[Rezension] Beate Maxian: Die Tote im Kaffeehaus (Sarah Pauli – Band #11)

Wien, wenige Tage vor dem berühmten Kaffeesiederball in der Hofburg: Für ihre erste große Ausgabe als neue Chefredakteurin des Wiener Boten trifft Sarah Pauli Marianne Böhm, Grande Dame der Kaffeehausdynastie Böhm, zu einem exklusiven Interview. Dann der Schock: Mitten im Gespräch sackt die alte Dame leblos in sich zusammen. Ist die Frau bloß an Altersschwäche gestorben? Sarah ist argwöhnisch, denn kurz vor ihrem Tod vertraute Böhm ihr eine rätselhafte Botschaft an. Die Journalistin beginnt zu recherchieren und stößt in der feinen Wiener Kaffeehausgesellschaft schon bald auf Geheimnisse, für die jemand über Leichen geht … (Offizieller Klappentext)


Es ist bereits der elfte Teil der Sarah-Pauli-Reihe, in den Teilen davor durften bereits etliche Wiener Sehenswürdigkeiten als Tatort herhalten – jetzt also ein Kaffeehaus. Ich muss sagen, ich persönlich war in meinem Leben so oft in einem Kaffeehaus, dass ich es wohl an einer Hand abzählen könnte. Dabei ist die Vorstellung, regelmäßig im Kaffeehaus zu sitzen, eine sehr positive, beruhigende, und vor allem eine leckere – wenn nicht gerade ein Mensch am Nebentisch stirbt wie in Beate Maxians neuestem Buch.

Sarah Pauli müsste mittlerweile auf die 40 zugehen, sie hat sich bei der fiktiven Tageszeitung „Wiener Bote“ von der Praktikantin zur Chefredakteurin hochgearbeitet und hat mit Mythen und Bräuchen ihr Leibthema gefunden – doch dann und wann mutiert sie zur Ermittlerin, und auch Chefinspektor Stein, der regelmäßig am Rande in der Reihe auftaucht, sagt ihr öfter, dass sie eine gute Polizistin abgegeben würde. Doch sie ist Journalistin mit Leib und Seele, was man ihr auch als Lesender anmerkt.

Die Sarah-Pauli-Reihe ist definitiv eine meiner Lieblingsreihen – weil ich darin einiges über Wien erfahre, und weil mich das Thema Journalismus interessiert. Und auch das Thema Mythen und Bräuche ist ein interessantes, auch wenn ich selbst kein besonders abergläubiger Mensch bin – aber irgendwelche Ticks haben wir ja alle. „Die Tote im Kaffeehaus“ verrät uns einiges über die Wiener Kaffeehauskultur, die durch die Türkenbelagerung Einzug gehalten hat, als ein Sack mit Kaffeebohnen – die zunächst fälschlicherweise für Kamelfutter gehalten wurde – gefunden wurde. Allein für dieses Wissen danke ich dem Buch, denn ich weiß schon jetzt, dass ich das nie wieder vergessen werde – unnützes Wissen ist mein Spezialgebiet.

Das Buch spielt kurz vor Corona, als der Sturm Sabine durch Europa fegte. Den habe ich tatsächlich komplett verdrängt, weil danach mit Covid19 eine noch viel größere Katastrophe durch die Welt bretterte und immer noch brettert. Sabine war quasi der Sturm vor dem Orkan. Man erfährt wie gesagt vieles über die Wiener Kaffeehauskultur, aber auch generell viel über Kaffeeanbau, und Maxian setzt sich sehr – so habe ich es zumindest aufgefasst – für Biokaffee ein. Und irgendwie habe ich seitdem Lust auf Biokaffee – keine Ahnung warum. Ich bin nicht einmal ein großartiger Kaffeetrinker, aber Beate Maxian schafft es gut, dieses Thema dezent in die Handlung einzubauen. Gegen Ende gehen wir gewissermaßen back to the roots, denn in den ersten Teilen der Reihe begab sich Sarah Pauli immer wieder in Lebensgefahr, bis es ihr ihr jüngerer Bruder Chris ausgetrieben hat. Gefällt mir sehr gut, dass Maxian ihre Leserschaft wieder ein bisschen zittern lässt.

