[Kurzrezension] Chris Carter: Der Kruzifix-Killer (Hunter-Garcia-Reihe – Band #1)

Los Angeles: Die Leiche einer wunderschönen Frau wird gefunden, zu Tode gequält und bestialisch verstümmelt. Keinerlei Spuren. Bis auf ein in den Nacken geritztes Kreuz, ein Teufelsmal: das Erkennungszeichen eines hingerichteten Serienmörders. Detective und Profiler Robert Hunter wird schnell klar, dass der Kruzifix-Killer lebt. Er mordet auf spektakuläre Weise weiter. Und er ist Hunter immer einen Schritt voraus – denn er kennt ihn gut. Zu gut. Lernen Sie auch das Hörbuch zu diesem Titel kennen! (offizieller Klappentext, © Ullstein)


Nachdem ich den zehnten Teil der Hunter-Garcia-Reihe letztes Jahr gelesen habe, konnte ich die Faszination der Leute verstehen – jetzt, nachdem ich den ersten Teil gelesen habe, kann ich das nicht so ganz.

Carter packt zweifelsohne jede Menge Kreativität in die Morde – und spannend ist das Ganze obendrein –, aber das tat ein Mankell bei seinem Wallander auch schon. Robert Hunter ist ein Verschnitt von Sherlock Holmes, mit einem Hang zum Reaktionären und Chauvinistischen, der Garcia paternalistisch behandelt („Grünschnabel“). Alles andere als sympathisch also. Hätte ich die Reihe mit diesem Teil begonnen, weiß ich nicht, ob ich einen Weiteren gelesen hätte. Aber bei „Jagd auf die Bestie“ hat sich Hunter zum Glück schon weiterentwickelt. Und auch wenn ich mir die Auflösung des Falles logisch nicht ganz erklären konnte, fand ich die psychologische Komponente durchaus interessant.

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Kurzrezensionen sind Rezension, die im Vorfeld eigentlich nicht geplant waren und für die keine Notizen angelegt wurden. Sie entstehen aus dem Stegreif, wenn mir etwas unter den Nägeln brennt.
Daten zum Buch 

Autor: Chris Carter
Titel: Der Kruzifix-Killer
Originaltitel: The Crucifix Killer
Übersetzung: Maja Rößner
Seiten: 480
Kapitel: 70
Erschienen am: 15. Juni 2009
Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3548281094
Preis Print: 10,90 Euro
Preis Digital: 2,99 Euro
(Preise können abweichen)

[Rezension] Alex Beer: Das schwarze Band (August Emmerich – Band #4)

In Wien werden drei Frauen ermordet. Drei Prostituierte. August Emmerich wird gemeinsam mit seinem Kompagnon Ferdinand Winter auf diesen Fall angesetzt. Bevor sie den Mörder suchen, stehen sie aber vor einem anderen Rätsel: Es sollten eigentlich drei Leichen sein – doch in der Wohnung finden sich nur zwei. Wo ist die Dritte? Oder gibt es gar keine dritte, sondern hat das leichte Mädchen ihre zwei Freundinnen getötet? Die Hitze, die im Wien von 1921 herrscht, hilft beim Nachdenken auch nicht weiter, und die rasant steigende Inflation erschwert die Ermittlungen ebenfalls. Dazu ist Emmerich immer noch dabei, seine Mutter zu finden, die ihn nach seiner Geburt vor ein Waisenhaus gelegt hat – eine Informantin hat ihm gesteckt, dass sie sie kennt, doch bevor sie die Information rausrückt, will sie Geld. Geld, das Emmerich nicht hat. Doch den Fall darf er auch nicht ermitteln, denn nachdem er den österreichischen Bundeskanzler beleidigt hat, wird er zu einer Disziplinarschulung verdonnert. Jetzt ist der blaublütige Ferdinand Winter auf sich alleine gestellt, doch die zwei Leichen sind nur die Spitze des Eisberges – die Republik ist in Gefahr…


Endlich der neue Emmerich, eine Reihe, auf die ich vor mittlerweile drei Jahren gestoßen bin. Der Name Alex Beer sagte mir damals gar nichts, obwohl zu der Zeit, zu der ich mir das Buch besorgt habe – wenige Wochen vor Release des zweiten Teils – „Der zweite Reiter“ längst ein Bestseller war, Beer eine gefeierte Autorin. Aber ich bin auch alles andere als ein Literatur-Connaisseur. Vom Feuilleton fange ich erst gar nicht an. Die Reihe – das hier ist der vierte Teil – hatte seine Höhen und Tiefen, „Das schwarze Band“ zählt eher zu den Höhen. Vor allem weil sich Beer diesmal einen besonderen wie überraschenden Kniff einfallen hat lassen.

