[Rezension] Roman Klementovic: Wenn das Licht gefriert

Seit 40 Jahren schon ist Elisabeth mit Friedrich verheiratet – glücklich, trotz einiger Schicksalsschläge. Auch seine Alzheimererkrankung kann ihre Liebe nicht erschüttern. Doch eines Abends ist er besonders verwirrt. Während eines TV-Beitrags über den seit 22 Jahren ungeklärten Mord an der besten Freundin ihrer Tochter gibt er Verstörendes von sich. Er erwähnt Details, die er gar nicht kennen dürfte. In Elisabeth regt sich ein schlimmer Verdacht … (Offizieller Klappentext)


Roman Klementovic kannte ich bis jetzt noch nicht. Ein österreichischer Autor, der beim Gmeiner Verlag publiziert. Jener Verlag, bei dem man die Bücher bereits am Buchcover erkennt – der Stil ist immer derselbe –, nur nicht bei diesem Buch, dessen Cover mehr nach Mainstream aussieht – und das völlig zurecht.

„Wenn das Licht gefriert“ beginnt im Jahr 1997, Anna will in ihren achtzehnten Geburtstag hineinfeiern, aber ihr Tod kommt ihr dazwischen, denn sie wird ihre Volljährigkeit nicht mehr erleben. Ihre Eltern, Thomas und Monika, sind verzweifelt, zerbrechen daran, denn selbst 22 Jahre später läuft der Mörder frei herum. Tyrannisiert die Stadt immer noch. Immer wieder greift er Menschen an – auch Elisabeth, Mutter von Annas bester Freundin Valerie, die nach Annas Tod nach London ausgewandert ist.

Die Geschichte spielt aus der Perspektive von Elisabeth, die früher Schauspielerin im Theater war. Ihre Imitationen diverser Menschen waren legendär, aber seit das Theater schließen musste, hat sie selbst darauf keine Lust mehr. Sie hat eigentlich alles verloren seit Annas Tod. Valerie weg, Job weg, und ihr Mann Friedrich verfällt seit seiner Alzheimer-Erkrankung zusehends.

Klementovic skizziert den Verfall von Friedrich über mehrere Seiten, ich nehme ihm ab, dass er sich intensiv mit dem Thema Alzheimer auseinandergesetzt hat – es wirkt fundiert. Generell mag ich den Schreibstil des Autors, ich mag, wie er die Story behutsam aufbaut und alles so präpariert, dass am Ende alle Zahnräder ineinandergreifen. Das passt alles, es ist nicht zu viel, und auf gar keinen Fall zu wenig. Er lässt die Geschichte auf einer kleinen Bühne spielen, so klein, dass es hilft, etwas Beklemmung beim Leser aufkommen zu lassen – gleichzeitig gibt er der Geschichte genug Raum zum Atmen. Aber nicht zu viel, denn zum Luftholen ist nicht viel Zeit. Man wird in kurzen Kapiteln durch die Handlung gejagt, man hetzt von einem Cliffhanger zum nächsten, manchmal nützt der Autor sie auch für einen Scherz danach. Man kann lachen, oder einfach weiterlesen. Manchmal habe ich beim Lesen gar nicht alle Wörter mitbekommen, weil ich weiter gehetzt bin. Weiter, immer weiter – Oliver Kahn hätte eine Freude. Und dann ist man am Ende und findet es schade, dass es schon vorbei ist. Das war mein erster Klementovic – aber sicher nicht der letzte.

Daten zum Buch 

Autor: Roman Klementovic
Titel: Wenn das Licht gefriert
Seiten: 349
Kapitel: 79 (+ Epilog)
Erschienen am: 9. September 2020
Verlag: Gmeiner Verlag
ISBN: 978-3839227701
Preis Print: 16 Euro
Preis Digital: 11,99 Euro
(Preise können abweichen)

Rezensionsexemplar

.[Rezension] Marc Meller: Raum der Angst (Band #1 einer Reihe)

Er nennt sich Janus. Nach dem römischen Gott der Ein- und Ausgänge. Und er kommt in der Nacht. Still, heimlich. In dein Zuhause. Er betäubt dich, nimmt dich mit und schließt dich ein, in einen kalten, dunklen Raum. Um mit dir ein Spiel zu spielen. Sein Spiel. Ein Spiel voller Rätsel. Du hast nur eine Chance diesem Albtraum lebend zu entkommen: Du musst Janus‘ Spiel spielen – und gewinnen. Zum Glück bist du nicht allein. Du hast Mitspieler. Noch denkst du, dass das ein Vorteil wäre. Bis du begreifst: Dieses Spiel erlaubt nur einen Sieger, nicht mehrere, und die Verlierer werden sterben. (Offizieller Klappentext)


Escape-Room-Thriller scheinen momentan in Mode zu sein, erst letztens erschien mit „The Escape Game“ ein solcher – jetzt der erste (?) aus Deutschland. Marc Meller, der eigentlich anders heißt, hat selber ein halbes Jahr in einem Escape Room verbracht, und meint damit das Buch, an dem er ein halbes Jahr gearbeitet hat. Während des Lesens dieses Buches hat mich eine mehrtägige Lesekrise gepackt. Normalerweise lese ich dann etwas anderes und rühre das Buch nie wieder an. Ob das hier auch der Fall war? Mal sehen.