Der Plot ist – wie gewohnt bei der Sarah-Pauli-Reihe – sehr flott – manchmal etwas zu flott, denn das Zeitgefühl ist an manchen Stellen nicht wirklich authentisch. Da ist die Rede von „ich bin in 20 Minuten da“ und fünf Zeilen später und ohne Absatz klingelt es an der Tür. Das ist mir davor nie aufgefallen und es ist auch nichts Großartiges – ich habe beim Lesen aber schon etwas gestutzt. Generell habe ich seit dem Lesen Lust, mich vielleicht ab und zu in ein traditionelles Kaffeehaus zu setzen – nach Corona.

Daten zum Buch 

Autor: Beate Maxian
Titel: Die Tote im Kaffeehaus
Seiten: 416
Kapitel: 34
Erschienen am: 19. April 2021
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3442490165
Preis Print: 10,79 Euro
Preis Digital: 9,99 Euro
(Preise können abweichen)

Rezensionsexemplar

[Rezension] Beate Maxian: Der Tote im Fiaker (Sarah Pauli – Band #10)

Sarah Pauli ist gerade in den achtzehnten Wiener Gemeindebezirk gezogen und zur Chefredakteurin aufgestiegen. Doch deshalb legt sie nicht die Füße hoch und ruht sich auf ihren Lorbeeren aus – ganz im Gegenteil. In Wien wird ein Mann, der gerade am Weg zu einem Termin ist, aus nächster Nähe erschossen, als er gerade aus einem Fiaker steigen will. Neben der Leiche liegt ein Zettel mit einem aufgemalten Taukreuz und einem Kryptogramm. Tatsächlich werden in letzter Zeit in ganz Wien Taukreuz-Graffitis gesprayed – die Chronik-Redaktion des „Wiener Boten“, die von Sarah geleitet wird, will herausfinden, was dahintersteckt. Nebenbei wird sie von Chefermittler Stein damit beauftragt, das Kryptogramm zu entschlüsseln. Die ernüchternde Lösung dessen lautet: Es wird Tote geben …


Grund zum Feiern: Sarah Pauli wird zehn! Also zumindest in der Reihe von Beate Maxian, „Der Tote im Fiaker“ ist nämlich der zehnte Teil rund um die Journalistin Sarah Pauli, die damals mehr oder minder von der Ermordung der Enthüllungsjournalistin Hilde Jahn profitiert und ihren Arbeitsplatz geerbt hat. Nun ist sie in die Chefredaktion aufgestiegen und bearbeitet nach wie vor mysteriöse Mordfälle.

Nun hat sich Beate Maxian eine Wiener Institution als Tatort hergenommen – nämlich die Wiener Fiaker, die seit dem 17. Jahrhundert durch Wien fahren – höchste Zeit also, dass sie Einzug in den Wien-Krimis rund um Sarah Pauli finden. Pauli füllt neben ihrer Tätigkeit als Chefredakteurin auch eine Kolumne über Bräuche und Mythen, sie wird deshalb auch liebevoll „Hexe vom ‚Wiener Boten’“ genannt. Immer wieder stolpert die immer noch junge Journalistin über mysteriöse Mordfälle, die sie zu lösen versucht. Nicht immer geht es ohne Action aus, vor allem in den ersten Teilen der Sarah-Pauli-Reihe begab sich die Protagonistin in lebensgefährliche Situationen – das lässt Maxian im zehnten Band wieder etwas aufleben.

Man kommt sehr flott durch die 400 Seiten, belebt wird das Ganze durch Dialoge, Fließtexte findet man nicht allzu viele. Ich mag das gerne, denn man kann sich beim Lesen zurücklehnen und entspannen. Das Buch lädt aber auch zum Miträtseln ein, Maxian gibt einem auch das nötige Werkzeug zum Lösen der Kryptogramme in die Hand. Was die Taukreuze betrifft, die an diverse Wiener Orte gesprayed werden, musste ich an jenen Schweizer denken, der vor einigen Jahren auf alle erdenklichen Wände das Fantasiewort „Puber“ sprayte – nur dass der Herr nichts mit Religion und noch weniger mit Mord zu tun hatte. Religion spielt tatsächlich eine größere Rolle in dem Buch, das erste Opfer führte zum Beispiel ein Geschäft, das christliche Devotionalien verkaufte. Auch Kirchen spielen im Buch oft eine Rolle.

