[Rezension] Pascal Engman: Feuerland (Vanessa Frank – Band #1)

In Schweden werden immer wieder Kinder von der Straße eingesammelt, in ein Flugzeug gepackt und nach Chile geflogen. Dort werden sie aufgeschnitten und ihnen werden die Organe entnommen, die reichen Menschen eingepflanzt werden damit sie noch ein paar Jahre an ihre Lebenszeit anhängen können. Das fällt in Schweden nicht weiter auf, weil es Flüchtlingskinder sind, die zumeist auf der Straße leben. Weniger auf der Straße, sondern eher in der Luft, hängt Vanessa Frank. Sie wurde eben vom Polizeidienst suspendiert, weil sie alkoholisiert hinterm Steuer saß und sich dabei erwischen ließ. Damit das nicht noch mal passiert, hat sie sich eine andere Beschäftigung gesucht – sie betreut unbegleitete Flüchtlingskinder. Darunter Nastasja aus Syrien, die eines Tages spurlos verschwindet …


Pascal Engman hat sich mit „Der Patriot“ einen Namen gemacht. Er hat darin ein aktuelles Thema aufgegriffen, es mit seiner früheren Tätigkeit vermengt – Engman war Journalist, bevor er sich vollends der fiktiven Literatur hingab – und daraus einen formidablen Thriller gezimmert. Jetzt startet er mit seinem zweiten Buch eine Reihe um Vanessa Frank – doch wenn es der Klappentext nicht suggerieren würde, ich hätte nicht sofort damit gerechnet, dass Vanessa Frank der Hauptcharakter des Buches ist, denn wie schon im Patrioten gibt es eine komplexe Erzählstruktur mit vielen Schauplätzen und Charakteren. Interessanterweise verliert man aber nicht den Überblick, obwohl die Charaktere kaum Tiefe haben.

Nun haben wir also Vanessa, die gerade in ein Loch gefallen ist. Nicht nur, dass sie von ihrem Job suspendiert wurde, lebt sie auch gerade in Scheidung, weil ihr Mann – ein erfolgreicher Regisseur – eine andere  (und jüngere) hat. Aber nicht nur das, er hat seine Neue auch noch geschwängert. Grund genug, um sich die Kante zu geben, und sich durch die Welt zu tindern. Als ihr das zu blöd wird, überlegt sie, möglicherweise lesbisch zu werden – Männer sind eh alle scheiße.

Es gibt noch zahlreiche andere Charaktere, aber über die lass ich mich jetzt nicht weiter aus, sonst sitze ich noch drei Tage hier. „Feuerland“ ist der Auftakt zur Vanessa-Frank-Reihe, und spätestens daran erkennt man, dass Vanessa Frank der Hauptcharakter im Buch ist. Dass Engman nach seinem grandiosen Debüt eine Reihe startet, ließ mich jetzt nicht gerade in Euphorie ausbrechen. Wobei ich nicht mal sagen kann, warum. Gefühlt ist es für mich der Weg des geringeren Widerstandes. Man muss sich nicht jedes Mal einen supercoolen, supersympathischen Protagonisten ausdenken (wobei das ohnehin nicht auf Vanessa Frank zutrifft), das Grundsetting steht auch schon mehr oder weniger von Anfang an fest – man muss sich nur ein paar Kniffe, Plot-Twists und ein bisschen Geschichte ausdenken. Aber vielleicht red ich auch gerade kompletten Bullshit. Eh wurscht, nun haben wir halt den Auftakt zu einer Reihe – der ist für sich genommen aber auch alles andere als gut. Warum?

„Feuerland“ hat insgesamt elf Teile mit kurzen bis sehr kurzen Kapiteln, nach jedem Kapitel befinden wir uns bei einem anderen Charakter und meistens auch in einem anderen Land (wir springen immer von Schweden nach Chile und zurück), was bei mir nie einen richtigen Lesefluss entstehen ließ. Da Engman auch mit Cliffhangern zurückhaltend umgeht, kam ich eigentlich nie in einen Flow. Organhandel ist zwar ein wichtiges Thema, aber da es eigentlich nur selten in den Medien vertreten ist, hat es mich nie gecatcht. Zumal Engman den Antagonisten fast sympathischer darstellt als Vanessa Frank. Vielleicht ist das Kalkül, für mich aber alles andere als glücklich.

Für mich war „Feuerland“ um einiges schlechter als „Der Patriot“ und ein alles andere als guter Auftakt zu einer Reihe.

Daten zum Buch 

Autor: Pascal Engman
Titel: Feuerland
Originaltitel: Eldslandet
Übersetzung: Nike Karen Müller
Seiten: 496
Erschienen am: 22. Februar 2020
Verlag: Tropen
ISBN: 978-3608503654
Preis Print: 17 Euro
Preis Digital: 13,99 Euro
(Preise können abweichen)

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