Hannah ist Psychologie-Studentin und jobbt in einer Mexican Bar, um sich etwas dazuzuverdienen. Eines Abends sitzt ein sonderbarer Typ mit Cowboyhut an der Bar, der ständig auf sein Handy starrt. Immerhin gibt er ein üppiges Trinkgeld für das eine Bier, das er an dem Abend getrunken hat. An den restlichen Abend erinnert Hannah sich nicht, und auch der Ort, an dem sie aufwacht, ist ihr unbekannt. Es ist stockfinster und sie muss dringend auf die Toilette – was war passiert?

Meller mischt mehrere Genres, wir finden einen Whodunit-Thriller, in dem sich die Ermittler Eva Dahlhaus und Bernd Kappler um einen Mordfall kümmern. Sie finden einen Busfahrer mit durchtrennter Kehle – die Passagiere des Busses sind weg. Es waren insgesamt sieben, die bei einem Experiment des Psychologie-Professors Andreas Zargert mitmachen sollten – doch der wartet vergeblich auf seine Probanden. Das Experiment, das an solche wie Milgram oder ähnliche Sozialexperimente erinnert, macht das ganze auch irgendwo zu einem Psychothriller. Denn es gibt natürlich trotzdem ein Escape-Room-artiges Experiment, nur nicht jenes von Zargert.

Lange dachte ich, das Experiment sei eine hidden challenge und es geht in Wahrheit darum, Hannah aus ihrem Verlies zu befreien, aber nein, die 23-Jährige stößt recht bald zu den sieben und entpuppt sich recht schnell zur Leaderin der Truppe. Dann kam meine Lesekrise, zum ersten Mal seit fast 20 Jahre, plötzlich hatte ich null Bock darauf, ein Buch zu lesen; dachte, das dauert jetzt – wie damals – mehrere Wochen. Dann hätte ich das Buch mit Sicherheit nicht fertig gelesen – aber nach drei Tage war die Lethargie vorbei, ich hab weitergelesen und war sofort wieder drin.

Das Buch ist flott und die Rätsel im Escape Room wirken auch hochwertig in dem Sinne, dass es keine 08/15-Rätsel sind. Im Nachwort erfährt man auch, wieso. Die Charaktere weisen allerdings keine besondere Tiefe auf, das wird aber auch schwer bei solch einer Fülle an Figuren.

Am Ende ahnt man, dass „Raum der Angst“ nicht das einzige Buch von Meller in dem Kosmos bleiben wird. Ich bin schon gespannt, was der Autor uns dann bieten wird.

DAS KRIMISOFA IST JETZT AUCH AUF INSTAGRAM 

Daten zum Buch 

Autor: Marc Meller
Titel: Raum der Angst
Seiten: 385
Kapitel: 54 (+ Epilog)
Erschienen am: 31. August2020
Verlag: Ullstein
ISBN: 9783548063805
Preis Print: 10,99 Euro
Preis Digital: 9,99 Euro
(Preise können abweichen)

[Rezension] Brad Parks: Kein falscher Schritt

Die Schauspielkarriere von Tommy Jump ist eigentlich längst zu Ende, besser wäre es, wenn er sich einen gut bezahlten Job suchte. Zumal seine Freundin ein Kind von ihm erwartet. Deshalb kann er auch nicht Nein sagen, als er ein Angebot für ein eher ungewöhnliches Engagement erhält. Das FBI will ihn ins Gefängnis einschleusen. Dort soll er Bekanntschaft schließen mit Mitchell Dupree, einem ehemaligen Banker, der Geld für ein mexikanisches Drogenkartell gewaschen haben soll. Irgendwo – so vermutet das FBI – gibt es da noch Unterlagen, mit denen man das gesamte Kartell und seinen Boss El Vio hochnehmen könnte.*
Unter falschem Namen und mit einer getürkten Vita geht Tommy ins Gefängnis und lernt Mitchell kennen. Aber sehr schnell muss er erkennen, dass seine Aufgabe schwerer ist als gedacht. Denn er ist nicht der Einzige, der diese Dokumente will. Wem kann er trauen? Ganz auf sich allein gestellt, muss Tommy seine Rolle jetzt perfekt spielen, sonst wird es seine letzte sein. (Offizieller Klappentext)


Der letzte Brad Parks, „Ich vernichte dich“, wusste zu gefallen. Trotzdem bin ich über den hier eher zufällig gestolpert, als ich auf Netgalley herumgesurft bin. Der Klappentext hat mich eigentlich gar nicht so begeistert. Gefängnis, Mafia, Schauspielerei – nichts davon begeistert mich übermäßig. Aber ich hatte Vertrauen in Brad Parks – und wurde nicht enttäuscht.

Tommy Jump, ein Name wie aus einem Hollywood-Streifen. Jetzt soll er also die Rolle seines Lebens spielen, um danach vielleicht nicht ausgesorgt zu haben – aber er könnte sich zumindest eine Auszeit nehmen, um sein eigenes Musical zu schreiben. Dafür schlüpft er in die Rolle des 33-jährigen Peter Lenfest Goodrich, seines Zeichens Geschichtslehrer, der wegen eines Banküberfalls einsitzt und sich nun mit Mitchell Dupree anfreunden sollte, um ihm sein größtes Geheimnis aus den Rippen zu leiern.