August Emmerich kennen wir als badass Ermittler, der sich nichts scheißt und für den Regeln da sind, um gebrochen zu werden. Nachdem im vorigen Teil – Achtung, Spoiler – seine Frau Luise getötet wurde, ist er jetzt alleinerziehender Vater von drei Kindern. Das geht sich schwer aus, wenn man ganzen Tag auf Verbrecherjagd ist – und finanziell außerdem. Gerade wurde der Preis der Pferdetaxis über Nacht versechzigfacht – stellt euch das mal vor. Da geh ich lieber zu Fuß. Und Frau Seidl, mit der Emmerich zusammenwohnt, weil er keine Wohnung findet, hat auch keine Lust mehr, auf die Blagen aufzupassen, schon gar nicht, wenn sie ihre Erbstücke zerdeppern. Jetzt muss sie aber, denn Emmerich wurde zu einer zehntägigen Disziplinarschulung verdonnert, weil er Bundeskanzler Schober bei seinem Abschied als Polizeipräsident in aller Öffentlichkeit desavouiert hat. Jetzt muss Ferdinand Winter den Fall alleine lösen – ob das gut geht?

Tatsächlich teilt Beer „Das schwarze Band“ in zwei Handlungsstränge auf, in die von Emmerich, der die Schulung absolviert und in den vom blaublütigen Ferdinand Winter. Als Kenner der Reihe war ich skeptisch, vor allem was Winters Strang betrifft, denn der ist im Gegensatz zum goscherten Emmerich noch grün hinter den Ohren – und prüde obendrein. Nicht gut, wenn die erste Anlaufstelle in der Ermittlung ein Freudenhaus ist. Aber Beer hat das gut gelöst und entwickelt den Charakter Winters um ein Hauseck weiter. Vielleicht sind er und Emmerich ja irgendwann auf Augenhöhe – ich persönlich hoffe das nicht, denn Winter finde ich mit seiner naiven Art liebenswert. Und mit Emmerich kann man sicher gut um die Häuser ziehen; der zeigt dir bestimmt Ecken in Wien, die ich nicht mal vom Hörensagen kenne (und ich wohne in Wien).

Auch wieder recht präsent ist der Wiener Dialekt, da liest man Wörter wie Kieberer (Polizisten) und Futen (das dürft ihr selbst googeln). Das rechne ich Beer hoch an, denn das war nicht immer so. Das verleiht dem Buch eine hohe Authentizität, die ein Buch, das den Geist des Wien von 1921 atmet, auch benötigt. Neben der Authentizität, bekommt man auch Wissen präsentiert, zum Beispiel jenes um Westungarn, worum sich ein Machtkampf zwischen dem ehemaligen Kaiserreich Österreich-Ungarn entbrennt. Richtig interessant.

Interessanter hätte ich es allerdings auch gefunden, wenn die Rätsel, die im Buch vorkommen, nicht im Nullkommanix gelöst werden. Ich erwarte zwar keine Dan Brown‘eske Schnitzeljagd durch ganz Wien, aber die Protagonisten dürften schon ein paar Seiten daran knabbern, und nicht das Lösen andere erledigen lassen.

Am Ende wartet ein Gänsehautmoment aller erster Güte. Hierzu empfehle ich aber, die ganze Reihe von Anfang an zu lesen, damit dieser zum Tragen kommt.

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Daten zum Buch 

Autor: Alex Beer
Titel: Das schwarze Band
Seiten: 352
Kapitel: 44
Erschienen am: 25. Mai 2020
Verlag: Limes
ISBN: 978-3809027201
Preis Print: 20,56 Euro
Preis Digital: 15,99 Euro
(Preise können abweichen)

[Rezension] Rhena Weiss: Der Kreis des Bösen (Michaela Baltzer – Band #3)

Michaela Baltzer freut sich, endlich mal einen einfachen Fall zu übernehmen, denn ein Prostituiertenmord klingt wesentlich einfacher als der Gottesurteil-Fall, in dem eine wildgewordene Frau wahllos Männer tötet. Als ein zweiter und dritter Toter gefunden wird, kommt Baltzer aus den Gleichgewicht – die Fälle gehören nämlich alle zusammen. Dass Doris, die im Pflegeurlaub ist, durch einen blutigen Anfänger ersetzt wird und Valerie von ihr ausgezogen ist, macht die Sache nicht unbedingt besser. Also wieder ein Serienmörder, na gut. Aber lange tritt sie mit ihrem Team auf der Stelle, die Opfer wurden offensichtlich willkürlich ausgewählt und der hausinterne Psychologe Bernd ist gerade auf Reha am anderen Ende Österreichs. Eine knifflige Situation, in der Baltzer irgendwann selber ins Visier des Täters gerät …  Weiterlesen