[Rezension] Beate Maxian: Die Tote im Kaffeehaus (Sarah Pauli – Band #11)

Wien, wenige Tage vor dem berühmten Kaffeesiederball in der Hofburg: Für ihre erste große Ausgabe als neue Chefredakteurin des Wiener Boten trifft Sarah Pauli Marianne Böhm, Grande Dame der Kaffeehausdynastie Böhm, zu einem exklusiven Interview. Dann der Schock: Mitten im Gespräch sackt die alte Dame leblos in sich zusammen. Ist die Frau bloß an Altersschwäche gestorben? Sarah ist argwöhnisch, denn kurz vor ihrem Tod vertraute Böhm ihr eine rätselhafte Botschaft an. Die Journalistin beginnt zu recherchieren und stößt in der feinen Wiener Kaffeehausgesellschaft schon bald auf Geheimnisse, für die jemand über Leichen geht … (Offizieller Klappentext)


Es ist bereits der elfte Teil der Sarah-Pauli-Reihe, in den Teilen davor durften bereits etliche Wiener Sehenswürdigkeiten als Tatort herhalten – jetzt also ein Kaffeehaus. Ich muss sagen, ich persönlich war in meinem Leben so oft in einem Kaffeehaus, dass ich es wohl an einer Hand abzählen könnte. Dabei ist die Vorstellung, regelmäßig im Kaffeehaus zu sitzen, eine sehr positive, beruhigende, und vor allem eine leckere – wenn nicht gerade ein Mensch am Nebentisch stirbt wie in Beate Maxians neuestem Buch.

Sarah Pauli müsste mittlerweile auf die 40 zugehen, sie hat sich bei der fiktiven Tageszeitung „Wiener Bote“ von der Praktikantin zur Chefredakteurin hochgearbeitet und hat mit Mythen und Bräuchen ihr Leibthema gefunden – doch dann und wann mutiert sie zur Ermittlerin, und auch Chefinspektor Stein, der regelmäßig am Rande in der Reihe auftaucht, sagt ihr öfter, dass sie eine gute Polizistin abgegeben würde. Doch sie ist Journalistin mit Leib und Seele, was man ihr auch als Lesender anmerkt.

Die Sarah-Pauli-Reihe ist definitiv eine meiner Lieblingsreihen – weil ich darin einiges über Wien erfahre, und weil mich das Thema Journalismus interessiert. Und auch das Thema Mythen und Bräuche ist ein interessantes, auch wenn ich selbst kein besonders abergläubiger Mensch bin – aber irgendwelche Ticks haben wir ja alle. „Die Tote im Kaffeehaus“ verrät uns einiges über die Wiener Kaffeehauskultur, die durch die Türkenbelagerung Einzug gehalten hat, als ein Sack mit Kaffeebohnen – die zunächst fälschlicherweise für Kamelfutter gehalten wurde – gefunden wurde. Allein für dieses Wissen danke ich dem Buch, denn ich weiß schon jetzt, dass ich das nie wieder vergessen werde – unnützes Wissen ist mein Spezialgebiet.

Das Buch spielt kurz vor Corona, als der Sturm Sabine durch Europa fegte. Den habe ich tatsächlich komplett verdrängt, weil danach mit Covid19 eine noch viel größere Katastrophe durch die Welt bretterte und immer noch brettert. Sabine war quasi der Sturm vor dem Orkan. Man erfährt wie gesagt vieles über die Wiener Kaffeehauskultur, aber auch generell viel über Kaffeeanbau, und Maxian setzt sich sehr – so habe ich es zumindest aufgefasst – für Biokaffee ein. Und irgendwie habe ich seitdem Lust auf Biokaffee – keine Ahnung warum. Ich bin nicht einmal ein großartiger Kaffeetrinker, aber Beate Maxian schafft es gut, dieses Thema dezent in die Handlung einzubauen. Gegen Ende gehen wir gewissermaßen back to the roots, denn in den ersten Teilen der Reihe begab sich Sarah Pauli immer wieder in Lebensgefahr, bis es ihr ihr jüngerer Bruder Chris ausgetrieben hat. Gefällt mir sehr gut, dass Maxian ihre Leserschaft wieder ein bisschen zittern lässt.