„Kein falscher Schritt“ basiert auf den Machenschaften der Wachovia-Bank, die rund 400 Milliarden Dollar gewaschen haben sollen. VIERHUNDERT MILLIARDEN! Das übersteigt meine Vorstellungskraft bei Weitem. Im Buch geht es Parks gemächlich an, es dauert seine Zeit, bis die Geschichte, die in drei Akte unterteilt ist, dort ist, wo der Autor sie haben will. Er führt die Charaktere ein, die mir trotz allem nie wirklich nahe waren. Tommys Verlobte Amanda hat einmal rote, dann plötzlich blonde Haare – okay, sie hat als Künstlerin ja genügend Tagesfreizeit, um sich die Haare beliebig zu färben. Parks räumt auch mit der Künstlerszene auf und skizziert in einer Szene, dass es die sagenumwobene Besetzungscouch nicht nur in Pornos gibt.

Bis zum ersten Plot-Twist hätte ich das Buch eher als mittelmäßig eingestuft, doch dann kommt Wendung nach Wendung, eine überraschender als die nächste. Und diese Wendungen machen es dann doch zu einem besseren Buch. Nach dem Ende würde ich das Buch immer noch nicht in den Himmel loben, weil mir das gewisse Etwas fehlt und die Handlung lange nur vor sich hin dümpelt. Dazu kommt, dass das Setting mir trotzdem nicht sympathischer wurde, weil ich weder Gefängnis-, Mafia- oder Musical-Fan bin – vor allem Letztere werden des Öfteren zitiert; ich kannte kein einziges Zitat. Und mit Pippin verbinde ich kein Musical, sondern einen Hobbit. Ich hätte auch gerne mehr über Amanda und ihre Krise, die ihr widerfährt, gelesen. Dennoch ist es ein solides Buch.

246x0w

DAS KRIMISOFA IST JETZT AUCH AUF INSTAGRAM

Daten zum Buch 

Autor: Brad Parks
Titel: Kein falscher Schritt
Originaltitel: The Last Act
Übersetzung: Helga Augustin
Seiten: 432
Kapitel: 56 (+ Epilog)
Erschienen am: 26. August 2020
Verlag: Fischer
ISBN: 978-3596000678
Preis Print: 14,99 Euro
Preis Digital: 12,99 Euro
(Preise können abweichen)

Rezensionsexemplar

[Rezension] Camilla Läckberg: Wings of Silver – Die Rache einer Frau ist schön und brutal (Golden Cage – Band #2)

Faye lebt mittlerweile in Italien, gemeinsam mit Mutter und Tochter. Revenge steht kurz vor der Markteinführung in den USA. Eigentlich könnte es nicht besser laufen, denn sie lernt auch noch David kennen und glaubt, endlich den Mann ihres Lebens kennengelernt zu haben. Doch irgendwas stimmt nicht bei Revenge, denn es stellen sich Unregelmäßigkeiten ein. Immer mehr Aktionärinnen verkaufen ihre Anteile – was ist da los? Zu allem Überfluss sitzt Jack nicht mehr im Gefängnis! Jack, den sie mit einem Trick hinter Gittern gebracht hat. Alles scheint sich gegen sie verschworen zu haben. Zum Glück hat sie David, der ihr Halt gibt …


„Wings of Silver“ ist die Fortsetzung von „Golden Cage“, welches ich vor nicht allzu langer Zeit gelesen und für gut befunden habe – dementsprechend habe ich mich einigermaßen auf diesen Teil gefreut. Aber dann … tja.

Faye hat mich schon im ersten Teil, den man übrigens zwingend gelesen haben sollte, bevor man den hier liest, ziemlich beeindruckt. Sie hat sich von ihrem Mann emanzipiert und ihr Leben komplett auf links gedreht, eine Firma namens Revenge – Rache – gegründet und den Namen der Firma in die Tat umgesetzt und damit ihren Mann, der sie zusehends unterdrückt und betrogen hat, zerstört. Mittlerweile lebt sie mit ihrer Tochter und ihrer Mutter in Italien und lebt ein idyllisches und hedonistisches Leben. Doch die Arbeit ruft nach zwei Jahren wieder, Revenge soll in den USA an den Start gehen, wofür sie zurück nach Schweden muss. Dort lernt sie David nicht nur kennen, sondern auch lieben.

Fangen wir beim Cover an, welches ich gar nicht mal so toll finde. „Wings of Silver“ ist wie „Golden Cage“ ein Buch für Frauen. Dass man einen Lippenstift der Firma Revenge abbildet, macht oberflächlich betrachtet durchaus Sinn. Man will mit dem Cover Frauen ansprechen, weil der Inhalt an Frauen gerichtet ist – einerseits. Andererseits bin ich mir nicht sicher, ob das Cover den Inhalt des Buches repräsentiert, weil man sich eines stereotypen Symbols einer Frau bedient. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Faye das gefallen würde, die – mitunter radikale – Feministin ist. Da geht so weit, dass sie auch vor Mord nicht zurückschreckt; das haben wir in „Golden Cage“ bereits gelernt. Abgesehen davon, dass rund 80 Prozent der Krimi- und Thriller-Leser ohnehin Frauen sind, also eigentlich bräuchte man solche Marketingstrategien nicht – das Buch würde auch ohne Lippenstift von Frauen gekauft werden. Außerdem sieht die Farbkombination Rot/Grau ziemlich ranzig aus.

Genug dazu, jetzt zum Inhalt, bei dem ich mir gar nicht so sicher bin, ob es ein Thriller ist – zeitweise bin ich mir vorgekommen wie auf Youporn. Ich kann mich erinnern, dass es in „Golden Cage“ eine Sexszene gab – eine! Das war zu Beginn, und bereits damals habe ich kritisiert, dass das Buch so etwas gar nicht nötig hat. „Wings of Silver“ hat mindestens drei solcher expliziten Sexszenen und dazwischen ausgiebiges Geturtel zwischen Faye und David, ihr Love Interest, den sie kennenlernt und der so viel toller ist als ihr Ex Jack. Ich habe keineswegs etwas gegen Sexszenen, die sogar sehr gut und ästhetisch in Szene gesetzt sind, aber dafür, dass „Wings of Silver“ ein Thriller sein soll, war mir das etwas zu viel.

