[Rezension] Peter James: Der absolute Beweis

Die Stimme des Anrufers klang gehetzt, ganz offensichtlich hatte der Mann Todesangst. »Ich versichere Ihnen, ich bin nicht verrückt, Mr. Hunter. Mein Name ist Dr. Harry F. Cook. Ich weiß, dass sich das jetzt verwirrend anhören muss, aber ich habe den 100-prozentigen Beweis für die Existenz Gottes erhalten«.

Fast hätte Investigativ-Reporter Ross Hunter den Anruf nicht entgegen genommen, der so nachhaltig sein Leben verändern sollte. Doch die Stimme von Dr. Harry F. Cook war so eindringlich, dass er sich ihr nicht entziehen konnte. Der Wissenschaftler behauptete, er habe den eindeutigen Beweis für die Existenz Gottes gefunden. Und Ross Hunter sei ein seriöser Reporter, der seine Botschaft in die Welt tragen sollte.
Doch wie würden die Konsequenzen aussehen? Was würde der Vatikan dazu sagen? Die Moslems? Die Hindus? Aber auch für die Atheisten hätte das enorme Konsequenzen, ganz zu schweigen von den Evangelikalen, den Predigern, deren Heilsversprechen ihnen großen Reichtum bescherten. Als Ross Hunter weiter recherchiert, wird ihm schnell klar, dass es einige Menschen gibt, die die Existenz Gottes nicht bewiesen haben möchten und deshalb auch vor Mord nicht zurückschrecken, Harry F. Cook war nur der Erste… (Offizieller Klappentext)


„Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“ Die Gretchenfrage aus Goethes „Faust“ beschäftigt die Menschheit seit Jahrhunderten – was mich betrifft: Ich glaube nicht an Gott und bin vor elf Jahren aus der Kirche ausgetreten. Dennoch finde ich Religion faszinierend. Ich wurde durch Dan Browns „Sakrileg“ gewissermaßen „thrillerfiziert“, seitdem hat der Vatikan mit seinem Zensuswahlrecht, bei dem unter seinesgleichen ausgemacht wird, wer der neue Papst wird und den die Glaubensgemeinschaft gefälligst zu akzeptieren hat, obwohl sie weiß Gott (!) wie viele Millionen in die katholische Kirche buttert, etwas Faszinierendes für mich. Deshalb habe ich zum neuesten Buch von Peter James gegriffen und wurde nicht enttäuscht – aber auch nicht ganz zufrieden gestellt.

Ross Hunter ist Investigativjournalist, der zu Beginn des Buches nichts ahnend ins Fitnesscenter geht und kurz darauf zusammenbricht, ohne zu wissen, warum – gut, möglicherweise liegt es daran, dass er sich am Abend zuvor wie jede Woche mit seinen Kollegen nach der Arbeit bei der Zeitung „Argus“ das Hirn hinausgesoffen hat. Aber er glaubt etwas anderes, denn kurz darauf erfährt er, dass sein Zwillingsbruder – den er nie leiden konnte – bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Das ist der Aufhänger des Buches, denn kurz darauf ruft Dr. Harry F. Cook bei Ross an und teilt ihm mit, dass er den namensgebenden absoluten Beweis für die Existenz Gottes habe – ein fundamentalistischer Spinner, der in seiner Pension zu viel Zeit hat? Vielleicht. Ross trifft ihn trotzdem und spürt der Sache nach, auch wenn ihm seine Frau Imogen, die ihn während seines Aufenthalts in Afghanistan betrogen hat und jetzt von weiß wem schwanger ist, von diesem Auftrag abrät. Wobei ich mich sowieso von Anfang an gefragt habe, warum er nicht schon längst die Scheidung eingereicht hat, denn so wirklich vertrauen will er ihr ohnehin nicht mehr, seit er sie in flagranti erwischt hat.

Peter James erhielt 1989 tatsächlich einen Anruf von jemanden, der meinte, er hätte den absoluten Beweis für die Existenz Gottes, weshalb er begann, an einem Buch darüber zu arbeiten. Als er bei Dan Browns Megabestseller „Sakrileg“ merkte, dass flotte Thriller über Religionsthemen ein Publikum finden, hat er sich gedacht, dass er ernsthaft weiter daran arbeiten sollte. Das tat er mit Unterstützung seiner Frau. Und herausgekommen ist ein Pageturner, der Spaß macht, wenn man sich einigermaßen für Religion erwärmen kann.

Die Kapitel werden von Datumsangaben eingeleitet, was ich zugegebenermaßen für genau so sinnlos erachte wie Kapiteltitel – ich lese sie zwar, vergesse es aber sofort wieder, weil mir die Handlung wesentlich wichtiger ist. Ross selbst ist weder sympathisch noch unsympathisch – er untersucht das Thema einerseits aus journalistischem Interesse, andererseits aber – und das macht ihn mir dann doch etwas unsympathisch – nur deshalb, weil Cook ihm erzählt hat, dass er ein Medium angerufen hätte. Dieses Medium habe dann plötzlich eine Nachricht von Ross’ verstorbenem Bruder erhalten. Ross agiert also eigentlich aus rein persönlichem Motiv. Und irgendwie kann ich Imogens Vorwurf an Ross, dass er egoistisch sei, nachvollziehen – auch wenn sie mir sonst ziemlich unsympathisch ist. Gegen Ende rutscht die Handlung ins Paranormale ab und hat mich dann etwas an Stephen King erinnert. Gleichzeitig findet der Autor bei der Auflösung einen guten Kompromiss, um keine Menschengruppe zu verärgern (um es mal so vage wie möglich auszudrücken).