Der Plot ist – wie gewohnt bei der Sarah-Pauli-Reihe – sehr flott – manchmal etwas zu flott, denn das Zeitgefühl ist an manchen Stellen nicht wirklich authentisch. Da ist die Rede von „ich bin in 20 Minuten da“ und fünf Zeilen später und ohne Absatz klingelt es an der Tür. Das ist mir davor nie aufgefallen und es ist auch nichts Großartiges – ich habe beim Lesen aber schon etwas gestutzt. Generell habe ich seit dem Lesen Lust, mich vielleicht ab und zu in ein traditionelles Kaffeehaus zu setzen – nach Corona.

Daten zum Buch 

Autor: Beate Maxian
Titel: Die Tote im Kaffeehaus
Seiten: 416
Kapitel: 34
Erschienen am: 19. April 2021
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3442490165
Preis Print: 10,79 Euro
Preis Digital: 9,99 Euro
(Preise können abweichen)

Rezensionsexemplar

[Rezension: Stephen King: Später

Jamie Conklin wächst in Manhattan auf und wirkt wie ein normaler neunjähriger Junge. Seinen Vater hat er nie kennengelernt, aber er steht seiner Mutter Tia, einer Literaturagentin, sehr nahe. Die beiden haben ein Geheimnis: Jamie kann von klein auf die Geister kürzlich Verstorbener sehen und sogar mit ihnen reden. Und sie müssen alle seine Fragen wahrheitsgemäß beantworten. Tia hat sich gerade aus großer finanzieller Not gekämpft, da stirbt ihr lukrativster Autor. Der langersehnte Abschlussband seiner großen Bestsellersaga bleibt leider unvollendet – wäre da nicht Jamies Gabe … Die beiden treten eine Reihe von unabsehbaren Ereignissen los, und schließlich geht es um, nun ja, Leben und Tod. (Offizieller Klappentext)


Stellt euch vor, ihr könntet mit toten Menschen reden, ihr könntet sie posthum alles fragen und sie müssten immer die Wahrheit sagen – eine gruselige Vorstellung. Aber eine nette Idee, in die wir uns alle hineinversetzen können. Aber da „nett“ bekanntlich der kleine Bruder von „scheiße“ ist, könnt ihr euch ausmalen, wie ich den aktuellen Stephen King fand.

Das Buch beginnt in der Jetzt-Zeit mit einer Rechtfertigung vom Gegenwarts-Jamie. Er rechtfertigt sich gleich mal für den häufigen Gebrauch des Wortes „später“. Der Prolog endet damit, dass er einräumt, dass dies wohl eine Horrorstory sei – um es kurz zu machen: Es ist vielleicht etwas gruselig, aber „Später“ entspricht nicht meiner Vorstellung von Horror. Damit, dass dies eine Story sei, hat er aber recht – dazu aber – ähm – später (hihi).

Nach dem Prolog reisen wir in die Vergangenheit zum sechsjährigen Jamie Conklin, der seine Fähigkeit, mit Toten zu reden, entdeckt, als seine Nachbarin stirbt. Das erzählt er – wie es Kinder in diesem Alter naturgemäß tun – seiner Mutter, welche recht bald erkennt, dass ihr Sohn sich das nicht ausgedacht hat. Als dann einer der größten Autoren, die sie als Literaturagentin betreut, stirbt, nutzt Jamies übersinnliche Fähigkeit aus, denn mittlerweile haben die Conklins einiges an Geld verloren, weil sie durch einen dubiosen Fonds übers Ohr gehaut wurden und von der New Yorker Park Avenue in eine billigere Wohnung ziehen mussten.

Danach geht das Buch aber erst richtig los, allerdings fehlt mir dann doch irgendwie ein roter Faden. Ein Anker. Ein Ziel. Stattdessen schlendern wir durch die Handlung und reden mit einem Toten nach dem Anderen: Das Buch ist zweifelsohne gut geschrieben, aber es ist eben nicht mehr als eine Story mit einer netten Idee – für ein vollwertiges Buch, für das man 20 Euro aufwärts zahlt, reicht es, meiner Meinung nach, nicht.

Auch das Ende ist vorhersehbar und völlig uninspiriert – und der Showdown hat die Bezeichnung Showdown eigentlich gar nicht verdient, denn mittendrin sagen sich Pro- und Antagonist „Nö, keinen Bock, lassen wir es bleiben“ – im übertragenem Sinne. Nachdem mich „Mind Control“ schon massiv enttäuscht hat, wurde ich mit „Später“ in meiner Meinung bestätigt: Stephen King wird absolut überbewertet.