Thriller also weit gefehlt, erst kurz vor Ende gibt es endlich thrilling action. Zwischendurch blicken wir wie schon im ersten Teil zurück zur jungen Faye aka Matilda. Diese Passagen fand ich wesentlich interessanter als das Dauergeturtel zwischen Faye und David. Da lernt man nämlich zu verstehen, wie Faye so wurde wie, sie heute ist. Leider sind die Passagen nie sehr lang.

Die Golden-Cage-Reihe wird weitergehen, das deutet das Ende an. Und ich kann mir vorstellen, dass es der letzte Teil sein könnte. Im Titel wird wahrscheinlich das Wort Bronze vorkommen. Hoffentlich passt sich das Niveau nicht dementsprechend an.

246x0w
DAS KRIMISOFA IST JETZT AUCH AUF INSTAGRAM

Daten zum Buch 

Autor: Camilla Läckberg
Titel: Wings of Silver – Die Rache einer Frau ist schön und brutal
Originaltitel: Vingar av silver
Übersetzung: Katrin Frey, Leena Flegler
Seiten: 352
Erschienen am: 3. August 2020
Verlag: List
ISBN: 978-3471351741
Preis Print: 19,99 Euro
Preis Digital: 15,99 Euro
(Preise können abweichen)

[Rezension] Guillaume Musso: Ein Wort, um dich zu retten

Nathan Fawles war einst ein gefeierter Schriftsteller, doch von heute auf morgen hat er sich aus dem Autorenleben zurückgezogen – und keiner weiß, wieso. Raphaël Bataille schreibt nun selbst ein Buch; er verehrt Fawles und heuert auf der Insel Beaumont an – dort, wo Fawles seit zwanzig Jahren sein Dasein fristet. Er arbeitet in einer Buchhandlung und hofft, sein Idol einmal zu treffen. Als er sich schließlich zu Fawles‘ Anwesen aufmacht, erntet er nichts als Schüsse aus seiner Schrotflinte. Plötzlich taucht eine Leiche auf. Sie ist an den ältesten Eukalyptusbaum der Insel gepfählt – nun braucht Fawles seinerseits Hilfe von Bataille …


Ein neuer Musso. Lange habe ich gezögert, ihn zu lesen. Weder Titel noch Cover haben mich besonders angelacht – dafür der Klappentext. Aber selbst nachdem ich es mir via Netgalery besorgt habe, lag es noch Wochen auf meiner Festplatte herum – der Anfang überzeugte mich nicht. Und dann hab ich es doch gelesen und wurde überrascht.

Wir switchen zwischen drei Charaktere hin und her: Einerseits ist da der Schriftsteller im Ruhestand, Nathan Fawles, andererseits haben wir den Möchtegern-Schriftsteller Raphaël Bataille, und dann ist da noch die Schweizer Journalistin Monney. Ersterer will einfach nur seine Ruhe haben, Bataille will, dass Fawles sein Manuskript liest, und die Journalistin hat eine ganz eigene Agenda, die ebenfalls mit Fawles zu tun hat – Fawles bekommt also alles andere als Ruhe.

Das Buch ist aufgebaut wie ein Ratgeber für angehende Autoren, jedes Kapitel wird mit einem Zitat eines namhaften Autors eingeleitet – darunter William Shakespeare oder Umberto Eco. Auch die Geschichte selbst beherbergt einige Schreibtipps, deshalb bin ich aus Guillaume Musso offen gestanden noch nicht ganz schlau geworden. Er scheint kein klassischer Thriller-Autor zu sein, es macht eher den Anschein, als ob er sich wie Andreas Eschbach in kein Genre pressen lassen zu wollen. Dennoch: Seine Bücher haben etwas, das mich reizt. Das war beim „Mädchen aus Brooklyn“ so, und das ist bei diesem ebenso. Auch das Cover sieht nicht wie ein klassisches Cover eines Thrillers aus (und man erkennt Thriller sofort am Bild der Frontseite eines Buches), und dennoch hat „Ein Wort, um dich zu retten“ einige Elemente, die ein Thriller hat (zum Beispiel eine Leiche).

Wir haben hier ein Buch im Buch, denn der Jungspund Raphaël Battaille schreibt gerade an einem Buch, das denselben Namen trägt wie der neueste Musso, wir wissen also eigentlich gar nicht, ob die Ereignisse, die im Buch passieren, real oder fiktiv sind. Musso lässt dem Leser irrsinnig viel Interpretationsspielraum – nicht nur hier, sondern auch am Ende. Offene Enden mag ich normalerweise gar nicht, aber hier ist es stimmig. Es passt zur Erzählung.

Und so flanieren wir flott und leichtfüßig durch den Plot, beseelt durch die Insellandschaft und dem interessanten Charakter Nathan Fawles, vorbei an einer groben Logiklücke und einem gröberen Ereignis, das nicht ganz in die Erzählung passt, aber sogar hier lässt uns Musso Raum für Interpretationen. Insgesamt ein sehr lesenswertes Buch.

DAS KRIMISOFA IST JETZT AUCH AUF INSTAGRAM.

