das Wortkonstrukt, das seinen Ursprung in der Filmbranche bzw. der Literatur hat, in einem öffentlich-rechtlichen Medium kurz erklärt, hält man nicht für nötig. Nach dem Motto „Google ist doch gleich ums Eck“.

Und dann findet der Bildungsauftrag doch noch seinen Platz – nämlich beim Aha! Das Aha! ist eine Kategorie, die gewisse Themen näher erläutert. Dazu ziehen die zwei auch gerne Experten zurate, die durch Audiomitschnitte in den Podcast eingepflegt werden.

„Mordlust“ war tatsächlich mein erster True-Crime-Podcast, vor allem, weil es damals außer „Zeit Verbrechen“ im deutschsprachigen Raum nichts gab. Mittlerweile höre ich diesen Podcast nicht mehr, weil es Tonnen besserer True-Crime-Podcast gibt. Unter anderem störe ich mich an dem Geltungsdrang der beiden, was beim Titelbild des Podcasts beginnt (siehe oben bzw. unten) – mir ist es nämlich völlig wurscht, wie die Menschen aussehen, die einen Podcast machen. Hauptsache, die Qualität stimmt. Aber auch, weil mir die Folgen zu lange sind. Eine Stunde ist für mich bei True-Crime-Podcast so ziemlich die Obergrenze.

Den Podcast kann man definitiv hören – und wer nichts gegen ein zweifelhaftes Demokratieverständnis hat (siehe Link oben), sollte sich auch an der Facebook-Gruppe beteiligen (großteils geht es dort gesittet zu).

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[Rezension] Vincent Kliesch / Sebastian Fitzek: Auris (Jula und Hegel – Band #1)

Matthias Hegel ist forensischer Phonetiker. Er hat das absolute Gehör und hört Dinge, die sonst keiner hört. Er hört Unsicherheit in Stimmen, Nervosität und Angst. Hegel arbeitet deshalb für die Polizei und kommt zum Beispiel bei Geiselnahmen zum Einsatz. Zumindest tat er das bis vor einem Jahr, denn heute sitzt Hegel in Haft. Er hat eine Obdachlose unnötig brutal ermordet und sich danach selbst gestellt. Aber ist er wirklich schuldig? Diese Frage geht Jula nach. Jula arbeitet beim Radio und betreibt privat einen True-Crime-Podcast, spricht dort also über reale Kriminalfälle – so auch über Hegels Fall, denn sie glaubt an seine Unschuld. Nun hat sie einen heißen Tipp bekommen. Eine neue Spur, um seine Unschuld zu beweisen. Doch dann bekommt sie einen Drohanruf, dass sie die Finger von dem Fall lassen soll. Als sie das nicht tut, wird ihr geschätzter Halbbruder Elyas entführt. Nun ist Jula in einer Bredouille … Weiterlesen