Daten zum Buch 

Autor: Stephen King
Titel: Später
Originaltitel: Later
Übersetzung: Bernhard Kleinschmidt
Seiten: 306
Kapitel: 69
Erschienen am: 15. März 2021
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3453273351
Preis Print: 21,59 Euro
Preis Digital: 17,99 Euro
(Preise können abweichen)

Rezensionsexemplar

[Rezension] Peter James: Du stirbst für mich (Roy Grace – Band #13)

Lorna Belling hat genug. Genug von ihrer höllischen Ehe und ihrem brutalen Ehemann Corin. Und jetzt auch von ihrem Liebhaber Greg, der sie seit zwei Jahren über seine wahren Absichten belügt. Doch als sie ihm droht, rastet Greg aus.
Als die Leiche einer toten Frau in Brighton gefunden wird, sieht für Detective Superintendent Roy Grace zunächst alles nach einem einfach zu lösenden Fall aus. Zumal ein brutaler Ehemann ein perfekter Hauptverdächtiger ist. Doch diese Ermittlung hat es in sich: Der Fall geht in eine völlig andere Richtung als gedacht, und Roy Grace steckt mitten in einer der schwierigsten Ermittlungen seines Lebens. (Offizieller Klappentext)


Letztens habe ich mich wieder mal an die Roy-Grace-Reihe von Peter James erinnert, von denen ich irgendwann im Jahre Schnee ein paar Teile gelesen habe. Mittlerweile gibt es 13 davon. 13 Teile über diverse Mörder, die das südenglische Brighton unsicher machen – das hat irgendwie etwas von „Der Bulle von Tölz“, denn die Vorstellung, dass eine mittelgroße Kleinstadt regelmäßig von (Serien)Mördern unsicher gemacht wird, ist fern jeglicher Realität. Aber vielleicht ist genau das das Erfolgsrezept der Reihe.

Lorna ist Friseuse, bei der es nicht gerade rundläuft, denn sie wird tagein, tagaus von ihrem Mann Corin geschlagen und misshandelt – erst letztens hat er versucht, ihr Hundekot in den Mund zu stopfen. Neben dem Stylen hat sie nämlich auch begonnen, Hunde zu züchten. Um sich von den Gräueltaten ihres Mannes abzulenken, hat sie eine Affäre in einer Wohnung, die sie extra dafür gemietet hat. Ein Liebesnest. Eine Bumsbude. Jetzt hat sie herausgefunden, dass sie ihr Liebhaber nach Strich und Faden belogen hat. Läuft bei ihr.

Roy Grace ist plötzlich Vater geworden. Nachdem seine Ex-Frau Sandy zehn Jahre wie vom Erdboden verschluckt war, ist sie nach einem Unfall – sie wurde von einem Auto angefahren – wie aus dem Nichts aufgetaucht. Da sie den Unfall nicht gut verwunden hat, hat sie sich kurzerhand das Leben genommen. In ihrem Testament eröffnet sie Roy Grace, dass ihr zehnjähriger Sohn Bruno von ihm sei. Um die Formalitäten zu klären, reist Grace nach München, wo Sandy die letzten Jahre gelebt hat, und holt Bruno – der zum Glück tadellos Englisch spricht – zu sich nach Brighton. Für mich eine Horror-Vorstellung, wenn mir plötzlich ein fremder Mensch vorgesetzt wird, der mich in ein mir fremdes Land bringt. Aber Bruno verdaut es ganz gut, auch wenn er gewisse Probleme haben dürfte, wie Sandy im Testament schreibt.

Ich habe lange überlegt, ob ich dieses Buch rezensieren soll, da die Handlung zwischendrin nur schwer nachvollziehbar war, es oft Rückgriffe in vergangene Teile gab, die ich nicht verstanden habe, weil ich sie nicht gelesen habe. Graces Geschichte mit Sandy zum Beispiel – oder die mit seiner neuen Frau Cleo. Davon ausgehend würde ich nicht empfehlen, mit diesem Teil in die Reihe einzusteigen.