Daten zum Buch 

Autor: Guillaume Musso
Titel: Ein Wort, um dich zu retten
Originaltitel: La vie secrète des écrivains
Übersetzung: Bettina Runge, Eliane Hagedorn
Seiten: 336
Kapitel: 18 (+ Pro- & Epilog)
Erschienen am: 2. Juni 2020
Verlag: Pendo
ISBN: 978-3866124837
Preis Print: 16,99 Euro
Preis Digital: 12,99 Euro
(Preise können abweichen)

Rezensionsexemplar

[Rezension] Chris Carter: Bluthölle (Hunter & Garcia – Band #11)

Angela lebt seit fünf Jahren in Los Angeles. Sie war dorthin geflüchtet, nachdem sie ihren Bruder auf tragische Weise verloren hat – die Schuld dafür gibt sie sich selbst. Jetzt arbeitet sie als Taschendiebin. Sie behauptet von sich, die Beste zu sein – aber auch die Ehrenhafteste. Das will sie auch beweisen, als sie eines Tages in einem Café sitzt und einem Mann, der sich unfreundlich verhält, seine Tasche klaut – doch mit so einem Inhalt hat sie nicht gerechnet. In der Tasche befindet sich ein Tagebuch, in dem detailliert Morde beschrieben werden. Sie schickt das Buch ans LAPD, doch sie hat die Rechnung ohne den Mörder gemacht – denn der jagt sie jetzt …


Unmittelbar bevor ich begonnen habe, „Bluthölle“ zu lesen, habe ich den allerersten Teil der Hunter-Garcia-Reihe gelesen. „Der Kruzifix-Killer“. Ich wollte die Faszination dieser erfolgreichen Reihe verstehen – und bin gescheitert. Jetzt also der neueste Teil von Chris Carter; und was soll ich sagen – Euphorie hat „Bluthölle“ bei mir keine ausgelöst. Warum, erfährt ihr weiter unten.

Robert Hunter ist nach wie vor ein Ausnahmeagent beim LAPD, bla, geschenkt – sind es nicht immer Ausnahmeerscheinungen? Eben. Wesentlich faszinierender war für mich Angela, die blitzgescheite und sympathische Profi-Taschendiebin, die vor fünf Jahren nach Los Angeles kam. Damals hat sie ihren elfjährigen Bruder verloren – bis heute gibt sie sich die Schuld, dass er einem Gewaltverbrechen zum Opfer fiel. Nun also Taschendiebin, obwohl sie das Zeug für etwas wesentlich Legaleres hätte. Dass Carter eine junge Frau von der Täterin zum Opfer macht – und man muss wahrlich kein Hellseher sein, um das kommen zu sehen – kann man hinterfragen. Andererseits hätte man es ihm auch vorgeworfen, wenn er eine Würstchenparty – sprich: nur Männer an vorderster Protagonistenfront – veranstaltet hätte. Wie man‘s macht, macht man‘s falsch. Und Garcia, Hunters Partner? Der ist auch da, Hunter steht aber, wie schon in „Jagd auf die Bestie“, im Fokus.

Chris Carters anhaltender Erfolg als Autor ist für mich ebenso bemerkenswert wie überraschend. Denn weder der erste, noch der dritte Teil seiner Reihe, den ich 2012 angefangen, aber nie beendet habe, haben mir die Frage des Wieso beantworten können. Dann kam letztes Jahr „Jagd auf die Bestie“, welcher tatsächlich interessant und spannend war – fast hatte mich Carter am Haken –, aber „Bluthölle“ hat tatsächlich nichts, was mich reizt, weitere Teile der Reihe zu lesen. Ich gehe sogar soweit, zu behaupten, dass „Bluthölle“ einer der schlechtesten Serienmörder-Thriller war, den ich je gelesen habe. Gut zu lesen ist das Ding allemal, daran scheitert es nicht, aber den Mörder und sein Handeln zu durchschauen, ist dermaßen einfach, dass vermutlich jeder, der ein paar Thriller gelesen hat, beim LAPD anheuern könnte – dazu bräuchte es weder einen Hunter noch einen Garcia. Mit Spannung brilliert „Bluthölle“ definitiv nicht.

Was allerdings durchaus nett ist, ist die Schnitzeljagd, die uns Carter gegen Ende bietet – auch wenn sie irgendwann im Sand verläuft. Den Showdown zieht Carter für meinen Geschmack etwas in die Länge, auch wenn die Systemkritik, die dem vorausgeht, durchaus ihre Berechtigung hat.

Dass das Buch alles andere als gut ist, mag vielleicht auch daran liegen, dass der Schreibprozess von einem Verlust in Carters engerem Umfeld überschattet wurde. Mag sein. Aber bevor ich dann so ein Buch abliefere, lass ich es lieber bleiben und warte, bis bessere Gedanken kommen. Schade um das Geld der Carter-Fans.

das krimisofa ist jetzt auch auf instagram 

Daten zum Buch 

Autor: Chris Carter
Titel: Bluthölle
Originaltitel: Written in Blood
Übersetzung: Sybille Uplegger
Seiten: 416
Kapitel: 99
Erschienen am: 3. August 2020
Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3548291925
Preis Print: 10,99 Euro
Preis Digital: 9,99 Euro
(Preise können abweichen)

Rezensionsexemplar

[Kurzrezension] Chris Carter: Der Kruzifix-Killer (Hunter-Garcia-Reihe – Band #1)

Los Angeles: Die Leiche einer wunderschönen Frau wird gefunden, zu Tode gequält und bestialisch verstümmelt. Keinerlei Spuren. Bis auf ein in den Nacken geritztes Kreuz, ein Teufelsmal: das Erkennungszeichen eines hingerichteten Serienmörders. Detective und Profiler Robert Hunter wird schnell klar, dass der Kruzifix-Killer lebt. Er mordet auf spektakuläre Weise weiter. Und er ist Hunter immer einen Schritt voraus – denn er kennt ihn gut. Zu gut. Lernen Sie auch das Hörbuch zu diesem Titel kennen! (offizieller Klappentext, © Ullstein)


Nachdem ich den zehnten Teil der Hunter-Garcia-Reihe letztes Jahr gelesen habe, konnte ich die Faszination der Leute verstehen – jetzt, nachdem ich den ersten Teil gelesen habe, kann ich das nicht so ganz.

