[Rezension] Vincent Kliesch / Sebastian Fitzek: Die Frequenz des Todes (Jula und Hegel – Band #2)

Cecile ist glücklich mit Jonathan verheiratet, das Glück vollkommen hat ihre gemeinsames Kind Selma, die gerade mal ein paar Wochen alt ist. Jonathan ist Psychiater und vor ein paar Monaten von seiner hauseigenen Praxis im Dachgeschoss ins Souterrain gezogen; das Dach hat er zu einem Kinderzimmer für Selma umgebaut – glaubt zumindest Cecile. Eines Tages wundert sie sich, warum Selma keinen Ton von sich – seltsam, sonst hört man immer etwas von ihr, selbst wenn sie schläft. Als sie in die Wiege blickt, ist da nichts außer Blut. Ein Schock! Wo ist Selma? Sie muss Hilfe rufen, so schnell wie möglich! Also schnappt sie sich Jonathans iPhone und ruft die Feuerwehr, doch ihr Mann reißt ihr das Smartphone aus der Hand und sperrt Cecile oben im Dach ein. Cecile erkennt, dass das Zimmer keineswegs für Selma bestimmt war – es war als Gefängnis für Cecile gedacht …


Endlich ist er da, der von mir heiß erwartete zweite Teil der Auris-Reihe. Was darin passiert, war mir, bevor ich begonnen habe, es zu lesen, eigentlich herzlich egal. Den Klappentext habe ich maximal überflogen. Vincent Kliesch bedeutet high quality – aber irgendwie war in „Die Frequenz des Todes“ der Wurm drin.

Als Protagonistin agiert auch im zweiten Teil wieder die True-Crime-Podcasterin Jula, und irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass Kliesch und Fitzek dieser Art von Podcast zu ungeahnter Popularität verholfen haben – seitdem schießen True-Crime-Podcasts wie Pilze aus dem Boden. Jula ist nach wie vor dabei, das Geheimnis ihres Bruders zu lösen – offiziell ist er tot, am Ende von „Auris“ haben wir allerdings anderes erfahren. Um mehr über den Verbleib von Moritz zu erfahren, muss sie nach wie vor nach Matthias Hegels Pfeife tanzen und soll nachforschen, wo Ceciles Baby hingekommen ist – und das macht sie natürlich bereitwillig.

Eine weitere prägende Rolle spielt Jonathan Dorm, der anfangs einen ziemlich gewieften Eindruck macht, als er einen Polizisten, der zur Psychotherapie verdonnert wurde, zu einem Boxduell herausfordert. Wenn der Polizist Dorm einen Schlag versetzen kann, kann er mit der Therapie aufhören. Allerdings weiß man bei Dorm zunächst nicht, woran man als Leser ist. Er weist so viele Facetten auf, dass man meinen könnte, er sei selbst Opfer einer gespaltenen Persönlichkeit und damit geeigneter Patient für einen Kollegen seiner Zunft. Und das macht ihn interessant.

Wie so viele Fitzeks spielt auch „Die Frequenz des Todes“ in Berlin – klar, Fitzek ist nicht der Autor, aber er hat an dem Buch, wie schon an „Auris“, mitgewirkt. Und Vincent Kliesch ist ja ebenfalls Berliner. Wer mehr über die Schauplätze von Fitzeks Berlin erfahren möchte findet einen spannenden Beitrag darüber im Magazin von Audible.

„Die Frequenz des Todes“ ist abwechslungsreich, aber irgendwie fehlt mir der Flow etwas. Es ist zwar spannend und wenn es darum geht, dass Matthias Hegel anfängt, über Phonetik zu referieren, wird es – trotz trockener Theorie – auch interessant, aber ich vermisse das Verspielte, das Gewitzte, das man aus Klieschs früheren Reihen kennt. Auch den Titel des Buches kann ich nicht ganz nachvollziehen, denn das „Frequenz“ im Titel deutet natürlich einerseits auf die Phonetik hin, aber man könnte es auch so deuten, dass im Buch reihenweise Menschen getötet werden – dem ist nicht so. In Teilen wirkt das Buch wie lieblos hingeklatschte Auftragsarbeit, der jegliche Atmosphäre wie auch Tiefe in der Story fehlt. Erst in den letzten hundert Seiten habe ich eine gewisse Rasanz, die man von Kliesch kennt, vernommen.

Trotz der Rasanz hat es auf mich dennoch etwas kurios gewirkt, dass Jula gegen Ende, als es gerade um Leben und Tod geht, tatsächlich noch Zeit findet, eine längere Sprachnotiz für ihren Podcast aufzunehmen – das ist alles, nur nicht realistisch. Vielleicht schneidet das Hörspiel, das parallel bei Audible erscheint, ja besser ab, aber das Buch war jetzt eher semi. Und dennoch werde ich vermutlich auch den dritten Teil lesen. Mal schauen.

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Audible.

Daten zum Buch 

Autor: Vincent Kliesch
Idee: Sebastian Fitzek
Titel: Die Frequenz des Todes
Seiten: 352
Kapitel: 63
Erschienen am: 4. Mai 2020
Verlag: Droemer TB
ISBN: 978-3426307601
Preis Print: 12,99 Euro
Preis Digital: 9,99 Euro
(Preise können abweichen)

Rezensionsexemplar