Der Kriminalfall – die Binnenhandlung sozusagen – ist aber durchaus okay – allerdings nichts, was outstanding ist. Man kann als Leser miträtseln, wer der Täter ist (was man spätestens im letzten Drittel des Buches heraus hat) und man bekommt immer wieder kurze Kapitel serviert, die die Sicht des Täters zeigen. Beziehungsweise ist lange gar nicht klar, ob es überhaupt Mord war – und das wirft eine interessante Frage auf: Wie viele Morde werden eigentlich als solche entdeckt? Oftmals – vor allem bei älteren Personen – geht man meistens von einem natürlichen Tod aus, wenn es nicht gerade offensichtlich ist – sprich: wenn das Opfer nicht gerade ein Loch im Kopf hat. Ich habe dann mal gegoogelt, wie viele Morde unentdeckt bleiben, und die Antwort ist schockierend, denn es sind 50 Prozent.

Na ja, zurück zum Buch: Kann man lesen, und es wird auch nie langweilig – aber man verpasst auch nichts, wenn man „Du stirbst für mich“ nicht liest. Ein zeitloser Thriller, der auch in fünf Jahren noch seine Aktualität hat.

Daten zum Buch 

Autor: Peter James
Titel: Du stirbst für mich
Originaltitel: Need you dead
Übersetzung: Irmengard Gabler
Seiten: 464
Kapitel: 115
Erschienen am: 24. Februar 2021 (als TB)
Verlag: FISCHER Taschenbuch
ISBN: 978-3596701537
Preis Print: 10,79 Euro
Preis Digital: 9,99 Euro
(Preise können abweichen)

Rezensionsexemplar

[Rezension] Claire Douglas: Vergessen – Nur du kennst das Geheimnis

Kirsty hat den Traum, ein Gästehaus zu führen, also kauft sie sich kurzerhand ein altes Haus in Wales. Doch dann kommt Selena, ihre Cousine, mit der sie sich früher gut verstanden hat. Sie waren fast wie Schwestern – bis ein Vorfall Misstrauen gesät hat. Kirsty ging weg und studierte, Selena hat sie nie wieder gesehen. Hat sie sich verändert oder lügt sie immer noch so schamlos wie damals? Sie ist eine liebende Mutter geworden, kümmert sich rührend um ihre behinderte Tochter. Sie ist von ihrem Mann Nigel geflüchtet, er sei ihr gegenüber gewalttätig, sie müsse weg. Behauptet sie. Als dann Dean auch noch kommt, mit dem Selena früher eine Beziehung hatte, kommt Spannung auf. Kirsty mag ihn nicht, traut ihm nicht mit seinem schelmischen Grinsen, das nie bis zu seinen Augen reicht. Dann beginnt es: welke Blumen liegen vor der Tür, ein Strick hängt eines Tages an der Decke, und dann liegt  plötzlich jemand tot am Fuß der Treppe. Ist dieses Haus verflucht …?


Das dritte Buch von Claire Douglas erschien im April, und ich hätte es fast übersehen. Erst im Mai hab ich mir ihren neuesten Psychothriller geholt, dann lag er noch ein paar Wochen herum, aber dann habe ich mich ins „Vergessen“ gestürzt – ein Titel, der auch als Demenz-Ratgeber funktionieren könnte. Mit Demenz hat dieses Werk aber nichts am Hut; genau genommen auch nichts mit dem Vergessen.

Kirsty hat sich gemeinsam mit ihrer Mutter Carol ein altes Pfarrhaus gekauft und will ihren Traum von einem Gästehaus, einer Pension, verwirklichen. Generell ist es ein guter Zeitpunkt für einen Neuanfang, denn ihr Mann Adrian hat vor einem Jahr versucht, sich das Leben zu nehmen. Ein guter Anlass also für einen Tapetenwechsel. Nach seinem Zusammenbruch versucht sich der ehemalige Rechtsanwalt als Autor – ein Thriller soll es werden. Die Kinder – Evie und Amelia – müssen mit. Dass keine der beiden damit glücklich ist, ist wurscht – mitgehangen, mitgefangen. Und dann kommt auch noch Selena, Kirstys Cousine, mit ihrem Kind – aber dem nicht genug, denn Kirstys Halbbruder und der Ex von Selena checken ebenfalls ein. Das Geschäft brummt, aber mein erster Gedanke war: Solche Familientreffen gehen selten gut – tut es auch hier nicht.