Carter packt zweifelsohne jede Menge Kreativität in die Morde – und spannend ist das Ganze obendrein –, aber das tat ein Mankell bei seinem Wallander auch schon. Robert Hunter ist ein Verschnitt von Sherlock Holmes, mit einem Hang zum Reaktionären und Chauvinistischen, der Garcia paternalistisch behandelt („Grünschnabel“). Alles andere als sympathisch also. Hätte ich die Reihe mit diesem Teil begonnen, weiß ich nicht, ob ich einen Weiteren gelesen hätte. Aber bei „Jagd auf die Bestie“ hat sich Hunter zum Glück schon weiterentwickelt. Und auch wenn ich mir die Auflösung des Falles logisch nicht ganz erklären konnte, fand ich die psychologische Komponente durchaus interessant.

DAS KRIMISOFA IST JETZT AUCH AUF INSTAGRAM.

Kurzrezensionen sind Rezension, die im Vorfeld eigentlich nicht geplant waren und für die keine Notizen angelegt wurden. Sie entstehen aus dem Stegreif, wenn mir etwas unter den Nägeln brennt.
Daten zum Buch 

Autor: Chris Carter
Titel: Der Kruzifix-Killer
Originaltitel: The Crucifix Killer
Übersetzung: Maja Rößner
Seiten: 480
Kapitel: 70
Erschienen am: 15. Juni 2009
Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3548281094
Preis Print: 10,90 Euro
Preis Digital: 2,99 Euro
(Preise können abweichen)

[Rezension] Karsten Dusse: Das Kind in mir will achtsam morden (Achtsamkeitsreihe – Band #2)

Björn Diemel wurde von seiner Frau ein weiteres Mal zum Achtsamkeits-Coach geschickt, weil er seine Gefühle nicht im Griff hat und dies auch regelmäßig signalisiert. Der Coach legt bei den Sitzungen Björns inneres Kind frei, dessen er sich noch gar nicht bewusst war. Nun ist es halt da und muss gezähmt werden. Dass Björn seit einem halben Jahr Boris, den Chef eines Mafia-Clan in seinem Keller sitzen hat, macht die Sache nicht unbedingt leichter. Dass dieser eines Tages plötzlich nicht mehr in seinem Verlies hockt, ebenfalls nicht. Doch das ist nur die Spitze des Eisberges, denn Björn wird von einem Unbekannten erpresst – und dafür benötigt er Boris …


246x0w

DAS KRIMISOFA IST JETZT AUCH AUF INSTAGRAM.

Mit „Achtsam morden“ hat Karsten Dusse nicht nur ein innovatives Genre erschlossen, sondern auch einen Überraschungserfolg gefeiert. Nun kam „Das Kind in mir will achtsam morden“ heraus und setzt fort, wo der erste Teil geendet hat. Ich habe mich riesig auf den neuen Dusse gefreut – und wurde nicht enttäuscht.

Ja, der Blutfleck, der sich am Cover des ersten Teils der Achtsamkeitsreihe befindet, findet sich auch auf dem Kind, das die Reihe nun in die Welt gesetzt hat, wieder. Allerdings ergänzt durch ein paar weitere kindliche Farbkleckse. In „Achtsam morden“ hat uns Karsten Dusse das Achtsamkeitsthema im Allgemeinen näher gebracht, jetzt spezialisiert er sich auf das innere Kind. Und man merkt, dass Dusse selber achtsam lebt, denn dem neueste Spross merkt man die Hingabe seines Autors an, die er beim Schreiben an den Tag gelegt hat. So eine Leichtigkeit, Kreativität und vor allem diese Gewitztheit, in Kombination mit diesem schweren Thema, findet man nicht oft.

Gleich zu Beginn blicken wir zurück, denn so ganz hatte ich „Achtsam morden“ nicht mehr auf dem Schirm. Danach wird es hoch psychologisch, aber auch hoch interessant. Das Großartige ist, dass sich der Protagonist, der sich zu Beginn des Buches abermals bei seinem Achtsamkeits-Coach findet, nie direkt, sondern eher indirekt tötet – so auch in den Alpen, in denen er mit seiner Frau Katharina und seiner Tochter Emily war. Bis auf Dragan, den er im ersten Teil ziemlich direkt zerstückelt und in den Häcksler geworfen hat – aber da war er schon tot, von der Hitze im Kofferraum, in den Dragan aus freien Stücken gestiegen ist, würde der gelernte Strafverteidiger wohl argumentieren.