An manchen Stellen war mir das Buch etwas zu technisch, und ich fand es auch etwas theatralisch, dass immer gesagt wird, dass Ross die Welt retten will – ich glaube eher, dass das Gegenteil der Fall wäre, wenn die Existenz Gottes bewiesen würde.

Daten zum Buch 

Autor: Peter James
Titel: Der absolute Beweis
Originaltitel: Absolute Proof
Übersetzung: Irmengard Gabler
Seiten: 592
Kapitel: 146 (+ Epilog)
Erschienen am: 24. Februar 2021
Verlag: FISCHER Scherz
ISBN: 978-3651025776
Preis Print: 16,67  Euro
Preis Digital: 4,99 Euro
(Preise können abweichen)

Rezensionsexemplar

[Rezension] Lisa McInerney: Glorreiche Ketzereien

Maureen erschlägt einen Mann, der in ihrer Wohnung steht, und jetzt ist er tot – verdammt, was macht sie jetzt mit der Leiche? Schnell Jimmy Phelan angerufen, der kennt sich mit solchen Sachen aus. Doch der schafft das nicht alleine, also holt er sich Hilfe – aber wen soll er fragen? Klar, die alte Saufnase Tony Cusack, der hat einerseits Zeit und andererseits sechs Kinder. Währenddessen handelt sich Ryan Arger in der Schule ein, aber was interessiert ihn die Schule, er lebt für seine Freundin Karine, die er vergöttert. Doch er lebt für noch etwas – dem Drogenhandel; das kann er, damit kennt er sich aus. Doch eines Abends lädt ihn seine Nachbarin Tara zu ihm ein, eine ehemalige Prostituierte. Am nächsten Tag weiß er nicht mehr viel, aber er ist felsenfest davon überzeugt, dass er mit ihr geschlafen hat. Oje, das gibt Ärger… 
Weiterlesen

[Rezension] Ingar Johnsrud: Der Bote (Fredrik Beier – Band #2)

In einer Villa wird ein toter Mann gefunden, auf den ersten Blick sieht es aus, als hätte er einen Unfall gehabt, seine Socke weist Kaffeeflecken auf. Kafa Iqbal ist ratlos, weiß nicht, was das zu bedeuten hat – ob es was zu bedeuten hat. Währenddessen findet Fredrik Beier und sein Kollege Andreas Figueras eine Leiche in einem Kanalschacht, die aussieht, als wäre sie gefoltert worden. Die zwei Toten führen Fredrik und Kafa nach eineinhalb Jahre wieder zusammen, es ist ihr erster Fall seit Solro – aber beide sind sich unsicher, ob sie zusammenarbeiten können, zusammenarbeiten wollen. Denn ohnehin ist Fredrik gerade nicht in der besten Verfassung, denn er kommt gerade aus dem Krankenhaus, nachdem er sein Leben beenden wollte… Weiterlesen

[Rezension] Lisa Jackson: You will pay – Tödliche Botschaft

Vor zwanzig Jahren fand ein christliches Sommercamp in einer Kleinstadt in Oregon statt, mit massig Kindern und Betreuern, die selber kaum dem Kindesalter entwachsen sind. Vor allem die Betreuer verwechseln hier „christlich“ mit „Freiheit“, denn was sie in den Nächten treiben, erinnert eher an ein Musikfestival als an einen Gottesdienst. Als dann plötzlich gleich mehrere Betreuerinnen und ein Stallbursche verschwinden, hörte sich der Spaß allerdings schlagartig auf und das Camp wurde aufgelöst.
Jetzt, zwanzig Jahre später, stößt ein stadtbekannter Wilderer auf Knochen – genau auf dem Areal, auf dem damals das Camp stattfand. Er meldet den Fund einem Detective, der sich der Sache mit seiner Kollegin annimmt. Doch der Detective war damals selbst in eben jenem Camp und weiß wesentlich mehr, als er damals der Polizei sagte … Weiterlesen

[Rezension] Steve Mosby: Hölle auf Erden

Auf der Straße sitzt eine Frau. Sie wirkt abwesend, vielleicht betrunken, den Kopf zu Boden geneigt, das Haar fällt ihr ins narbenübersäte Gesicht. Als die Polizei sie aufliest und Mark Nelson sie fragt, wer sie sei, behauptet sie steif und fest, Charlie Matheson zu sein – aber das kann nicht sein, denn Charlie Matheson ist vor zwei Jahren gestorben, als sie mit dem Auto gegen einen Baum gefahren ist. Mark Nelson wird bei diesem Fall immer wieder in die Vergangenheit zurückgeschleudert – wie schön wäre es, wenn Tote wiederauferstehen könnten.
Währenddessen gedenkt David Groves seines Sohnes, der dieser Tage Geburtstag gehabt hätte, nur ist dieser vor vier Jahren tot aufgefunden worden. Jedes Jahr bekommt er deshalb dubiose Nachrichten von verrückten Leuten – so auch dieses Jahr. Allerdings bekommt er dieses Mal hoffnungsfrohe Botschaften; lebt sein Sohn vielleicht noch? Der Polizist beginnt zu ermitteln … Weiterlesen