Vor der Leiche kommt der Grusel, denn nicht nur liegt das Pfarrhaus – logischerweise – neben einem Friedhof, sondern es taucht auch eine sonderbare Puppe auf, in die sich Evie – die jüngere der beiden Töchter – sofort schockverliebt. Dass sich dann auch noch ein Gast als Esotante entpuppt, die etwas von schlechter Energie daherbrabbelt, macht die Gänsehaut-Atmosphäre perfekt. Wir finden also gleich mehrere Genres im 464 Seiten starken Buch – später kommt noch ein Whodunit-Aspekt dazu. Denn natürlich ist die Hauptfrage des Thrillers: Wer hat wen die Treppe hinuntergestoßen? Denn dass es ein Unfall war, wird schnell von der Polizei ausgeschlossen. Da ist auch die Leserschaft eingeladen, mitzuraten – als Preis winkt nichts Geringeres als … okay, es gibt nichts. Aber davon immerhin viel.

Das Buch wird in ein Davor und ein Danach geteilt – vor dem Tod und danach. Hier zählen wir jeweils die Tage. Der Prolog bietet dabei ein schönes Foreshadowing, in dem der vermeintliche Unfall schon mal grob skizziert wird. Später lesen wir dieselbe Szene noch mal, nur erfahren wir dann erst, wer das Opfer ist.

Auch wenn die Geschichte etwas braucht, um in die Gänge zu kommen, entwickelt sich das Buch irgendwann zu einem richtigen Pageturner. Ich habe schon lange nicht mehr so viele Seiten in so wenig Zeit gelesen. Trotzdem bietet „Vergessen“ einen gewissen Tiefgang, Douglas behandelt nämlich ein paar sehr interessante Themen.

Die größte Schwäche sind allerdings die Charaktere, die leider kaum Tiefe bieten, teilweise konnte ich sie nicht mal auseinanderhalten, weil sie sich so ähnlich sind. Auch empfand ich Kirsty als irrsinnig schwachen Charakter und für den Beruf als Pensionsbesitzerin eigentlich ungeeignet. Sie schafft es nicht einmal, einer Gästin zu sagen, dass ihr Hund nicht hierbleiben darf. Abgesehen davon lässt sie ihren Asthmaspray immer irgendwo liegen (das hat zwar auch andere Gründe, aber zumindest gegen Ende fallen diese weg). Ich wurde auch auf dem Buchtitel nicht wirklich schlau, denn mit dem Inhalt hat er recht wenig zu tun.

Gruselfans schlagen zu, aber alles in allem fand ich, dass „Vergessen“ bis dato das schwächste Buch von Claire Douglas ist.

Daten zum Buch 

Autor: Claire Douglas
Titel: VERGESSEN – Nur du kennst das Geheimnis
Originaltitel: Do Not Disturb: Be Careful who You Let Inside
Übersetzung: Ivana Marinović
Seiten: 464
Kapitel: 40
Erschienen am: 27. April 2020
Verlag: Penguin
ISBN: 978-3-328-10546-6
Preis Print: 13 Euro
Preis Digital: 9,99 Euro
(Preise können abweichen)

[Rezension] JP Delaney: Tot bist du perfekt

Tim ist Inhaber von Scott Robotics, einem Silicon-Valley-Start-up, das Roboter herstellt. Tim ist Visionär und ein richtiger Nerd. Doch Tim ist alleine, seit seine Frau Abbie verstorben ist. Deshalb hat er sich jetzt einfach ersetzt, indem er einen Roboter gebaut hat, der aussieht wie sie. Er sieht nicht nur aus wie Abbie, er spricht, denkt und fühlt wie sie – denn es ist der erste Roboter mit Empathie. Diesem wurden alle Informationen zu Abbie eingepflanzt, damit er Abbie zum Verwechseln ähnlich ist. Und beide sind glücklich, sogar Tims autistischer Sohn Danny akzeptiert seine neue Mutter, und so leben die drei relativ glücklich beisammen – bis Roboter-Abbie nicht nur ein geheimnisvolles iPad findet, sondern auch mysteriöse SMS von einem „Freund“ bekommt. Sie beginnt daraufhin, über Realo-Abbie nachzuforschen, und fragt sich bald darauf: Ist Abbie vielleicht gar nicht tot …?


JP Delaney hat sich seit seinem ersten Buch zu einer meiner Lieblingsautoren entwickelt. Er liefert konstant gute Unterhaltung. Nun also erschien sein drittes Buch, worin er eine ganz neue Richtung einschlägt – die wird auf den ersten Blick nicht jedem gefallen, aber Delaney macht es dann doch so, dass sie einer breiten Masse gefallen wird. Oder zumindest könnte.