„Das Kind in mir will achtsam morden“ spielt ein halbes Jahr nach dem ersten Teil, ist noch besser als sein Vorgänger und dabei nicht nur interessant, sondern auch rasant. Es macht Spaß, Björn Diemel ein weiteres Mal zuzusehen, wie er die Achtsamkeit auf seine ganz eigene Weise interpretiert. Dabei kommuniziert er immer wieder mit seinem inneren Kind, welches wirkt wie irgendwas zwischen einem zusätzlichen Protagonisten und einer gespaltenen Persönlichkeit.

Was weniger Spaß macht, ist das Wort „Assis“, das Dusse regelmäßig benutzt. Ich weiß, dass diese Abkürzung von „Asoziale“ weit verbreitet ist – für mich ist „Assis“ die Abkürzung von „Assistenten“, welche ich als Student mit Behinderung zuhauf gehabt habe. Und die haben weder im Park randaliert, wie sie es in Dusses neuestem Buch tun, noch waren es Asoziale – ganz im Gegenteil. Auch die Interpunktion war für mich nicht zu hundert Prozent zufriedenstellend (siehe Grafik unten), aber weit weniger schwerwiegend als die „Assis“ (wo kommt eigentlich das doppel-S her?).

Daten zum Buch 

Autor: Karsten Dusse
Titel: Das Kind in mir will achtsam morden
Seiten: 480
Kapitel: 50
Erschienen am: 11. Mai 2020
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3453424449
Preis Print: 10,99 Euro
Preis Digital: 9,99 Euro
(Preise können abweichen)

[Rezension] Camilla Läckberg: Golden Cage – Die Rache einer Frau ist schön und brutal. (Golden Cage Reihe – Band #1)

Faye hat eigentlich alles, sie muss nicht arbeiten, nicht einkaufen gehen, sie muss nur atmen, um zu überleben – bis sie merkt, dass sie mehr will. Vor allem mehr von Jack, ihrem Mann. Jenem Mann, dem sie all das zu verdanken hat. Sie versucht alles, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen, doch jeder Versuch scheitert. Gestresst, keine Zeit, keine Lust, Arbeit – das sind seine Ausreden. Als ihre Tochter ihr auch noch sagt, dass ihr Vater gesagt hätte, dass sie fett sei, bricht für Faye eine Welt zusammen. Als sie ihn eines Tages in flagranti mit einer anderen erwischt, wacht sie auf und schwört sich, dass sie Jack brechen wird …


„Golden Cage“ steht schon länger auf meiner to-read-Liste, bereits letztes Jahr habe ich damit gustiert, mir das Buch zu holen, aber irgendwie hat es sich nicht ergeben. Jetzt kommt das Buch als Taschenbuch heraus, mit einem Cover, das das Buch weit besser repräsentiert als das der broschierten Ausgabe. Zeit, zuzuschlagen.

Faye heißt eigentlich Matilda und kommt vom Land. Mit 18 kommt sie von dort nach Stockholm, um an der Handelshochschule zu studieren. Bis sie wieder aufhört damit, denn sie hatte ja nun Jack Adelheim, den smarten Mann mit blauem Blut und einer Firma, die ihn zum Multimillionär gemacht hat – was braucht frau denn mehr? Unabhängigkeit, oder einen Uni-Abschluss zum Beispiel – im Idealfall beides. Aber nein, stattdessen geht Matilda äääh Faye jeden Freitag mit ihrer verhassten Clique essen, wo allerdings höchstens an einem Salatblatt herumgeknabbert wird. Als sie Jack bei einem Seitensprung erwischt, sagt er sofort, dass er sich scheiden lassen will. Und das ist Fayes Startschuss für ein neues Leben.

Eines vorweg, was mich anfangs ziemlich verstimmt hat. Die Taschenbuch-Ausgabe kommt nicht nur mit einem neuen Cover – was durchaus okay ist –, sondern auch mit neuem Untertitel (der alte: Trau ihm nicht. Trau niemandem.) und neuem Klappentext. Da es der erste Teil einer Reihe ist, musste ich erst mal recherchieren, ob es wirklich der Erste ist. Dabei habe ich leider die ersten Wörter des Klappentextes zum zweiten Teil gelesen, der im August heraus kommt, und mir damit direkt das Ende vom ersten Teil gespoilert. Liebe Verlagsmenschen: Das muss nicht sein.

Gleich zu Beginn lesen wir eine Abhandlung über Pornos in bildhafter Sprache, gefolgt von einer sehr explizit beschriebenen Sexszene zwischen Jack und Faye. Läckberg geizt also keineswegs mit nackten Tatsachen, was bestimmt ein guter Reinkommer ist, in ein Buch, das sowas eigentlich nicht nötig hat, dem es aber auch nicht schadet. In drei Teilen und lediglich vier Kapitel erleben wir die Metamorphose einer unterdrückten Raupe zu einem wunderschönen Schmetterling namens Faye, die mit allen Wassern gewaschen ist und ihre ganz eigene tragische Vergangenheit hat. „Golden Cage“ ist ein zutiefst feministisches Buch und behandelt ähnliche Themen wie Chandler Bakers „Whisper Network“ – da wie dort schlagen die Protagonistinnen weit über die Stränge, was man allerdings auch als literarisches Stilmittel sehen kann.

Auch wenn die Geschichte von „Golden Cage“ in der Schicht der oberen Zehntausend spielt, betreffen die Themen darin auch alle Schichten darunter. Dabei geizt das Buch nicht mit Emotionen – vor allem Wut hat es bei mir ausgelöst. Über Jack, weil er so ein Arschloch ist, aber auch über Faye, weil sie so blind ist. Vor allem, weil wir in Rückblenden auch eine andere Faye kennenlernen, eine selbstbewusste, starke Frau, die genau weiß, was sie will. Am Rande der Handlung spielt auch noch ein Gewaltverbrechen eine Rolle, das am Ende zum Tragen kommt.