Die Handlung spielt nicht nur in Wien, für ein paar Kapitel spielt sie auch in Innsbruck – wenn mich nicht alles täuscht, ist das ein Novum in der Sarah-Pauli-Reihe. Generell fällt es auf, dass sich die Reihe enorm weiterentwickelt hat. Sarah ist Chefredakteurin geworden und von Ottakring nach Währing übersiedelt, ihr Bruder ist mittlerweile Arzt und bezüglich seiner Beziehungen zu Frauen sesshaft geworden, und genau deshalb habe ich exakt einen Kritikpunkt am „Toten im Fiaker“: Sarah Pauli hätte im zehnten Teil ihrer Reihe zumindest für einen kurzen Absatz innehalten und an die Frau denken können, der sie das alles zu verdanken hat: Hilde Jahn. Das ist vielleicht ein etwas seltsamer Kritikpunk, aber das hätte ich schön gefunden.

Daten zum Buch 

Autor: Beate Maxian
Titel: Der Tote im Fiaker
Seiten: 400
Kapitel: 38 (+ Epilog)
Erschienen am: 16. März 2020
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3499001444
Preis Print: 10 Euro
Preis Digital: 9,99 Euro
(Preise können abweichen)

[Rezension] Beate Maxian: Mord im Hotel Sacher (Sarah Pauli – Band IX)

Sarah Pauli, die Journalistin vom „Wiener Boten“, ist beim Frühlingsfest im Hotel Sacher, als sie ein streitendes Pärchen beobachtet. Kurz danach wird die Frau tot auf der Toilette gefunden. Sarah Pauli verfolgt die Sache journalistisch und geht der Geschichte der getöteten nach. Diese war Konditorin und in einer On/Off-Beziehung mit ihrem Chef Max Brücker – eben jenem Mann, mit dem sie sich stritt. War die Sache so einfach? Sarah recherchiert und recherchiert und landet irgendwann in der Welt der Blumen. Aber wie passt das alles zusammen? Sarah schmiedet eine Theorie, die selbst ihr Umfeld zurücklässt … Weiterlesen

[Rezension] Beate Maxian: Tod in der Kaisergruft (Sarah Pauli – Band #8)

Wien im Hochsommer, die Augusthitze ist schier unerträglich und steigt so manchem zu Kopf. So auch einem Menschen, der in die Wiener Kaisergruft hinabsteigt und ahnungslose Menschen erschießt. Sarah Pauli wittert sofort eine Story für das Chronik-Ressort des Wiener Boten und fährt zum Tatort, wo sie allerdings nur wenig erfährt.
Indessen ist Isabella Schönegg-Bach außer sich, über die Bilder ihrer Schwester Christa. Sie hat Fotos einer ihr unbekannten Kollektion in den neuen Katalog der Modewelt Schönegg geschmuggelt, ohne es mit ihr abzusprechen. Doch als sie ihre Schwester zur Rede stellen will, ist sie  scheinbar spurlos verschwunden …  Weiterlesen

[Rezension] Beate Maxian: Die Prater-Morde (Sarah Pauli VII)

Lucie Viktor ist Kunstfotografin, die die hässlichen Seiten Wiens fotografiert; jene Seiten, die Touristen nicht sehen. Sie macht zum Beispiel Fotos von Müllhäufchen, Drogendeals oder Obdachlose. Als sie ein Bild von einer ihr bekannten Obdachlosen macht, die sich mit einem aufstrebenden Politiker unterhält, erahnt sie die Sprengkraft dessen erst dann, als sie dafür fast mit ihrem Leben bezahlen muss.
Bereits davor stößt Sarah Pauli auf den Tod eines Obdachlosen, der offiziell an Herz-Kreislauf-Versagen gestorben sein soll. Als sie weiterforscht, stößt sie auf drei solche Tode in den letzten Monaten und wittert eine Mordserie … Weiterlesen