Der Hauptcharakter ist mitnichten Tim, der Visionär aus der Technikschmiede Silicon Valley, dessen Firma mit dem egozentrischen Namen Scott Robotics – Tims Nachname ist Scott – neben Google und Facebook residiert. Der Hauptcharakter von „Tot bist du perfekt“ ist Abbie – sowohl jene Ausführung aus der Vergangenheit, als auch dessen gegenwärtige Version als Roboter. Ihr wurden einige Erinnerungen von der echten – toten – Abbie eingepflanzt – den Rest lernt sie automatisch; es macht klack, und eine weitere Erinnerung ist da. Wie das technisch funktioniert, erklärt uns Delaney nicht – weil er es vermutlich selber nicht weiß. Zumindest lässt die Danksagung das anklingen, in der er einräumt, dass er sich nicht großartig in die Thematik eingelesen hat. Der Thriller passt einfach in die Zeit, also passt das schon, wird er sich gedacht haben – Oberflächlichkeit zieht immer. Das ist opportunistisch, aber clever.

Ein zweites Thema im Buch ist Autismus, und hier wird es nicht nur persönlich, sondern ausgesprochen sympathisch. Auch hier verweise ich auf die Danksagung. Tims autistischer Sohn Danny hat mich anfangs nur genervt. Nach und nach wurde mir der Junge, der fast ausschließlich in Zitaten aus „Thomas, die kleine Lokomotive“ spricht, immer sympathischer, weil er Ecken und Kanten hat und durch seine Andersartigkeit mehr Charakter als alle anderen Figuren hat. Anders als beim Roboter Abbie hat Delaney hier auch recherchiert. Jahrelang vermutlich – sein Sohn ist nämlich selber Autist. Spätestens hier wird das Buch nicht nur lesenswert, sondern auch sympathisch.

Das Buch beginnt wie die erste „Black Mirror“-Folge aus der zweiten Staffel. Da ihr Freund bei einem Autounfall umkam, bestellt sich die Protagonistin aus der Serie kurzerhand einen Roboter, der aussieht wie ihr Freund. Nach und nach muss sie aber einsehen, dass ein Roboter ihren Freund nicht ersetzen kann. Zumindest der Beginn von „Tot bist du perfekt“ ähnelt der Episode sehr, nur dass Tim sich den Roboter nicht bestellt, sondern selber durch seine Firma bauen lässt. Spätestens da hatte mich das Buch, denn die Episode von „Black Mirror“ hat sich nachhaltig in mein Hirn gebrannt. Danach blicken wir immer wieder zurück zur echten Abbie, als sie in Tims Unternehmen begonnen hat, ihre Ideen – Abbie war Künstlerin – umgesetzt und sich nach und nach in Tim verliebt hat – und vice versa.

„Tot bist du perfekt“ ist definitiv anders. Anders als Delaney andere Bücher. Ich habe es auch nicht als Thriller wahrgenommen, auch wenn Delaney einige Elemente eingebaut hat, die dafür sprechen, manche davon wirken regelrecht hineingezwängt, damit man das Label Thriller rechtfertigen kann. Auch die Erzählweise ist interessant, denn im Roboter-Abbies Strang wird aus der Du-Perspektive erzählt, als wollte Delaney mit dem Leser sprechen. In den Rückschauen zur echten Abbie wird aus der Wir-Perspektive erzählt. So als würde die gesamte Belegschaft von Scott Robotics über Abbie erzählen.

„Tot bist du perfekt“ ist eine interessante Reise und meiner Meinung nach nicht nur JP Delaneys bestes, sondern auch persönlichstes Buch.

Am Ende noch ein kleiner Tipp: Googelt mal Bina48 und schaut ein Video von ihr. Richtig gruselig, aber auch faszinierend.

Daten zum Buch 

Autor: JP Delaney
Titel: Tot bist du perfekt
Originaltitel: The Perfect Wife
Übersetzung: Sibylle Schmidt
Seiten: 448
Erschienen am: 9. März 2020*
Verlag: Penguin
ISBN: 978-3-328-10459-9
Preis Print: 13 Euro
Preis Digital: 3,99 Euro
(Preise können abweichen)

*eBook-Release war ein Monat früher

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Die Reihenfolge ist nicht endgültig, aber in der Regel wie hier dargestellt.. Die Rezensionstermine sind nur voraussichtlich – Änderungen vorbehalten.  Weiterlesen