Das Buch kennt keine Längen und ich durchgehend spannend und interessant. Unterteilt werden die langen Kapitel (teilweise über hundert Seiten) durch Absätze, nach denen man gerne pausieren kann – aber eigentlich will man das nicht. Leseempfehlung!

Daten zum Buch 

Autor: Camilla Läckberg
Titel: Golden Cage – Die Rache einer Frau ist schön und brutal.
Originaltitel: En bur av guld
Übersetzung: Katrin Frey
Seiten: 384
Kapitel: 4
Erschienen am: 29. März 2020
Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3471351734
Preis Print: 17,99 Euro
Preis Digital: 14,99 Euro
(Preise können abweichen)

Rezensionsexemplar

[Rezension] Megan Goldin: The Escape Game – Wer wird überleben?

Vier Menschen, ein Aufzug, kein Entkommen. Vincent ruft sein Team zu einer Teambuildingmaßnahme. Die vier Wall-Street-Banker – Sylvia, Sam, Jules und er selbst – müssen innerhalb einer Stunde versuchen, mithilfe von Rätseln, die sie lösen müssen, aus dem Aufzug zu kommen – der klassische Escaperoom. Die ersten Rätsel sind einfach, die vier sind optimistisch, der klaustrophobischen Atmosphäre bald zu entkommen. Doch dann geht das Licht aus, die Temperatur steigt, und die Stimmung schlägt um. Nach einer Stunde erkennen die vier Banker, dass das kein Spiel ist, sondern eine tödliche Falle …


Für die meisten von uns sind Zahlen ein Buch mit sieben Siegeln, Mathe ein Graus und die Bankenwelt undurchschaubar. Eine Welt, die von alten weißen Männern in Einreihern dominiert wird. Genau dieses Bild zeichnet auch Megan Goldin in ihrem neuestem Thriller, in dem die Wall Street mit all ihren Wirren die Hauptrolle spielt.

Sara Hall ist Teil der Wall Street, sie hat einen der begehrten Arbeitsplätze im Epizentrum der Weltwirtschaft ergattert. Sie wollte ursprünglich Medizin studieren, um ihrem Vater, der sein halbes Leben gesundheitliche Probleme hat, sein Leben voller Arztrechnungen zu erleichtern. Doch das Studium dauert zu lange, und da ihre Mutter plötzlich auch Probleme bekommt und das Geld hinten und vorne nicht mehr reicht, studiert sie Wirtschaftswissenschaften und BWL und heuert an der Wall Street an. Das erste Vorstellungsgespräch ist gelinde gesagt eine Katastrophe, der Personalchef ein sexistisches Arschloch, der nur versucht, seine Quote zu erfüllen. Am Heimweg trifft sie dann Vincent von Stanhope – dem begehrtesten Unternehmen an der Wall Street. Er leitet dort ein Team aus fünf Leuten, Sylvia, Sam, Jules, Lucy und jetzt auch Sara. Sara verdient jetzt richtig viel Geld, reist um die Welt – sie ist eine gemachte Frau. Doch der Preis ist hoch, genau wie der Druck. Freizeit wird zur Mangelware.

Megan Goldin zeichnet ein sehr klares Bild der Wall Street: androzentristisch, geldgeil, sexistisch. Eine Welt, in der auf Vitamin B gesetzt und auf den Gender Pay Gap geschissen wird. Sie bestätigt damit alle Klischees, die wir von der freien Wirtschaft kennen. Und dann – ach ja, da war ja noch was – ist da noch der Thriller. Ein Thriller, der zunächst an alle Dan Browns erinnert – eine Schnitzeljagd ohne Jagd. Und ohne – sind wir ehrlich – Schnitzel. Denn die Rätselrallye endet in einem Gemetzel, das verrät uns schon der Prolog.

Zwischen der Kapitel im Lift lesen wir immer wieder über Sara Hall in der ersten Person. Wir lesen über ihr Leben und ihrem Werdegang. Neben Sara, Sylvia, Sam, Jules und Vincent lernen wir auch noch Lucy kennen. Sie ist Analystin und hat Asperger – einer Form von Autismus. Und das fand ich interessant, denn auch JP Delaney thematisiert Autismus in seinem aktuellen Buch „Tot bist du perfekt“ sehr stark. Ich frage mich öfter, ob es im Internet ein Bestseller-Forum gibt, in dem sich Autoren über die Themen beraten, die sie in ihren Büchern besprechen wollen. Es ist nicht das erste Mal, dass in aktuellen und mittlerweile nicht mehr so aktuellen Büchern dieselben Themen von verschiedenen Autoren in Szene gesetzt werden.

„The Escape Game“ ist aber nicht nur interessant, sondern auch verdammt spannend. Als Leser will man nicht nur wissen, ob es die vier aus dem Lift schaffen, sondern auch, was dahintersteckt. Ein lesenswertes Buch.

Daten zum Buch 

Autor: Megan Goldin
Titel: The Escape Game – Wer wird überleben?*
Originaltitel: The Escape Game
Übersetzung: Elvira Willems
Seiten: 432
Kapitel: 51
Erschienen am: 2. März 2020
Verlag: Piper
ISBN: 978-3492314794
Preis Print: 8 Euro
Preis Digital: 8,99 Euro
(Preise können abweichen)

*Affiliate-Link